Krebs und Beziehung, geht das?!

imag0829Ob eine Beziehung in einer Krisensituation trotzdem bestehen bleibt hängt von vielen Faktoren ab. Oft hörten wir die Frage, ob wir noch zusammen seien. Bei einigen (aber nicht allen) schleicht sich während der Therapie eine Trennung ein.

Häufig kenne ich aus meiner eigenen Vergangenheit, dass ich gerne den Fehler begangen habe die Beziehung in den Vordergrund zu schieben. Man versucht die positive Beziehung aufrechtzuerhalten und immer wieder in eine scheinbar rosa-rote Zone zu bringen. Dass dadurch der Fokus auf den Partner in den Vordergrund gerückt wird und die eigenen Bedürfnisse nach hinten gestellt werden, fiel mir dann immer zu spät auf nämlich, dann wenn man nämlich keine Kraft mehr für die Konfliktlösung hat.

Bei einer Krebs-Diagnose kommen natürlich Ängste, Unsicherheiten und auch neue Wertigkeiten ins Spiel. Die Bedrohung wird von Außenstehenden anders wahrgenommen als der Betroffene selbst. Je nachdem wie stark man sich vom äußeren Bild der Krebserkrankung leiten lässt um so mehr ist man- so vermute ich- belastet und betroffen. Vor ein paar Wochen habe ich ebenfalls einen guten Freund getroffen, der nun zu den Onkos gehört. Das Gefühl daneben zu stehen ist wieder ein komplett anderes. Die Gefühlswelt wird schwammig, weil ich nichts direktes tun kann um die Lebenssituation zu verbessern. Vermeintlich- denn was fehlt um Sicherheit in der Unsicherheit zu bekommen ist, das Nachfragen.

Wo steht die Person in ihrer Therapie? Welche Schritte wird der/diejenige gehen und sind die Unterstützungen vor Ort ausreichend, damit die mir gegenüberstehende Person ihre Situation meistern kann? Was denkt die Person und was wünschst sie für sich selbst?

Am Ende steht die Frage, wo kann ich wirklich helfen und besteht die einzige Hilfe eher darin, die Person für ihre Schritte zu motivieren, ihr die Kraft zu geben die sie braucht um ihren Weg zu gehen.

Nach meiner Therapie sehe ich vieles nicht mehr als selbstverständlich und auch nicht mehr als so langlebig und ewig an. Während einer Therapie, verändert sich aufgrund des Todes im Nacken, die Sichtweise und Wertigkeiten. Was alltägliche Lappalien sein können werden zu anstrengenden Problemen, die man mal nicht so eben lösen kann, weil die emotionale Belastung zu groß ist. Dies kann aber auch in das komplette Gegenteil springen, mein Freund und ich haben mehr über die kleinen Missverständnisse und Uneinigkeit gelacht. Heute verändert sich wieder meine Sicht auf die Dinge. Der Tod ist mir vom Gepäckträger gesprungen und die Lappalien und Streitigkeiten rücken wieder in den Vordergrund. Für mich bedeutet das, die Leichtigkeit zu bewahren und die Probleme mit einem Lächeln zu betrachten- und nicht in alte Gewohnheiten zurück zu fallen. Leider ist das leichter gesagt als getan…

imag0831Während meiner Therapie war ich auch sehr egoistisch und habe viel mehr Zeit für mich genommen-ohne ihn. Das birgt auch die Gefahr, dass man sich auseinander lebt. Ich brauchte das Gefühl des „Lebendig seins“ warum sich Aufgeben, wenn das Leben ja noch da ist?! Man denkt über so vieles nach,- wie will ich mein Leben leben? Wie will ich sterben? Wie will ich meine Zukunft gestalten? Wie will ich meinen Alltag genießen und was kümmern mich die Probleme der anderen?- so dass der Partner in allem auch schnell weg zufallen droht.

Auf der anderen Seite habe ich meinen Freund zu jeder meiner Chemo und zu jedem meiner Arztbesuche mitgenommen. 100%-Teilhabe und Aufklärung. Der Druck nicht helfen zu können ist sehr stark und erst, wenn man weiß wie etwas funktioniert und auch die neue „Normalität“ für den anderen mit einfließt, kann er sich tatsächlich in seiner Form mit einbeziehen. Ich denke, dass dazu auch noch ein großer Teil dazugehört, sich von seinen Ängsten etwas zu distanzieren- den Fokus auf die Schritte zu legen, die Therapie immer auf den aktuellen Stand beziehen. Sich von der Angst nicht beherrschen zu lassen, denn meistens ist das Unbekannte Angst einflößender als das Bekannte.

Das ist nicht einfach. Vielleicht gibt es hier demnächst auch ein Gastbeitrag von meiner zweiten Hälfte, denn ich hab ja nur meine Sicht des Ganzen.

Im Moment habe ich das Gefühl das mein „euphorischer Lebenssturm“ zur Ruhe kommt und alles wieder in die etwas eintönige Welt vor meiner Therapie rutscht. Ich bin häufig unmotiviert, viele Vorhaben scheitern weil mein Schweinehund größer wird und ich vergesse darauf zu achten, was mir eigentlich gut tat bzw. tut. Die Beziehung leidet darunter, weil ich mich nicht selber verwirklichen kann und dann dazu neige die Verantwortung für mein Glück anderen zu schiebe und mich davon beeinflussen lasse was andere meinen gut oder nicht gut für mich ist. Das frustriert mich total!

Liebe Grüße

Eure Onko

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