Zu viel Zeit? Wo gibt’s denn sowas?!

Dass ich mal wieder in die Situation komme, von Zeit überhäuft zu werden hätte ich wirklich nicht erwartet. Das letzte Mal als ich mich meinen Hobbies ausgiebig widmen und den Tag un-verausgabt genießen konnte war während meiner Schul- und Studienzeit. Natürlich wurde man in dieser Lebensphase geistig gefordert und das war auch mitunter ziemlich anstrengend, doch die Freizeit wurde nie so einschneidend gekürzt wie in der Arbeitswelt. Bis vor kurzem gehörte ich ja noch zu der arbeitenden Bevölkerung und musste mir schon recht bewusst überlegen, was ich mit dem restlichen Tag anfangen sollte. Da waren Hobbies nur noch eingeschränkt möglich.

Jetzt ist sie wieder da… die Zeit und auch die Langeweile. Morgens aufstehen und nichts dringendes und zwingendes vorhaben. Meine Behandlungen sind soweit alle durch. Nur die Chemo, so wie die kleinen Untersuchungen (kleines/großes Blutbild, Ultraschall) stehen an. Sonst ist da nichts. Kein Druck, keine Aufgaben, keine Strukturen denen ich folgen muss. Ich muss aber auch sagen, dass ich die Hobbies, bei denen ich termingebundenen Aufgaben erledigen muss, (Online-Radio und Anime-Manga Magazin auf Eis gelegt habe. Ich kann einfach derzeit nicht so klar denken und habe auch nicht die Muse und Kraft mich dem Zeitdruck hinzugeben. Was bleibt ist diese innere Unruhe, was fange ich mit meiner Freizeit an, was lebe ich wieder aus oder beginne ich komplett was Neues? Ich habe bereits vor meiner Diagnose häufig über mein scheinbar langweiliges Leben nachgedacht und wie ich es wieder lebensfroher und erfüllender gestalte. Jetzt habe ich die Zeit, wenn alle anderen arbeiten gehen.

Da wäre noch der Beschäftigungswahn. Der kleine Fiesling hat es ganz schön in sich. Um einfach etwas mit meiner vielen Zeit anzufangen habe ich begonnen einfach stupide mein riesen Poster mit zig großen und kleinen Schmetterlingen auszuschneiden. Der ein oder andere hat vielleicht dazu schon einen Post auf meinen zweiten DIY-Blog gelesen (Das ist ein Hobby, das ich nun so langsam wieder aufleben lasse.). Ich habe dann noch andere Dinge einfach so nebenbei gemacht. Aber so richtig erfüllend war das nicht. Also lieber 100% JA zu etwas sagen oder 100% NEIN. Ich habe also mir meine Gedanken gemacht und feste Projekte daraus entwickelt. Ich bastel jetzt mit schmackes… und nebenbei gucke ich ob ich evtl. noch Kurse bei der VHS besuche. Ich habe so viele Möglichkeiten und so viel Zeit. Es ist auch nicht einfach etwas zu finden, dass man nur FÜR SICH tut. Das einen bereichert ohne von anderen erwartet zu werden oder bei dem man irgendwann beginnt nur daran zu denken, was andere interessieren könnte. Manchmal ist das eine Gratwanderung.

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