Im Gewittersturm der Emotionen: Die Premiere

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Während die Bühne noch vom Tageslicht geflutet wird, stehe ich zwischen zehn anderen Akteuren unserer Inszenierung und habe Herzflattern. Vor den Spiegeln auf knarzenden Stühlen wird gezupft, getuscht und retuschiert. Noch anderthalb Stunden bis zur Premiere!

Ein halbes Jahr haben wir geprobt was das Zeug hält! Doch plötzlich steht man in der Garderobe hinter der Bühne und spürt wie sich die Dynamik -die allein durch die Tatsache, dass genau heute die Premiere ist- verändert. Ein Kribbeln geht durch den Körper und ich habe das Gefühl die Luft vibriert. Ich habe Ameisen im Bauch.

Eine gesetzte Hektik entsteht. Wer kleidet bzw. schminkt sich zuerst und wer folgt dann? Der Raum riecht nach Puder, Haarspray und ganz zart nach Make-Up. Reissverschlüsse werden hochgezogen, Haare zusammengebunden und zum Schluss Kostüme zurecht gezupft. Dann haben wir noch Zeit, Zeit für Geschenke und ein Toi Toi Toi von allen. Sogar der Dramaturg des Theaters kommt vorbei und wünscht uns eine gute Aufführung. Das ist ca. 15 Minuten vor Beginn. Dann geht es ein letztes Mal in den Kreis: Die letzten Worte und zum krönenden Abschluss ein Zählen von 1-21.

Dann wird es leise. Das Tageslicht ist schon längst ausgesperrt und wir gehen auf unsere Posten, hinter den Vorhang. Aus der Stille heraus höre ich wie die Türen des Saales geöffnet werden. Ein Stimmenmeer hallt herein, Schuhe schlürfen, klackern und tapsen. Stühle werden besetzt. Vor meinem inneren Auge füllt sich die Zuschauertribüne mit gesichtslosen Gästen. Irgendwo auf der anderen Seite sitzen bekannte Freunde von mir.

Es Gongt einmal, dann 5 Minuten ein weiteres mal. Der Zirkusdirektor unserer Runde stellt sich in Position. Die Gäste verstummen: Licht aus, Spot an!

1 2 3 4- Sekunden und der Vorhang öffnet sich zum ersten Mal für Zuschauer außerhalb der Proben. PREMIERE.

Zum Glück muss ich nicht als erste raus! Meine Aufregung die sich unaufhörlich nach oben windet hat noch nicht ihren Höhepunkt erreicht.

Dann geht alles ziemlich schnell. Die Stimmung der Gäste ist unbeschreiblich. Sie lachen, raunen, staunen und selbst Sarkasmus und Ironie sind aus dem Stimmengewirr der Besucher zu vernehmen. Es ist berauschend und beängstigend zu gleich. Ich bin der klaren Gedanken kaum mächtig, dann kommt schon meine große Szene. Ich stürze mich hinein, erlebe sie wie von neuem und vergesse sogar die Menschen um mich herum. Um meine Szene herum ist es Still bis zum nächsten Akt, in dem ich durch meine Rolle, die schwere und bedrückende Last von den Schultern der Zuschauer nehme. Sie lachen!

Und mir fällt ein Stein vom Herzen.

Wer meinen Blog liest weiß was mein Körper mit mir macht, was er in den vergangenen 2 Jahren gemacht hat und welche Macht er immer noch auf mich ausübt. Doch auch ich übe Macht über meinen Körper aus. Dies stellen wir dar, der Kampf, die Hoffnung, das Verlorene, das Gewonnene, die Freude über das Leben und die Dinge die mein Körper mir beschert. Am Ende darf er nicht fehlen- Der Humor!

Am Ende bleibt die Frage: Ob das, was da ist ausreicht.

Wir singen gemeinsam, so wie wir sind, jeder mit seinem Makel. Der Spot geht aus, das Licht geht an und….

die Zuschauer toben!

Ich kann es kaum fassen. Die Stuhlreihen, die wochenlang leer standen sind gefüllt mit applaudierenden und bezauberten Besuchern. Sie feiern- tatsächlich UNS

Wir gehen die Applausordnung durch, verbeugen uns im tobenden Beifall und ich bin so unbeschreiblich Stolz auf uns, auf mich und das was ich geschafft habe. An diesem Punkt verschmelze ich mit meiner Rolle.

Die Anspannung springt in Euphorie über. Es wiegt so viel! Meine Augen stehen unter Wasser.

Nach dem emotionalen Chaos am Premiere-Tag, folgt ein weiterer voller Flashbacks. Sporadisch springen einzelne Szenen in mein Gedächtnis zurück. Die Reaktionen der Gesichtslosen vor dem Vorhang und Wortfetzen aus dem Stück. Mehr als einmal kann ich ein Lachen nicht im Zaun halten, dass ungefragt und doch so gut aus mir herausbricht.

Die Kritiken aus dem Stadtteilblog sowie in der Regionalen Zeitung geben dem Sahnehäupchen die Früchtchen. Die ersten zwei Vorstellungen sind komplett Ausverkauft, ob auch die Dritte voll wird entscheidet sich heute Abend kurz zuvor.

Das Stück wäre nicht so, ohne seine Regisseurin, Gestalterin und seinen Statisten geworden; meine Rolle nicht ohne meinen Krebs! Danke Laura für meinen Gegenpart! Es tut so gut dich, wenn auch ein Teil von mir, aus vollem Herzen an zu schreien!

😀 Danke für das neue Kapitel in meinem Leben!

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Feel free to look for more pictures by Manu Malveiro on: https://www.facebook.com/Manuthebloo and https://www.instagram.com/manu_thebloo/

Danke ihr Lieben!

Eure emotionsgeladene

Onko

 

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2 Antworten zu Im Gewittersturm der Emotionen: Die Premiere

  1. fraggle schreibt:

    Die Premiere lief gut, die Kritiken sind super: Kann es eigentlich besser sein!? 😉

    Respekt und herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Premiere und viel Erfolg für die weiteren Aufführungen!

    Gefällt 1 Person

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