Raus aus der Komfortzone

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verRückt

Vielleicht kennt ihr das auch, ohne Gesellschaft kommt man sich plötzlich viel näher. Der Krebs und die Therapie waren zwar anstrengend und stellenweise gab es Hürden, vor denen ich wirklich Angst hatte, doch die größten Anstrengungen liegen bei mir bei den Veränderungen. Und mit diesen Veränderungen versuche ich mich aktiv auseinandersetzen, was mich gelegentlich ganz schön aus dem Gleichgewicht bringt.

So war es auch diese Woche. Die Kami-Katze hat mir zwar Gesellschaft geleistet, aber ein Gesprächspartner war sie in diesem Sinne nicht. Die gesamte letzte Woche hing mir noch total im Nacken. Ich hatte ja mein Gespräch bezüglich meines Brustaufbaus gehabt. Am Ende und das ist mir erst vor zwei Tagen so wirklich bewusst geworden, hat mir der Arzt eigentlich gar nicht richtig zugehört und ist auch nicht auf mein Bedürfnis eingegangen. Ich habe natürlich wissen wollen, was er mir empfiehlt und auf das Argument, dass meine Weiblichkeit nicht nur aus den Brüsten definiert wird hat er auch bekräftigt. Danach kam aber ein großes Aber und ganz viele Erklärungen für einen Aufbau. Vor allem würden sich die meisten Frauen früher oder später für einen Aufbau entscheiden. Aber was ist für mich die richtige Entscheidung?

1. Erst aufbauen und dann gucken ob es einem gefällt oder 2. erst abbauen und dann feststellen, dass man lieber Brüste haben will.?! Im zweiten Fall kommen auf jedenfall mehr Operationen auf mich zu, sollte ich später doch einen Brustaufbau haben wollen. Nehme ich aber die erste Variante und bin unzufrieden, dann müsste ich beide Brüste abbauen. Ein Aufbau wird dann kaum mit Expander für die Tumorseite möglich sein, sollte ich irgendwann doch wieder Brüste haben wollen, dann evtl. mit Eigengewebe. Während der Arzt also anmerkte, dass ich bei einem Abbau ebenfalls so eine Narbe wie auf der anderen Seite haben würde und das ja nicht so gut aussieht wie auf der gesunden Seite, (Ich hoffe noch, ich habe das missverstanden) wäre doch ein Aufbau schöner.

Besonders attraktiv fand ich mich nach der Aussage nicht. Warum lässt man sich eigentlich immer von solchen Sätzen beeinflussen? Und wie komme ich nun endlich zu meiner lang ersehnten Antwort?

Da es aber nicht nur mit dem Auf- oder Abbau getan ist und der Gedankengang nicht damit aufhört. Hat die ganze Überlegung auch mit der eigenen Identifikation zu tun. Wer bin ich, was macht mich aus. Wie ästhetisch finde ich mich mit Hupen oder  ohne?

Ich habe mir die letzten Tage tatsächlich die Frage gestellt, was mich bewegt an einen Abbau festzuhalten. Je mehr ich über diese Frage nachgedacht habe um so mehr habe ich mich selbst hinterfragt.

  • Wenn ich einen Verlust meiner Weiblichkeit spüren würde, dann würde ich doch aufbauen wollen?
  • Was macht meine Weiblichkeit überhaupt aus und wie fühlt es sich an weiblich zu sein?
  • Bin ich was anderes und wenn ja, was?
  • Muss ich überhaupt etwas sein?
  • Was bedeutet es für mich anders zu sein?

Zwischen den ganzen Fragen habe ich mich dann auch noch verloren…einfach zu gucken was ich persönlich ästhetischer finde. Was sich normaler anfühlt und dementsprechend eine Antwort zu finden.

Ich sehne mich danach mich selbst zu finden.

Eure etwas konfuse Onko!

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2 Antworten zu Raus aus der Komfortzone

  1. Vale47 schreibt:

    Ich dachte, das mit der Brust macht mir alles nix. Habe dann BET gemacht und hinterher dann festgestellt, dass sie mir schon sehr wichtig ist. Das kam plötzlich und ohne Vorwarnung dieses Gefühl. Ich bin froh, dass ich bei einem tollen Chirurgen war. Die Narbe stört gerade nicht so. Und wenn, dann lässt sich da noch bsischen was machen. Und bei Aufbau können die Ärzte so schön natürlich nachbauen. Schau dass Kopf und Bauch übereinstimmen bei deiner Enscheidung. Drück die Daumen.

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  2. Pingback: Im Strudel der Zeit | onkobitch

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