Autofahren: Die Angst bleibt aus!

Ich bin auf dem Weg in die Stadt. Mit schnellen Schritten gehe ich an meinem Stehzeug vorbei. Eigentlich könnte ich es nehmen und mir die 15 Minuten Fußweg sparen, die ich hinter mich bringen muss. Doch ich habe den Autoschlüssel in der Wohnung liegen gelassen oder besser gesagt, „rein (un)zufällig“ vergessen  verdrängt. Ich könnte auch noch mal zurück, es würde nur 5 Minuten von der gesamten Zeit kosten, wenn ich jetzt nochmal umkehre.

Das war vor gut einem halben bis dreiviertel Jahr. Kurz nach meiner Reha war ich eigentlich gewillt wieder Auto zu fahren. Eigentlich sagt es ja schon sehr schön. Ich konnte nicht. Gab es Termine zu denen ich mit dem Auto fahren musste hatte ich bereits am Vorabend Beklemmungen.

Komme ich heile aus der Parklücke? Übersehe ich auch keine Radfahrer? Reagiere ich in der passenden Geschwindigkeit? Verstehe ich alle Verkehrszeichen? Hoffentlich fahre ich nicht gegen einen Baum oder jemanden um!

Solche und ähnliche Fragen haben sich in mir eingenistet, natürlich mit einer ordentlichen Portion Angst! Spontane Autotouren waren schon gar nicht drin und selbst die Frage ob ich mir ein Auto leihen und selber Nachts nach Hause fahren könnte, löste eine Angstattacke aus. Leider fiel es mir dazu auch schwer zuzugeben, dass ich Angst vor dem Autofahren habe und jemand anderes fahren soll. Schließlich fand ich diese Sorge ja selbst unbegründet und auch lästig.

Meine Psychologin sagte mir, dass dies nicht unüblich ist. Die eigenen Sinne waren während der Therapie eingeschränkt. Konzentrationsschwierigkeiten, geringe Belastbarkeit, kurze Aufmerksamkeitsspanne. Ich habe deswegen aufgehört mit dem Auto zu fahren, ich fühlte mich nicht sicher in meiner Wahrnehmung. Später kamen auch noch die letzten Eindrücke meiner Tour im Jahr 2015 dazu. Das hat geprägt.

Nun ist ein halbes Jahr vergangen, zwischendurch stand mein Auto „Tot“ auf dem Parkplatz herum, weil die Batterie komplett leer war. Glücklicherweise ist mein Vater KFZ-Mechaniker, so dass er das Herzstück meines Stadtflitzers wieder zum Leben erweckte und es dann anschließend mit nach Hause nahm. Ein halbes Jahr habe ich ohne den Druck gelebt Auto fahren zu müssen, wollen oder sollen. Es war ja nicht da, keine Konfrontation, keine Angst die auf einmal kommt. Was für eine Erleichterung!

Dann war es vor 3 Wochen soweit. Ich war bei meinen Eltern zu Hause, glücklicherweise ist mein Vater mit mir die sechsstündige Autobahnstrecke zurückgefahren. Das hätte ich nicht geschafft. Doch eins habe ich bemerkt, als ich ihn dann für die Rückfahrt zum Bahnhof gefahren habe. Ich habe keine Angst mehr!

Keine kreisenden Gedanken, wen oder was ich umfahren könnte! Keine Unfallszenarien auf den Straßen und keine Hilflosigkeit das mir alles zu viel wird. Vielleicht liegt es am Theater spielen das ich merke, dass ich meinen Fähigkeiten vertrauen kann. Dass auch die Schilder und Straßen der Rahmen sind für meine Orientierung und sie mir helfen. Es kann auch sein, dass ich jetzt weiß, dass mein Auto wieder funktionstüchtig und heile ist. Auf jedenfall fühle ich mich wieder sicher!

Das habe ich auch gleich ausgenutzt und bin nach Stralsund gefahren! 2mal!! 😀 Dieses Wochenende war ich dann hier vor Ort auf dem Flohmarkt und habe mein Fahrzeug als Transportmittel verwendet!

Angstfreie Grüße

Eure Onko

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2 Antworten zu Autofahren: Die Angst bleibt aus!

  1. fraggle schreibt:

    Respekt! Du scheinst auf ´nem guten Weg zu sein! 😉 Ich hab das Problem glücklicherweise nur in abgeschwächter Form: Ich meide Autobahnen, da kriege ich Panik!

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Vorhang auf! | onkobitch

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