Vorhang auf!

Probe

Foto: Ich und Laura; Bild: Susanne Kreckel

Dass ich irgendwann mal beim Theater Vorpommern in einer Vorstellung ende, hätte ich nicht gedacht. Doch wie heißt es so schön, erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt! Ich befinde mich in der heißen Phasen meiner Probestunden. Mindestens zweimal und maximal viermal die Woche geht es ans Eingemachte. Es wird geprobt was das Zeug hält, hinter und auf der Bühne für mehrere Stunden.

Das Stück: Machtkörper

Im Theaterprogramm heißt es: »Das Theater ist die tätige Reflektion des Menschen über sich selbst. (Novalis)«

Dem kann ich nur beipflichten! Theater ist mehr als nur in Rollen zu schlüpfen! Als ich mit dem Theaterspielen angefangen habe, hatte ich Angst vorm Autofahren, ich wusste nicht wie belastbar ich bin, wie ich in Stresssituationen mit mir und den anderen umgehe. Ich kannte mich nach meiner Krebstherapie selbst nicht mehr richtig. Wie weit kann ich gehen und was macht Druck von außen mit mir? Was wird von mir erwartet und was kann ich erfüllen? Muss ich überhaupt Konsequenzen befürchten!?

Beim Proben gibt es kein Falsch und wenn man etwas nicht so kann wie man will und möchte, dann behauptet man, dass es genau so- wie man es macht- richtig ist! Im Theater heißt es auch „Ja- und!“ Man nimmt etwas an und macht etwas daraus. Wir verschließen uns zum vermeintlichen Schutz vor den eigenen Macken und das der anderen, dass wir gar nicht erst handlungsfähig werden, wenn wir nicht mehr Herr unserer Lage werden.

Während einer Probe zu beginn des Jahres, sollten wir kurze Textpassagen „eben mal“ auswendig lernen, während wir durch den Raum liefen. Meine eigenen Anforderungen ließen mich sofort überfordert im Raum zurück, während die Worte auf dem Papier in meinem Kopf ins Nichts strömten und mir die Tränen des Frustes in die Augen schießen ließen. Doch im Theater geht es um das Behaupten und viele andere hatten die gleichen Schwierigkeiten wie ich. So behauptete ich einfach nach zwei Sätzen, dass das genau so sein sollte.

Warum eigentlich nicht auch im Alltag? Es ist genau richtig, so wie ich bin, so wie ich es mache und wenn da Fehler sind, dann gehören die genauso mit dazu, dann gibt es das Ja- und, dass eben sagt, dass man andere Wege braucht um seinen Alltag zu bestreiten. Das Theater schafft Räume, die es ermöglichen Fehler zu machen und sich mit diesen ungestraft auseinanderzusetzen- zumindest in den Proben nicht :P. Es tut gut, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen.

Gruppenübungen helfen, sich in andere Rollen zu versetzen und sie durch die anderen gespiegelt zu bekommen. Wie oft fragt man sich im Alltag, wie das was man gerade getan hat, bei dem anderen an kommt. Manchmal liegen Welten zwischen der eigenen Wahrnehmung über sich selbst und das der Anderen. Tatsächlich habe ich mich in einer Situation dabei ertappt von meinen eigenen Gefühlen überrascht worden zu sein. Es ging um die Frage wer im Leben den größten Schmerz erlebt hatte. Jeder hat da natürlich selbst so seine Päckchen zu tragen! Doch man hat ein Wettbewerb draus gemacht und sich dabei zu behaupten, dass man selbst doch die größte Wunde hat. Doch es sich selbst zuzugestehen, dass was ich erlebt habe auch schmerzlich, mit Verlust verbunden ist und einfach mal tatsächlich anstrengend war, habe ich erst zu diesem Zeitpunkt so richtig spielerisch- künstlerisch von mir gegeben. An Menschen die sonst eigentlich nichts mit meinem Leben zu tun hatten. Im Nachhinein hat es mich befreit, es bringt mich zum nachdenken, zum akzeptieren meiner selbst.

Theaterspielen ermöglicht also sich an seine Grenzen zu tasten sowie sich selbst und andere besser wahrzunehmen. Ein weiterer Aspekt der sich positiv auf das eigene Leben auswirkt: es steigert die Konzentration, Spontanität, Flexibilität, Merkfähigkeit und vor allem die Fitness. Es war die beste Entscheidung, die ich machen konnte als mich für das Stück anzumelden.

Liebe Grüße

Eure Onko

 

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2 Antworten zu Vorhang auf!

  1. UɐɹɟʇɐʞıuU² schreibt:

    Wow! Du gehörst auf die Bühne :)!

    Gefällt 1 Person

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