Ausgeleiert wie ein Gummiband

Hallo ihrs,

nach einem knappen 3/4 Jahr sitze ich nun auf dem Sofa und kann zurückblicken auf eine lange Chemotherapie und meine bisher größte Hürde des Lebens, die Tumor-OP. Ich hätte mit bald 32 Jahren nicht gedacht, dass mein Leben so eine Kehrtwende macht. Kehrtwende ist vielleicht das falsche Wort aber es hat sich um einiges gedreht. Es ist anders und es wird noch einiges auf mich zukommen.

Was ich jetzt nach dem größten Berg merke ist, dass die Anspannung und die Kampfhaltung nachlässt. Sie kann und darf! Es ist nur verdammt schnell und ich merke wie mein Körper und meine Psyche schlapp machen. Ich bin nicht deprimierter als bedenklich aber ich merke, ich bin häufig frustriert und gereizt bis wütend. Ich träume auch, was ich ziemlich erstaunlich finde, in anbetracht meiner Ängste vor der OP, viel deutlicher.

So habe ich vor zwei Nächten geträumt wie eine riesige Flutwelle mein Haus samt Stadt davon spült. Nichts bleibt mehr übrig und alles ist kaputt. Ich habe meine Bücher, Unterlagen, Möbel verloren- einfach alles. Das ich nicht meine Katze dazu geträumt habe, ist jetzt während ich darüber schreibe, irgendwie verwunderlich. Ich glaube, dass die Katze, so wie auch mein Freund mir einen halt im Leben geben und sie einfach nicht wegfallen, während mein Inneres aus den Fugen geraten ist. Denn Häuser stehen für das Innere (habe ich mal gelesen). Sozusagen sind es die Häuser unserer Seele. Ich habe schon vielfach von meinen Wohnungen und Wirbelstürmen geträumt aber nie hat ein solcher Sturm mein Haus zerstört. Die Flutwelle hat es getan!  Zum Glück brauchte ich für den Schaden nicht aufkommen, für diese Frage habe ich glatt im Traum mit meiner Vermieterin gesprochen.

Ich kämpfe nicht mehr wie vorher, wo es notwendiger war. Mein Körper geht auf Sparflamme und ich fühle mich wie ein überdehntes Gummiband. Als erstes merke ich es in meinem Schlafkonsum. Wo ich vorher gut 7 Stunden schlafen konnte, penne ich nun 8 bis 9 Stunden. (Ich kanns ja auch) Meine Motivation etwas leistendes zu tun schrumpfen. Der Ansporn fehlt.

Ich realisiere so langsam, dass nach dem Kämpfen die Normalität eintritt und nicht mehr so ist wie sie war. Ich kämpfe mehr mit denn eigenen Erwartungen, dass alles wieder in Takt gerät, werde aber von mir selbst enttäuscht. Es geht halt nicht immer auf dem direkten Weg. Es ist nicht einfach aber und das sage ich mir derzeit häufiger: es ist nicht alles schlecht.

Ich genieße den Frühling in besonders großen Zügen und bin Dankbar, dass dies wahrscheinlich nicht mein einziger sein wird. Ich freue mich über jede neue Wildblume, neuen Vogel oder Frühlingsduft. Vor allem genieße ich die warme Sonne.

Ich habe angefangen meinen Balkon zu gestalten und bastel derzeit sehr viel. Vielleicht lasse ich meinen Paperpiece-Blog einfach wieder etwas aufleben. Da habe ich bisher meine Bastelideen als DIY eingestellt. Aber erstmal muss ich noch mein Make-Up vorstellen, von dem ich ja total begeistert bin XD.

Gummrige Grüße

eure Onko

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Eine Antwort zu Ausgeleiert wie ein Gummiband

  1. Andrea schreibt:

    Hey, freue Dich einfach schwach sein zu dürfen. Viele denken immer noch , ich sei stark, weil ich mal Leukämie hatte. … und muss ich wieder stark sein. Es war so herrlich noch schwach sein zu dürfen und in den Armen des Anderen.

    Gefällt 1 Person

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