Die Suche nach der Normalität und der ganz gewöhnliche Wahnsinn

Es ist nun ein Monat her, seit ich die endgültige Diagnose Brustkrebs erhalten habe. Das Gefühl, das plötzlich die Zeit stehen bleibt und alles anders ist, kam nicht. Ich würde fast behaupten, das ist ein Mythos den man gerne in schmalzigen Romanen einsetzt. Es war alles nur sehr aufreibend, besorgniserregend und alles andere als einfach. Man lief von Termin zu Termin, hoffte darauf keine Metastasen im Körper zu haben und endlich mit der Therapie auf Heilung zu beginnen. Auch heute dreht sich die Erde noch weiter und der Alltag verläuft unspektakulär wie gewöhnlich. Vermeintlich.

Was ist schon normal und was gehört zur eigenen Normalität. Ich bin von heute auf morgen aus meinem Beruf gerissen worden, zwar hätte mein Vertrag eh Ende des Monats Juni geendet, doch so plötzlich ohne Arbeit und dann nicht auf Jobsuche zu sein, bringt eine ganz andere Alltagstruktur. Von der Krankenkasse aus bin ich krankgeschrieben, vom neunten Gesetzbuch für Menschen mit Behinderung gehöre ich mit einem Grad von 80 zu den Schwerbehinderten Menschen. Ich fühle mich weder Krank noch durch meine Chemo an etwas gehindert. Im Gegensatz zu den Ankündigungen aller Bücher und Erfahrener, habe ich (noch) kaum Nebenwirkungen, durch die Chemo. Ich merke aber, dass ich etwas in mir habe, dass ich nicht unterschätzen sollte, dass ich nicht kleinreden oder gar auf die leichte Schulter nehmen kann und sollte. Während ich mir vorgenommen habe stark zu sein und die Schakeline als einen zu behandelnden Gegner in mir zu sehen, habe ich nicht bemerkt wie es meinen Alltag einnimmt. Ich arbeite ständig daran, mich nicht einfach durch den Fakt herunterziehen zu lassen. Ich versuche meinen Alltag so schön wie möglich zu gestalten, mich gesund zu ernähren und mit Beschäftigungen zu füllen, die mich ablenken. Aber auch das strengt manchmal an und dann sieht man, dass genau der Grund für dieses Bemühen, meine doofe Schakeline ist.

Und dann sind da natürlich die Dinge die mich nerven, weil sie belanglos geworden sind. Posts auf Socialnetwork-Seiten die unüberlegt oder einfach „First-World-Problems“ sind, Nachrichten die deprimieren, weil die Probleme der Welt so groß oder unbedeutend sind. 

Zeit ist für mich das Unwort des Jahres… Wie soll man bitte schön ein 3/4 Jahr mit so viel Zeit totschlagen und glaubt mir, ich will gerade was ganz anderes totschlagen…aber das würde nur für mich schmerzhaft werden. 😀 Nagut ich habe ja jetzt meinen Behindertenausweis, da komme ich auch mal günstiger in Veranstaltungen rein. Ich habe Freunde mit denen ich etwas unternehmen kann. Ich habe Blogs, die ich befülle und lese oder unsere Kami-Katze, die mir jeden Tag ein „ach, die ist so süß“ entlockt.

Aber auch die Besuche in der Tagesklinik gehören jetzt zu meinem Alltag. Die Chemo abholen, Blutuntersuchungen, Sportkurse besuchen. Gespräche die andauernd zu meinem Gesundheitszustand übergehen, die besorgten Fragen wie es mir geht. Das Gefühl keine anderen interessanten Themen zu finden, weil manches so unbedeutend geworden ist. Die Hoffnungen, dass bereits durch die erste Chemo Veränderungen zu sehen sind. Ich bin in dieser Hinsicht auch ziemlich ungeduldig. Meine Haare sind noch dran…wobei einige beim leichten Zupfen herauskommen XD.. Seufz.. ich habe ja schon am Anfang mir Gedanken über eine Glatze gemacht… und das Beste ist, es einfach auf sich zukommen zu lassen :D. Leichter gesagt als getan.

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