Muttertag war gestern

Herztorte_zum_Muttertag

Von Josef Türk Jun. – originally posted to Flickr as Herztorte zum Muttertag, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10321338

Das Leben ist voller gewohnter Rituale und Feiertage. Bis der Blick für das Gängige dann von einem Moment auf den Anderen auf den Kopf gestellt wird. Manchmal muss es gar nicht Krebs sein es kann auch einfach ein Mensch sein, der die richtigen Fragen stellt und man über gewisse Dinge einfach nachdenkt.

 

Dieses Jahr fiel der Muttertag auf meinen Geburtstag und seitdem ich auch über meinen Kinderwunsch mit einer ganz anderen Intensität nachdenken muss, kriegt der Muttertag so wie auch der Vatertag eine ganz andere Färbung. Warum feiern wir eigentlich Mutter- oder Vatertag? Weil wir uns freuen, dass sie uns Geboren haben? Feiern wir unsere Mütter, weil sie sich die Mühe machen uns ihre Muse, Lebensfreude, Werte, und Liebe schenken die uns eigentlich zusteht und die als selbstverständlich angesehen wird? Das gleiche gilt natürlich für den Vater. Ich merke da schnell, dass dem Vater- oder Herrentag schon eine ganz andere Rolle zugeteilt wird. Hier oben im Nordosten Deutschlands laufen zum Herrentag die jungen Männern im Alter zwischen 20 und 28, mit Bierkisten durch die Stadt um im nächsten Stadtpark den Standgrill aufzubauen und in Picknick- Manier die Decke auszubreiten und diesem Männlichkeitsbild zu Fronen. Dass irgendwer in dem Alter von Mitte 20 schon an einer Familienplanung arbeitet bezweifle ich. Na ja man kann ja nie wissen.

Zurück zu den Frauen der Schöpfung: Ich hatte es tatsächlich vergangenes Jahr erdreistet meiner Mutter nicht zum Muttertag zu gratulieren. Das hat sie mir tatsächlich krumm genommen, obwohl wir ausgemacht haben, dass sie nicht beschenkt werden möchte, weil es wichtigere Tage gibt. Den Geburtstag zum Beispiel. Außerdem gibt es ja auch noch 364 andere Tage im Jahr… an dem man sie Wertschätzen könnte…Pustekuchen. Das erste was ich bei einem Elternbesuch zwei Wochen später von meinem Vater erfahren habe war, dass meine Mutter tief enttäuscht war, dass ich sie nicht angerufen habe.

Was ich heute nachlese ist, dass der Muttertag ursprünglich die Frauenbewegung und den Austausch junger Frauen ermöglicht hat um sich in der Politik durchzusetzen. Erst später kam hier in Deutschland die unpolitische und sehr werbekonforme Variante auf den Markt.

Ich finde, dass der Muttertag so wie ich ihn wahrnehme auch gleichzeitig ziemlich diskriminierend ist, für alle Frauen die z.B. keine Mütter werden können. Ja für die gibt es ja jetzt den Frauentag, könnte man argumentieren. Doch man feiert ja den Muttertag trotzdem. Außerdem kommt das Bild zustande, dass das Muttersein bedingungslos gut und ohne wenn und aber gewollt ist. Lasst uns alle Mütter feiern, auch die, die ihre Kinder verloren haben oder eigentlich gar keine Kinder wollten oder die aus schwerwiegenden Gründen abgetrieben haben!

Natürlich könnte man es hier weiter dramatisieren und vielleicht ist es einfach ein einfacher Feiertag… aber wenn ich meine Mutter feier, weil sie meine Mutter ist, dann brauche ich nicht den Muttertag dafür. Wenn ich aber den Muttertag feier, weil sie sich entschieden hat schwanger zu werden und mich dann gekriegt hat, was ja auch irgendwo Zufall ist, dann muss ich ihr zu meinem Geburtstag danken. Ich brauche keinen besonderen Tag um meine Mutter wert zu schätzen und ich finde es halt so oberflächlich es dann auf diesen Tag besonders ankommen zu lassen. Vielleicht brauchen aber Mütter ihren Tag um sich als Mutter nochmal besonders wahrzunehmen? Bedeutet das, dass Frauen in ihrer Mutterrolle von den Kindern zu wenig wahrgenommen werden?

So langsam überfordere ich mich selber beim Nachdenken und höre einfach auf. Ändern kann und will ich den Tag nicht aber ich gehe einfach mit einem anderen Blick und Wertigkeiten durch die Welt.

Vielleicht sollten wir einfach irgendeinen Tag im Jahr nehmen und ihm eine ganz bestimmte Bedeutung zumessen und uns selbst feiern. Nicht, dass wir geboren sind, denn das können wir nicht bestimmen, sondern das wir so sind wie wir sind. Einfach ja sagen, schön, dass es mich gibt! 😀

Liebe Grüße

eure Onko

 

Dieser Beitrag wurde unter Alltag abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Muttertag war gestern

  1. Budenzauberin schreibt:

    Interessant, Deine Überlegungen und Gefühle dazu, denn ich sehe das in der Tat genauso. Für mich existiert dieser „Muttertag“ als solches nämlich auch nicht und ich gratuliere demzufolge meiner Ma auch nicht. Ich glaube, mittlerweile kennt sie auch meine Einstellung dazu, die ist ja nun nicht neu. Ob sie sie aber auch akzeptiert/respektiert, weiß ich nicht. Meine beiden Schwestern zelebrieren diesen Tag mit unserer Mutter regelrecht… Klar, von meinen Kindern, als sie noch jünger waren, habe ich immer Selbstgebasteltes bekommen, meist aber auch nur auf Initiative von Kindergarten und/oder Schule hin. Klar freute ich mich dann auch stets darüber, aber natürlich nur, weil ich mich immer über alles Selbstgebastelte von meinen Kindern freu(t)e, egal an welchem Tag ich es geschenkt bekam. Erst als sie älter waren, habe ich es ihnen erklärt, daß sie mir an diesem Tag nichts schenken brauchen und natürlich rufen mich die beiden Ältesten, die nicht mehr daheim wohnen, auch nicht extra an und ich bin damit absolut zufrieden und glücklich. Über das selbstgemachte kleine Holzpuzzle vom jüngsten Kind habe ich mich aber trotzdem gefreut. Aber das hätteich mich ja eh. 😉

    Gefällt mir

  2. Inge schreibt:

    Recht hast Du, liebe Onko. Auch ich empfinde immer wieder den Muttertag als Diskriminierung derjenigen, die – warum auch immer – keine Kinder haben. Die Werbeindustrie setzt noch mächtig einen drauf. Dass der Muttertag die Frauenbewegung gefördert hat (schon vor oder erst nach der Einführung des Frauentages?) wusste ich bis dato gar nicht. Schade, dass dieser Inhalt so vollkommen verloren ging.
    Meine Kinder müssen und sollen mir auch gar nicht zum Muttertag gratulieren. Und wenn sie es mal getan haben, dann wussten sie, dass Muttern sofort auf die Barrikaden geht ;-), taten es also eher, um mich zu necken. Denn ich sehe es genau so, Wertschätzung drückt man nicht nur an einem Tag im Jahr aus….

    Dir alles Liebe und gaaanz viel Gesundheit wünscht
    die Inge

    Gefällt mir

  3. UɐɹɟʇɐʞıuU² schreibt:

    Na dann mal nachträglich die besten Glückwünsche. Auf ein gutes Jahr!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.