Airline 666 zur Hölle- Flugloch: Diagnose Brustkrebs

Manche kennen diese Story bereits. Sie erzählt wie alles begann und welche- „oh wie tolle“- Betreuung ich mit meiner Frauenärztin hatte und mich mit meiner nahenden Diagnose auseinandersetzen musste. Die letzten 3 Wochen waren anstrengend und voller dieser Luftlöcher, welche man unter Fluglöcher auf Urlaubsreisen kennt. Diese schönen Fallwinde, die das Flugzeug zu einem rapiden Höhenfall von gut 10 Metern bringen kann. In den vergangen Wochen habe ich so manches Flugloch mitgenommen, zum Glück nicht alleine. Mein Freund ist mit auf und ab gesegelt. Man ist halt angewiesen auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Piloten, der ein wieder auf den Boden bringt.

Weg von der Metapher und hin zu den Tatsachen. Ich bin vor 3 Wochen mit einer mir auffälligen Brust zu einer mir empfohlenen Frauenärztin gegangen. Wie so manche Frau ebenfalls kennt, gibt es Zeiten während oder vor der Periode, in dem die Brust anschwillt, sich fester anfühlt und schmerzt. Diese Phasen hatte ich ebenfalls, bis sich meine linke Brust nicht wirklich davon erholte. Ich bin also zur generellen Vorsorge gegangen. Was mich dort erwartete, habe ich nicht erwartet…

Mit „Da ist was drin“, und „das muss raus“ wurde meine Brust betastet, bis es hieß „sie kriegen gleich eine Überweisung ins Brustzentrum und zur Mammographie“. Ich war total vor dem Kopf gestoßen, hatte dafür erstaunliche Antennen, die unruhige und fast aufgelöste Ärztin wahrzunehmen.

Leider blieb mir keine Zeit für Fragen wie: „Was genau ist nicht richtig?“, „Wo befinden sich denn die besorgniserregende Stelle? Und was gibt es denn überhaupt für Behandlungsmethoden?“ Wie kommt man auch auf solche Fragen, wenn die Ärztin rausrennt und dann wiederkommt um zu sagen dass es operiert werden muss. Ohne ein Ultraschall gemacht zu haben.

Sicherlich ist es eine Ärztin die Berufserfahrung hat, dass möchte ich ihr nicht aussprechen aber eine sensible Umgangsform mit ihren Patienten fehlt da grundlegend. Zumal es ja auch ein anderer Grund sein konnte. Nun gut… mit einer vorläufigen Krankschreibung und den wildesten Phantasien habe ich erstmal meiner Chefin ein Ohr abgeheult- was sollte ich auch tun. Mir wurde jetzt schon, vorm geistigen Auge, die Brust abgenommen und als hässliches Narbengebilde hinterlassen. (Was für ein veraltetes Bild! – das sieht heute zum Glück alles besser aus.) Tja, wenn die Ängste da sind, man keine Ahnung von nichts hat und dann auch noch nicht mal eine Aufklärung bekommt- dann kommt Moppelkotze dabei raus.

Das war das erste Flugloch. Drei Tage warten, mit keiner nachprüfbaren Diagnose, keiner Perspektive, nichts außer besorgniserregende Scheiße (Entschuldigt meine Wortwahl). Die Tage waren die Hölle und am größten war die Wut darauf so behandelt zu werden!

Ich bin zur Mammographie, konnte dem Personal nicht sagen wo sich meine Auffälligkeiten befinden und fühlte mich wieder traurig, hängen gelassen und wütend zu gleich. Wenigstens haben mich die Ärzte vernünftig behandelt und sogar direkt vor Ort die erste Diagnose gegeben. Trotz der Mammographie konnte bis auf eine Verkalkung nichts genaues gesehen werden.

Erstmal beruhigt bin ich dann ins Brustzentrum um weitere Untersuchungen durchführen zu lassen. Passend zu meinem Misstrauen in die Kompetenz meiner Frauenärztin, kam die Frage ob sie bereits ein Ultraschall der betroffenen Brust gemacht hat. Natürlich NICHT. Das wurde dann vor Ort im Brustzentrum gemacht. Was auch schon veränderte Strukturen darstellte. Wie hat die Ärztin gesagt: „Eine normale Bruststruktur sieht aus wie kleine Schäfchenwolken“. Für mich sahen diese wie Schäfchenwolken in der Stratosphäre aus. Die kommen in einer kleineren und engeren Form vor. Die linke Brust hingegen zeigte eher eine gequirlte Wolkenfront. Das war auffällig (So sah mein Tumor aus- bitte also nicht auf euch übertragen, solltet ihr in einer ähnlichen Situation stecken).Je nach Tumor und Entwicklungsform sieht dieses bei jedem anders aus. Also gleich eine Biopsie hinterher. Ich möchte nie in meinem Leben eine zweite Biopsie durchmachen müssen aber man weiß ja nie. Dreimal mit einer Nadel in die Brust, um dann mit der Stanznadel 2cm weiter hinein zu schießen…Verdammt…DAS TAT WEH! Danach gab‘s noch eine Nadel (ohne Stanzen) für meinen Lymphknoten, der ebenfalls ungewöhnlich groß und verformt war, sowie eine kleine Hautprobe aus der Brust (Ich erspare euch diese „Gore-Momente“ und werde nicht weiter ins Detail gehen ^^;..;^^). Für die nächsten zwei Tage war ich bedient und mein Fazit- ich will eine neue Frauenärztin.

Es geht natürlich weiter…

Flugloch Nr.2: Nun gut, weil ich doch versuche ein gutes Verhältnis mit „meiner“ Frauenärztin aufzubauen, gehe ich direkt nach der Biopsie zu ihr hin und berichte ihr über die vorläufigen UND ungenauen Ergebnisse. Eine vollständige und genaue Diagnose erhält sie den kommenden Dienstag. Zusätzlich benötige ich eine Überweisung ins Krankenhaus für ein MRT.  Ich lese auf der Überweisung – Tumor (Woher nimmt sie sich heraus, dass es ein Tumor ist- kann ja sein dass man das schon so sagen kann- Aber ohne Erklärung war das für mich nicht nachvollziehbar!) und OP- (Ich habe nichts von OP gesagt). Ich lenke natürlich ein und sage ich habe erstmal ein MRT und einen Aufenthalt für einen Tag im Klinikum. Eine OP war zu der Zeit gar kein Thema. Wie auch, wenn man noch nicht mal weiß ob es sich überhaupt um Krebszellen handelt oder nicht. Und da endet mein Verständnis. Sie hat noch nicht mal eine Diagnose erhalten!! Und dann ohne Plan gleich eine OP festzumachen, in dem Stadium in der ich mich oder die Erhebungen befindet. Ich könnte kotzen… das macht mich immer noch rasend! Wie war das mit Verhältnis und Vertrauensaufbau… Nada. Wut ist besser als Hoffnungslosigkeit. Mein Auftrag: nächste Woche Dienstag bei meiner Frauenärztin zur Diagnose anrufen. Na super, bis dahin habe ich wenigstens Kontaktstille.

Ihr könnt vielleicht nachvollziehen, wenn ich bereits zwei Tage vor dem Telefonat schon innerlich unruhig wurde, weil ich befürchtete noch mehr unangenehme und nicht nachvollziehbare Dinge vor den Kopf geworfen zu bekommen. Ein toller Tipp eines Freundes: Fragen aufschreiben!

Flugloch Nr. 3- es geht noch besser: Vorbereitet auf das Gespräch mit meiner Ärztin ist der Tag X gekommen. Die Zeit kriecht nur dahin. Ich rufe nervös an, eine Krankenschwester nimmt ab und ich frage nach der Ärztin sowie der Diagnose. Anstatt die Ärztin zu sprechen kriege ich nach einem halbminütigen Papiergeraschel, eine zweite Krankenschwester ans Telefon. „Ihre Diagnose ist heute angekommen, bitte gehen sie am 19.06 zur onkologischen Tagesklinik und am 25.6 zur genetischen Untersuchung.“

Tief durchatmen. „Kriege ich keine Diagnose? Ich würde gerne erstmal wissen was überhaupt los ist.“

„Ja, ich kann ihnen keine Diagnose geben“, höre ich durch das Telefon.

Natürlich will ich mit der Ärztin sprechen und hoffe noch an dem Tag einen Termin zu bekommen. „Am Donnerstag- zwei Tage später, (wenn ich das MRT hab) wäre was frei oder morgen früh um 7.30 Uhr.“

Ich nehme an und lege auf. WTF. ICH WOLLTE DOCH NUR EINE ANTWORT!

Wer gibt denn bitte schön Termine durch, wenn man noch nicht mal ein Gespräch geführt hat und der Patient nicht weiß was raus gekommen ist. Klar, dass mit der Diagnose am Telefon hatte ich ja irgendwo schon befürchtet aber gehofft ich hätte mich geirrt. Da sitze ich nun ohne Gespräch, mit allem und nichts in der Birne neben meinem Freund auf dem Sofa. Alles was ich denke ist mit meinen Emotionen verbunden und die liegen verkrampft zwischen Herz, Zwerchfell und Tränendrüsen herum. Verständnislosigkeit und Wut. Ich halte es nicht aus einen Tag zu warten und dann dieser Frauenärztin unter die Augen zu treten. Eine halbe Stunde später rufe ich im Brustzentrum an. Natürlich heule ich der Guten am Telefon meine Belange vor. Ich werde gebeten zu warten und dann kommt die Erlösung des Wartens.- Auch wenn man das wohl nicht am Telefon macht…

Die Diagnose: Bösartige Befunde in der Brust und im Lymphknoten. Die Hautprobe ist in Ordnung.

Natürlich alles ruhig und angenehm verpackt, ohne groß drum herum zureden. Kein vertrösten, kein Nicht-Verstehen. Ich fühle mich ernst genommen. Das Gewicht auf meinem Rücken fällt von mir ab.

Jetzt ist es klar vor mir: Krebs und eine Chemo ist angedacht es folgt das Gespräch in der Tagesklinik wie alles ablaufen wird.

Komisch aber wahr… in dem Moment war der ganze Stress mit der Frauenärztin schlimmer als die Diagnose selbst.

Danke. Für klare distanzierte, ruhige und sinnvolle Worte!

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Eine Antwort zu Airline 666 zur Hölle- Flugloch: Diagnose Brustkrebs

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