Krankenhaus-Kolla: das Gegenteil von flockig

Irgendwie muss ich dann doch auf einen Kommentar reagieren. Ich möchte natürlich auch ehrlich sein in meinen Blog-Beiträgen.

„Es liest sich immer so locker und flockig“, beschreibt es gut, wie ich es gerne haben würde und wie ich mir selbst die Last von den Schultern schreibe. Ich könnte es mir natürlich schlimmer machen als es ist und viel mehr drunter leiden, wenn ich es mir auch noch schlimmer rede wie es ist. Das größte Problem war einfach, dass ich derzeit gar nicht weiß wie ich mich so richtig fühlen soll. Es ist halt auch einfach etwas viel auf einmal.

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Tittula die Stofftitte! 😀 Für meine Bandage

 

Wie ihr im Vorbericht lesen könnt habe ich eine nervende Nacht hinter mir gehabt. Nachdem ich ich dann auch 2 Scheiben Brot zu viel auf dem Frühstückstisch hatte, weil ich einfach kein Morgen-Mensch bin, nervt es mich ungemein mal wieder versucht zu haben die Erwartungen der anderen, was gut für mich ist zu erfüllen. Zumal habe ich da ja auch die Medizin auf nüchternen Magen getrunken, was nicht sehr glorreich war. Der lauwarme Kaffee bringt ein hauch Normalität in meinen Tagesablauf, schmeckt aber nicht vergleichbar zu dem was ich sonst trinke. Eine Scheibe Marmeladenbrot kriege ich dann doch runter sowie die Antibiotika-Tablette. Gefrustet lege ich mich einfach ins Bett, später wird die Visite vorbeikommen und nach meinen Wunden und den Drainagen gucken. Dinge auf die ich so keine Lust habe, weil sie mich natürlich an mein Bett fesseln. Neben mir liegt meine Zimmernachbarin, die es im Vergleich zu mir recht gut erwischt hat. Sie ist schon längst entlassen. Naja auf jeden Fall liege ich im Bett mit dem ich gerade ein total gespaltenes Verhältnis habe und beweine mich selbst, weil ich tatsächlich merke was der Krebs mit mir gemacht hat. Was er für einen Einfluss hat.

Diesen Einfluss habe ich während der Chemotherapie nicht gefühlt, diesen Eingriff in meinen Körper und die Veränderung. Ich frage mich mal wieder wie es kommt, dass mein Freund mich immer noch so liebt wie ich bin, wenn ich mich selbst nicht mehr so ganz verstehe. Geduld ist wohl nicht ganz so meine Stärke. Da werde ich es nun langsam mit mir und meinem Körper angehen müssen/wollen. Mich neu kennen und lieben lernen :).

Dafür habe ich ja auch die Trennungsschmerz-Schokolade von meinem Kumpel und die beste Unterstützung die ich mir wünschen kann von meinem Freund.

Ja es tut weh, es ist aber mehr als nur die Tatsache die Brust zu verlieren. Ich denke jedes andere Körperteil wäre genauso bedeutungsvoll. Und, eine Brust ist nicht das ganze Leben :). Ich war durchaus überrascht, dass ich die Abnahme gefasster als erwartet angenommen habe. Vielleicht lag es auch an den geringeren Schmerzen 😛

Liebe Grüße

Onko

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6 Antworten zu Krankenhaus-Kolla: das Gegenteil von flockig

  1. Inge schreibt:

    Liebe Onko, diese Tränen kenne ich auch nur zu gut. Allerdings, aus heutiger Erinnerung, hab ich damals nach der Amputation – bei mir war es „nur“ einseitig – keine Tränen (mehr) vergossen. Wahrscheinlich hatte ich die alle verbraucht in dem Moment, als ich im Krankenhaus ankam und 1 Tag vor der Op erfahren habe, dass amputiert werden soll…
    Das was Du jetzt beschreibst, der Trennungsschmerz, die Wut, was der Krebs mit einem macht, kamen bei mir erst Jahre später – und kommt in Abständen immer mal wieder. Ich sehe sehr selten in den Spiegel, also so ganz oben ohne ;-).
    Wer weiß, vielleicht geht es Dir nicht so, da Du diesen Prozess jetzt schon erlebst, vielleicht kommst Du mir Dir ins reine, wenn alles vorbei ist und Du wieder im Berufsleben stehst und Abstand gewonnen hast.
    Ich wünsche Dir gute Besserung und eine schnelle Heilung aller Wunden.

    Liebe Grüße
    Inge

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  2. Kiki schreibt:

    Hmm. Also mit dem „locker und flockig“ meinte ich eigentlich eher, dass egal, was man schreibt, dass es nie so bei anderen ankommt, wie man sich selbst fühlt (und nicht, dass ich das, was Du schreibst, entwerten wollte).
    Und weinen ist OK. Lass alles raus. (Zumindest) hier kannst Du es ja. „Hinfallen, (weinen,) aufstehen, Krone richten und weitergehen.“
    P.S.: „Tittula“ finde ich ja einen genialen Namen! XD

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    • onkobitch schreibt:

      Hey ho 😀 Ja, ich hatte nicht das Gefühl, dass du da etwas entwertest. Ich habe festgestellt, dass du da etwas ansprichst, dass ich gerne noch ergänzen wollte. 😀 *Krone richte und weitergeh* 😀

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      • Kiki schreibt:

        Dann ist ja gut. Das Letzte was ich möchte ist Dich unter (noch mehr) Stress zu setzen. Haha! Ja, genau! Ich kann mir Dich mit einem Krönchen richtig gut vorstellen. 🙂
        Auch wenn ab und zu mal Tränchen fließen, wenn man am Ende wieder wie die alte Person (oder auch als noch bessere Version) daraus hervorkommt, muss es sein!

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      • onkobitch schreibt:

        Haha, ja so ein durch Tränen verschmiertes Makes-Up-Gesicht.. Hauptsache die Krone sitzt! ^_^‘ So mal nebenbei, es ist schön von dir zu lesen :D. Lg und einen schönen Montag!

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