Hilfe ist nicht gleich Hilfe

Ich habe mir in den letzten Wochen des Öfteren Gedanken über Hilfe und Hilflosigkeit gemacht.

Zwar wird man ganz schön auf den Pott gesetzt was die Diagnose anbelangt aber hilflos habe ich mich in der Zeit kaum gefühlt. Hauptsächlich war da der Kontrollverlust über meinen Körper, da eine  Chemo, Operation und Nachbehandlung nicht durch mich entschieden wurde. Tücher kaufen und  Haare abschneiden haben z.B. dagegen geholfen.

Hilflosigkeit ist zuallererst das Ohnmachtsgefühl, sich selbst nicht helfen zu können, in der Folge aber auch, keine Hilfe zu bekommen oder annehmen zu können. (Wiki:http://de.wikipedia.org/wiki/Hilflosigkeit)

In Verbindung mit meiner Diagnose und den Reaktionen von Menschen um mich herum erlebe ich immer wieder, dass es Personen gibt, die ein stärkeres Hilfebedürfnis zeigen als andere. Ich kann ab hier an nur Mutmaßungen anstellen und möchte keinen meiner lieben Freunde und Verwandte auf den Schlips treten, aber ich finde das Phänomen interessant, so dass es in meinen Blog geschafft hat.

Zunächst gehe ich davon aus, dass sie mir etwas Gutes tun wollen! Der Diagnose-Schock ist natürlich da, nicht nur bei mir, schließlich habe ich eine engere Bindung zu den liebsten in meinem Leben und die machen sich ebenfalls Gedanken und Sorgen.

Wie im oberen Zitat angeschnitten, ist die Hilflosigkeit ein egozentrisches Empfinden- ergo auf die eigene Person bezogen. Aber wie beschreibt man es wenn andere unbedingt helfen wollen? Helfersyndrom müsste ein dauerhafter Zustand sein und ist auch wissenschaftlich nicht belegt. Ein permanentes Hilfsangebot habe ich zum Glück auch nicht. Es ist auch ein Unterschied ob jemand einschätzen kann ob das, was er mir schenkt oder anbietet mir von Nutzen ist.

Dann gibt es da noch die Hilfspakete und Ratschläge zu meiner Genesung!

Lieb gemeint, aber auch wieder nicht wirklich hilfreich. Ich habe ein ganzes Paket von meiner Tante bekommen, von dem ich vielleicht 1/3 nutzen kann, (die Nudeln, Schokolade und manche Rezepte), weil sie verträglich sind oder ich eine wirkliche Wirkung in den Produkten sehe. Diverse Hautcremes, Tees, entsäuernde Mittel für die Haut und ‚zich Infobroschüren über mögliche Lebensmittel die besonders gut wirken. Die Tees kann ich noch nicht trinken, weil ich nicht weiß ob die Pflanzen Östrogene beinhalten, da wollte ich meine Ärztin fragen (die ist derzeit im Urlaub). Die Cremes sind mit Alkohol und nicht gut für meine Haut (kommt dann nach meiner Chemo dran). Mein Körper und Haut soll übersäuert sein. Dafür habe ich gleich ein-Basenprodukt erthalten.

Basische Ernährung: Ernährungswissenschaftler und die wissenschaftliche Medizin haben keine Hinweise gefunden, dass diese Ernährungsweise therapeutisch wirksam ist. (wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Basische_Ern%C3%A4hrung)

Mein Körper ist nicht sauerer. Abgeschlagenheit und Müdigkeit kommen durch die Reduktion meiner roten Blutkörperchen, die einfach zu wenig Sauerstoff transportieren (was bei mir noch nicht der Fall ist). Meine schnell wachsenenden Zellen in meinem ganzen Körper werden zerstört, wachsen aber genauso schnell wieder nach. Für meine Haut bedeutet dies, dass sie schneller austrocknet, weil die Hautzellen nicht richtig schützen können und weniger Wasser speichern. eincremen hilft der Haut und unterstützt das ausschwitzen der restlichen Medikamente. Alkohol in Cremes sind sehr kontraproduktiv, weil sie austrocknen.

Meine Tante macht sich Gedanken, ihre Gedanken was sie anderen Menschen mit solch einer Diagnose anbietet. Sie schreibt auch, dass ich mich mit meiner Ärztin absprechen soll, was schon mal SEHR viel Wert ist! Aber im Grunde fragt sie noch nicht mal nach, ob ich etwas brauche! Ob sie etwas für mich tun kann und ob ich ihre Hilfe überhaupt brauche. Es ist halt schade um die Produkte (mehr oder weniger). Sie hat sich Mühe gegeben, die nur halb ankommt und jetzt hier rumsteht. Da Frage ich mich wieder, wen will sie mehr helfen/beruhigen.

Schließlich kriege ich doch schon Infobroschüren von meiner Ärztin sowie Beratungsangebote zu pflanzlichen Unterstützungsmöglichkeiten in der Krebstherapie.

Am Ende wird mir noch erklärt, wie ich meine Nase zu putzen habe. Da frage ich mich wirklich ob sie mir nicht zumutet, dass ich mich selbst gesund ernähren kann oder die Medizin und eine normale Ernährung nicht ausreicht. Fehlt da ihr Vertrauen in die Medizin? Naja, hier muss erwähnt werden, sie arbeitet als Verkäuferin in einem Reformhaus… und da ist es Gang und gebe zu beraten..aber die Leute kommen ja dahin um sich beraten zu lassen- ich gehe hin um meine Tante zu besuchen. ^^

Manche Freunde sagen, nimm die Hilfe einfach erstmal an und entscheide dann ob du es hilfreich findest oder nicht. Ich muss sagen, so ein harmoniebedürftiger- Ja-Mensch bin ich dann nicht. Da mich manches Verhalten ja auch irgendwo verletzt. Vor allen Dingen stecken gute Gedanken dahinter, die dann nicht die Wertschätzung bekommen wie sie sollten, weil ich mich ärgere und weil ich die Produkte einfach nicht verwende. Die Arbeit auch alles nachzuprüfen ist einfach viel zu groß. Ich habe z.b. gesagt, dass ich eine Liste schreibe von den Sachen die ich gebrauchen kann. Dann habe ich die Hilfe die ich brauche und der andere kann etwas für mich tun.

Natürlich brauche ich Hilfe und ich freue mich über jedes Angebot das mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das kann von einer Karte bis hin zu einer Einladung zum Kaffee sein oder was auch immer. Das was erleichtert und hilft ist aber wenn ich merke, da macht sich einer Gedanken und fragt mich was ich brauche.

Wenn ich die Typen kategorisiere, dann gibt es

  1. Personen, die wissen was ich brauche, weil sie selbst betroffen waren oder sich fachkundig auskennen.
  2. diejenigen, die wissen wollen wie sie mir helfen können.
  3. Der Typ von Mensch, der einfach helfen will ohne auf meine Bedürfnisse und Einstellungen eingeht.
  4. Diejenigen, die einfach eine Karte schreiben und Mut machen
  5. Diejenigen die Hilfe anbieten aber nichts machen bevor man etwas in Auftrag gibt.

Und zum Schluss möchte ich nochmal von ganzen Herzen Danke sagen :)!

Danke, dass ihr an mich denkt!

Lg Eure Onko

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