Onko oben ohne

IMAG0716[1]Wie man bereits aus dem Fiesling-Post herauslesen kann, hat der (langersehnte) Haarausfall eingesetzt. Zwischendurch, muss ich ehrlich zugeben, war ich ganz schön ungeduldig und konnte kaum abwarten, dass meine Haare endlich ausfallen. Ich glaube die meiste Kraft investiere ich darin, nicht das Gefühl zu haben die Kontrolle über meinen Körper zu verlieren. Klingt schlimmer als es sich eigentlich anfühlt. Die Nebenwirkungen kann man nicht beeinflussen und die Behandlungen sind vorgegeben, um die beste Wirkung zu erzielen. Da hat man wenig Mitsprachemöglichkeit- zumindest was die Nebenwirkungen betrifft, die sind Körper- und Immunabhängig. Da versuche ich so gut es geht einen Teil meiner Selbstbestimmung zu erhalten. Mir schöne Dinge zu kaufen um mich gut zu fühlen- besonders während der Chemo. Das wirkt sich dann darin aus, dass ich vor der ersten Chemo bereits mit einer guten Freundin schicke Tücher, Haargummis- und Schmuck gekauft und mich auf die Zeit der Haarelosigkeit vorbereitet habe.

Ich bin immer noch total Dankbar dafür, dass sie zur richtigen Zeit an meinem Ort war und die tolle Idee hatte.

Das hebte ungemein die Stimmung, weil ich nicht darauf gewartet habe, dass sich etwas ändert, sondern selbst bestimmt habe was ich mit der Zeit anfange. Es ist wichtig dass man sich guuuuhhht fühlt, und damit meine ich das Gut, bei dem man ein »h« hört, weil es sozusagen aus dem Bauch heraus kommt. Das guuuuhht holen nur ganz bestimmte Menschen aus mir heraus.

Und zur Frisur: „Mama, meine Haare fallen aus. Wenn ich das nächste mal zu euch komme dann mit Glatze“

„Ach, das kennen wir ja schon, die wachsen ja wieder nach.“ PUNKT. Nichts. Niente. Nada.

Sie gibt mir einfach das Gefühl von Unbeschwertheit. Warum auch groß drüber reden. Wir nehmen dich so wie du bist. Und unbeschwert, weil ich weiß, dass wenn es mir gut geht, ich mir keine Gedanken machen muss, dass sie sonst was für Sorgen haben könnte. Ich finde es nicht schlimmer als das Gefühl zu haben, dass sich meine Familie oder Freunde Sorgen um mich machen obwohl es mir gut geht. Ich brauche halt jede Kraft die ich gebrauchen kann und da steht andere beruhigen nicht auf meinem Plan des Krafttankens. 

Dieses Wochenende war es dann soweit, am Samstag rieselten die ersten Haare, damit verbunden tat meine Kopfhaut weh, weil die Nerven empfindlich wurden. Das ist keine Seltenheit muss aber nicht bei jedem so sein. Das fühlt sich so an als wenn man sich ein Zopf zu fest bindet und dann die Haare gegen den Strich kämmt :X. Das hörte zum Glück am Sonntag weitestgehend wieder auf und ich konnte gestern ohne Bedenken zum Friseur gehen. Ich habe mich für diesen Schritt entschieden, weil ich mir vorgenommen habe mit erhobenen Hauptes durch meine Krebsbehandlung zu gehen und mich gegen Schakeline durchzusetzen. Wie gesagt es ist meine Möglichkeit der Selbstbestimmung nicht alles ihr zu überlassen. Zusätzlich habe ich begonnen an meine Haare zu zupfen (sehr doof) um zu gucken ob noch etwas ausfällt oder es bereits mehr geworden ist :D, denn dann fallen auch Haare auf den Boden, aufs Bett und davor. ÄTZEND XD

Ich habe also den Friseurbesuch mit Erleichterung, Vorfreude, Aufregung und Kraft verbunden. Gemeinsam mit meinem Freund und der oben beschriebenen Freundin, Dini 😀 habe ich dann den Klinikum-Friseur besucht. Die Friseurin musste dann doch etwas schlucken. Die meisten sind über mein Alter erschrocken, ich sehe ja kaum aus wie 31 und selbst dann die Diagnose Brustkrebs zu erwähnen ist dann sicherlich nicht einfach so plötzlich aufzunehmen. Haare sind für Friseurinnen heilig ^^…Naja, ich habe versucht sie etwas aufzumuntern, denn mir tat es schon ziemlich leid, dass sie so darunter litt meine Haare ausfallen zu sehen. Ich meine für mich war der Termin wirklich ein Gegenschlag für Schakeline und ich finde meine Haarstummel richtig klasse. Ich mag meine neue Frisur! Im Endeffekt habe ich einen Mitleits-Bonus von der Friseurin bekommen und mir die Haare für 10€ gekürzt. So ganz glücklich war ich damit nicht, aber Respekt vor den Gefühlen der anderen habe ich dann doch. Und wer meckert schon bei einem Rabatt von 50% :D.

IMAG0717[1]Die anderen 10 Euro habe ich dann für meine Freunde investiert und sie zum Kaffee eingeladen.

Ich höre ständig von meiner zweiten Hälfte, dass ich ziemlich depri auf meinen „Sölfies“ aussehe und habe mein bestes gegeben!! (Ich bin total ungeübt darin und hoffe, dass ich es bleibe)

Liebe Grüße

Eure Onko 🙂

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