MagerQuark

IMAG1128Es ist nicht einfach, das Leben als Bohnenstange. So zwischen den hauptsächlich wohl geformten Karotten, den kleinen rundlichen Tomaten, den üppigen Paprika und den doch fast hünenhaften Gurken. Das verrückte an der Essenskultur der Käufer ist; sie wollen vermeintlich alles schick und schön, auch wenn man Umfragen glauben schenken mag, sagen die sogar etwas ganz anderes!

Da kommt es auf den Geschmack an- Die inneren Werte einer Paprika sozusagen. Manche wollen auch etwas zum anfassen und rein beißen und nicht diese kleinen Mini-Portiönchen. Merkwürdig, dass eigentlich jeder Apfel unter sich so gleich aussieht. Und Karla-Kartoffel von gestern ist total out, weil ihr zu viele Nebenknollen wachsen. Wie sieht das auch aus?! Das kann man doch nicht den Leuten unter die Nase halten-sagt die Industrie zu den Käufern, dass das so ist. Der letzte Schrei ist ja natürlich die vermeintliche Gesundheitsecke- Wein wird seit neustem als Vegan betitelt, als wäre das etwas Neues. Tja, wir sind halt blöd, da kann man nichts dran ändern und anscheinend muss man uns da abholen wo wir stehen: Am Gummibärchenregal bei den fett reduzierten Produkten. (Jetzt habe ich tatsächlich vergessen, dass ich eine Bohnenstange bin).

Zu Groß, dünn, dick, faltig, Orangenhaut, zu kurzes oder Spaghetti-Haar, irgendwas ist immer! Natürlich, die Frau ist eine einzige Problemzone!  Wir werden dazu geboren, sage ich euch! Wir sind dazu bestimmt Diäten zu machen, weil Diäten das Non- Plus- Ultra für das Wohlbefinden sind. Na gut ich kenne auch Männer, die Diäten machen und etwas für ein besseres Körpergefühl tun aber bei den beiden, die ich kenne habe ich den Eindruck, dass sie nicht auf den Genuss verzichten. Ach außerdem heißt es bei Werbeslogans dann nicht: „Bauch Beine Po, so nehmen sie richtig ab“, sondern „Der Trainingsplan für das Sixpack-Challange“. Gezielt ohne zu unterstellen, dass Mann abnehmen will. In der Männerwelt um Muskelaufbau! (Gleiche Wirkung unterschiedliche Suggestion).

Ich habe es satt! SO SATT! Mit einem Gewicht von ca. 45/46 Kilo bei 160cm Größe, Spam zu erhalten, die die neusten Diäten anpreist (welch Ironie und dabei kann ich sogar schon drüber lachen!). Im Grunde kriege ich seit meiner Pubertät den Stempel aufgedrückt ein Ernährungsproblem zu haben. Das erste mal als ich zu hören bekam, dass ich dünn bin war mit 12 Jahren. Die Mutter meiner Schulfreundin sagte da natürlich, ich hätte keinen Arsch in der Hose. Ich vermute ja, die Hose war einfach blöd geschnitten. Später mit 15 wurde ich beim Frühstück unter zehn anderen Personen gefragt, ob ich Magersucht hätte. Ich saß also mit vor Wut- tränenden Augen am Frühstückstisch und konterte, dass ich wohl eher auf dem Klo sein würde um mir den Finger in den Hals zu stecken, als das Müsli zu essen. (Damals kannte ich den Unterschied zwischen Magersucht und Bulimie noch nicht). Danach habe ich tatsächlich angefangen nach Symptomen bei mir zu suchen, die eine mögliche Erkrankung darstellen. Irgendwann war ich soweit, dass ich befürchtete Bandwürmer zu haben, die meinen Mageninhalt aufessen. Nach gut 15 Jahren hat sich an meinem Gewicht nicht viel verändert und Bandwürmer hatte ich auch nie. Das mich das Thema nach Jahren so umhaut hätte ich jetzt nicht erwartet. Aber passend, so vor meiner OP, bei der es um meinen Körper geht und meine Weiblichkeit!

In der Krebsbehandlung war mein Körpergewicht natürlich ein Thema. Nehme ich durch die Therapie ab? Habe ich evtl. Mangelerscheinungen? Kommt der Körper mit der Chemo zurecht. Das könnte ein Problem werden, dass ich vermeiden wollte. Ich wurde aber nie von meinen Ärzten als zu dünn bezeichnet oder gefragt ob ich ein Ernährungsproblem hätte. Eher wurde ich gefragt ob ich schon immer so schlank gewesen sei. Das macht einen großen Unterschied. Ich habe nicht abgenommen und auch nicht zugenommen. Meine Blutwerte waren bis auf die Leukozyten (weiße Blutkörperchen) immer stabil. Ich bin nicht krank geworden. Alles Faktoren, die für einen gesunden Körper sprechen.

Das Problem an der ganzen Sache ist, dass ich mich teilweise nicht weiblich fühlen konnte, weil ich ständig einen Druck empfand nicht dem zu entsprechen wie ich aussehen sollte. Auch dünne Frauen haben ein Problem mit ihrem Gewicht. Wie soll man sich denn, bitte schön, Attraktiv finden wenn man knochig oder dünn ist- wo kommen da denn weibliche Rundungen vor? Leider bewahrheitet sich hier das Phänomen das, wenn man einer Frauen sagt, sie gehe schief, dass sie das dann auch irgendwann tut. Ich fand mich lange Zeit selbst nicht attraktiv, obwohl das meine Ex-Freunde und mein jetziger Freund tut. Zum Glück geht das typische Bild der Frau so langsam weg und die Rollenbilder ändern sich.

Eigentlich wollte ich von meinem anstrengenden Tag heute in der Klinik erzählen. Morgen Nachmittag steht die OP dran und ich muss sagen: Egal was da aus meiner Brust wird, selbst da sagt man Frauen nach, dass sie trotz halber Formation attraktiv sind. Ich sollte da mehr Vertrauen in mich haben, dass ich auch diese Phase in meinem Leben erfolgreich meistre. Ich hoffe natürlich auf das Beste aber das entscheidet sich morgen!

Finstere Grüße

Eure Onko!

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4 Antworten zu MagerQuark

  1. rommyscats schreibt:

    Man holt uns da ab, wo wir stehen – am Gummibärchenregal! Haha, du hast sowas von recht! ;D
    Zuerst einmal alles, alles Gute für die OP heute!!!

    Und nun zu deinem Thema: Ich kann das Geläster der Umwelt sehr gut nachvollziehen, ich habe schon mein Leben lang „Untergewicht“. Erfreue mich bester Gesundheit und selbst meine Angst, dass mein löwenhaftes Immunsystem durch die Chemo einen empfindlichen Knacks bekommt, hat sich nicht bewahrheitet. Ich sitze also mit meinen miesen Leukos auf der Couch und lache mich über irgend ein Buch kaputt, während mein „gesunder“ Gatte in letztem Jahr mit einer wirklich fiesen Erkältung und in diesem Jahr gar mit einer Lungenentzündung darniederlag. Und ich erfreue mich nach wie vor besten Befindens! Und das bei meinem Gewicht (54 kg auf 1,78m)! Hat etwa ein schlanker Körperbau gar nix mit krank sein (geschweige denn „aussehen“) zu tun? Komisch…. ;P
    Meine Oma hielt mich während meiner Pubertät auch für magersüchtig, was ich nur müde belächelte. Jetzt mal ehrlich: egal was man dazu sagt, es ist falsch: sage ich „stimmt“, bricht die Familie in Panik aus. Sage ich „ist nicht wahr“, tuscheln sie hinter vorgehaltener Hand, dass jeder Süchige seine Sucht leugnet. Wie will man da wieder sauber rauskommen? Stur lächeln und winken!! 😀
    Mein Hausarzt hat mir als Jugendliche in den 90ern mal gesagt, mein BMI läge nur zwei Punkte über dem von Claudia Schiffer; na wenn das kein Ritterschlag für eine Pubertierende ist!
    Außerdem: Ich hab mir mal aus Unachtsamkeit und Faulheit in 2 Monaten 10 kg rangefressen, das sah vielleicht Scheisse aus! Hab sie wieder abgenommen. Jeder sieht so am besten aus, wie er sich schon immer wohl gefühlt hat! Punkt.

    Erhol dich gut und liebe Grüße!
    Rommy

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  2. Nicole schreibt:

    Hi
    Ich hoffe deine op wird gut verlaufen.
    Wegen dem Gewicht. Entweder ist man zu dick oder zu dünn. Leider gibt es selten ein normal.
    Lass dich nicht ärgern!

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  3. onkobitch schreibt:

    Danke Rommy 😀 Ich werde dein Vokabular in meins Aufnehmen! OP habe ich gut überstanden. Bericht kommt noch. Liebe grüße Onko!

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  4. Kiki schreibt:

    Ooooh.. Deine OP war schon?!??! Wie war sie denn? Bist Du zufrieden mit dem Ergebnis? Ich bin mir sicher, dass wir davon in einem Deiner kommenden Beiträge erfahren werden.. Ich wollte nur mal gefragt haben. 😉
    Und ja.. Das ist mal wieder ein gutes Beispiel dafür, dass leider jeder seine Probleme hat.. Ob man nun dünn oder dick ist, ob man trockene oder fettige Haut hat usw. usw.. Aber solange man gesund ist (oder relativ gesund), sollte das ja eigentlich keinen Unterschied machen.

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