Die andere Perspektive

Krebs zu haben fühlt sich auf jeden Fall anders an als ich dachte. Ich habe von Anfang an mich gegen die typischen Krankheitsbilder im Kopf gewehrt, die ich und andere über mich haben könnten. Das es da zu verschiedenen Sichtweisen und zu Konflikten führt, ist wohl früher oder später vorhersehbar. Aber nicht jeder Konflikt ist schlecht, er hilft einem auch zu verstehen und seine eigene Meinung zu festigen.

Während der Therapie kommt man natürlich ins Gespräch und nachdem ich am Anfang einen sehr starken Fokus auf mich und meine Bedürfnisse hatte, rückt mein Blickwinkel immer wieder auf Freunde und Menschen um mich herum.

Wie fühlen diese sich eigentlich, mit meiner Krankheit konfrontiert?  Sie sind teilweise Sprach- und Hilflos. Sie wissen nicht wie sie mit mir umgehen sollen oder möchten etwas sagen, wissen nicht was und weil sie womöglich aber den Druck verspüren was sagen zu müssen, sagen sie Floskeln die nicht immer gut ankommen. -Nichts sagen oder die Sprachlosigkeit beim Namen nennen, ist da genauso richtig und manchmal sogar besser. Da gibt es auch „Hilfspakete“, die zur Therapie beitragen sollen aber zum Ausdruck bringen, dass die Therapie nicht ausreichend ist.

Leider kann ich nicht jede Sichtweise nachvollziehen oder erkennen, da ich ja selbst betroffen bin aber das meiste was ich wahrgenommen habe ist die Hilflosigkeit der nahestehenden Personen. Was ich euch an die Hand gebe, und ich hoffe es hilft, sind folgende Punkte:

  • Es tut einfach gut zu wissen, dass jemand da ist! Auch wenn man nur „dabei“ oder „daneben“ steht.
  • es hilft ungemein zu wissen, dass man nicht alleine zu einem Arzttermin muss
  • anstatt „richtige“ Worte zu finden, einfach umarmt zu werden
  • nicht immer tut es gut Mitleid zu bekommen- Ja es ist traurig, dass ich betroffen bin aber ich leide nicht ständig unter der Erkrankung. Das Leid der Person mir gegenüber fühlt sich teilweise belastender an als das Eigene.
  • Höre auf, dir das Bild vor Augen zu führen was Krebs macht und welches Ende es haben könnte, sondern schau auf die Krebsart und die Situation der Person sowie dessen persönliche Therapie.  Ergo-wie sieht es bei der Person direkt aus.- Und wenn kein Happyend in Sicht ist, ist es um so wichtiger, dass das hier und jetzt so schön wie möglich wird.
  • Frage nach was du für den Freund oder die Freundin machen kannst- Hilfe ist angebracht, wenn sie auch gebraucht wird.
    • Und zwar hilft es ungemein, wenn man die Fragen an den Erkrankten konkretisiert. Das soll heißen, dass man nicht fragt: „Was kann ich für Dich tun?“, sondern z.B., „Kann ich Dir vielleicht, was zu Essen rüber bringen?“. Oder „Kann ich Dir beim Aufräumen helfen?“. Weil meiner Erfahrung nach, wenn man mich fragt, ob man mir helfen kann, dann antworte ich eigentlich immer grundsätzlich mit „Nein, danke.“ (Kikis-Kommentar)
  • Es tut gut zu hören: „Ruf mich an wenn du Fragen hast oder du mit mir reden willst“
  • Es ist gewünscht auch über alltägliche Dinge zu sprechen,
  • auch wenn es belastend erscheint, manchmal tut es (mir) dem Erkrankten auch gut über die Probleme der anderen nachzudenken und Hilfe anzubieten
  • Lache mit der Person
  • Es ist auch ok zu sagen, ich komme damit nicht zurecht
  • Frage nach wie es der Person geht. Ich finde es ungemein erleichternd über die Krankheit zu sprechen und von ihr zu erzählen, als zu hören: „Dir muss es ja schlecht gehen mit der Chemo“
  • Es ist auch ok sich selbst Rat zu holen. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. hilft zum Beispiel auch Angehörigen in der schwierigen Situation

Vielleicht gibt es ja zukünftig noch den ein oder anderen Leser, der ebenfalls seine Erfahrung zu dieser Liste hinzufügen möchte :). Da ich mich im Moment selbst nicht in die Lage einer Endstation versetzen möchte, wäre ich natürlich für eine Ergänzung auch zu diesem Punkt erfreut.

Ja, es ist ein schwieriges Thema und deswegen muss man auch nicht sofort immer die passende Antwort haben. Aber vielleicht hilft es schon im Voraus oder währenddessen zu gucken was man selber als (gesunder) Mensch geben kann und was nicht.

Alles Liebe eure Onko 😀

Dieser Beitrag wurde unter Leben mit Krebs, Tipps abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Die andere Perspektive

  1. Kiki schreibt:

    Hallo!
    Das ist mein erster Kommentar auf Deinem Blog! 😀
    Ich verfolge Ihn ja erst seit ein oder zwei Tagen. Deswegen weiß ich auch nicht so wirklich viel über Dich. Aber ich glaube Du bist im gleichen Alter wie ich mit Brustkrebs diagnostiziert worden (31)? Bei mir ist das jetzt 2 1/2 Jahre her. Aber ich habe noch einen Punkt zu Deiner tollen Liste hinzuzufügen: Und zwar hilft es ungemein, wenn man die Fragen an den Erkrankten konkretisiert. Das soll heißen, dass man nicht fragt: „Was kann ich für Dich tun?“, sondern z.B., „Kann ich Dir vielleicht, was zu Essen rüber bringen?“. Oder „Kann ich Dir beim Aufräumen helfen?“. Weil meiner Erfahrung nach, wenn man mich fragt, ob man mir helfen kann, dann antworte ich eigentlich immer grundsätzlich mit „Nein, danke.“ Nur mal so als kleiner (Luxus)Tipp. 😉
    Ich finde es übrigens echt toll, wie Du und was Du schreibst!
    Kiki

    Gefällt 1 Person

    • onkobitch schreibt:

      Hallo Kiki! 😀 Schön dich hier zu lesen und Danke für deine sehr sinnvolle Ergänzung, die werde ich gleich noch mit einfügen :D. Wo du es sagst, ertappe ich mich auch manchmal dabei zu sagen, ich brauche nichts. Obwohl es gut täte und entlasten würde. Ja, ich bin 31. 🙂 *Hach* danke für das Bauchpinseln 😀 *g* Ich wünsche dir noch viel Spaß beim Mitlesen. Lg Onko

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.