Über den Abgrund hinaus

Es geht weiter! Mein Leben; meine Therapie. So einfach wie ich es im Beitrag zu vor geschrieben habe ist es nicht, wird es nicht. Weder für mich noch für meine zweite Hälfte, Freunde und Familie. ABER es wird! Ich springe einfach über den gedanklichen Abgrund hinweg! Mit Fallschirm oder nicht. Ich gebe alles, versprochen!

In den vergangenen Tagen bin ich mal wieder auf dem Boden der Realität herum geschlittert. Endlich schaffe ich es durchzuatmen, doch richtig gerafft habe ich es noch nicht was es bedeutet mit Metastasen zu leben. Denn eins was mir während der Voruntersuchungen immer bewusster wurde ist: wenn ich einmal Metahasen habe, dann werde ich die nicht so einfach los! Es ist Fakt, da gibt es kein Rütteln. Ich habe erst nach meinem Befund verstanden, dass wenn auch alle Knochenmetas verschwinden würden, wäre es nicht sicher, ob nicht doch irgendwo anders noch Krebszellen in meinem Blut schlummern und nur darauf warten sich irgendwann festzusetzen. Wie ich aber gehört habe gibt es auch seltene Ausnahmen.

Und bevor ich gleich in die Tiefe meiner Therapie gehe sei hier nochmal allen gesagt, die in den letzten Wochen an mich gedacht; ihre Daumen zerdrückt; mir Mut zugesprochen; Hoffnung gegeben; Wissen vermittelt- haben. Ihr habt einen sehr wichtigen Teil dazu beigetragen mir Halt zu geben. Danke, dafür!  ❤ Ich war und bin nicht alleine, das ist schön zu wissen! Vor allem meiner zweiten Hälfte, der sich ebenfalls die Zähne an der Situation ausbeißt- danke fürs begleiten, bleiben und kämpfen. ❤

Metahasen sind nicht gleich Metahasen!

Zuerst hielt ich von der Aussage meiner Psychologin nichts. Sie konnte mich mit dieser These nicht beruhigen. Doch im Grunde hat sie recht! Denn je nach Histologie wird auch die Therapie festgelegt und fällt unterschiedlich aus. Zu der Zeit hatte ich ein Sprung in der Schallplatte, die das finsterste vom Finstersten in Endlosschleife immer und immer wiederholte.

Es gibt also tatsächlich mehrere Stufen von total beschissen!

Metahasen

Meine Metahasen kommen eindeutig von meinem Grundtumor. Das ist gut, denn für meine Hormon-positiven (ohne HER2-neu) Metastasen gibt es viele Therapiemöglichkeiten.  Im Grunde verstärkt sich einfach meine aktuelle Antihormontherapie. Tamoxifen wurde bei mir jetzt abgesetzt, da sich das Östrogen trotzdem an die Rezeptoren meiner Metastasen setzen.

Eine Chemotherapie und Bestrahlung stehen aktuell nicht an, denn ich kann den Wachstum durch Medikamente eingrenzen. Mein Östrogen wird nun nicht nur in den Eierstöcken blockiert, sondern auch in der Haut und im Hirn wo das Hormon ebenfalls produziert wird. Gleichzeitig wird mein Knochenab und -aufbau gestoppt, so dass meine Knochen erhalten bleiben. Derzeit löse ich mich an meinem linken Hüftgelenk, an mehreren Brustwirbeln und am Sternum auf. Das sind aktuell kleine Herde im Millimeterbereich aber ich habe Knochenschmerzen, weil die Knochenhaut kaputt ist. Mit dieser Therapie falle ich auch in eine derzeit aktuelle Studie rein. Ich bekomme zusätzlich ein Medikament, das das Fortschreiten der Metastasen um mehrere Monate, wenn nicht über ein Jahr hemmen kann. Da es eine Studie ist wird immer noch fleißig dokumentiert. Es hängt nun davon ab wie meine Metahasen auf die Medikamenten ansprechen.

Was macht man wenn die Metahasen Resistenzen bilden?

Die Therapie wird verändert. Es gibt die Möglichkeit bestimmte Zusammensetzungen in den Medikamenten zu ändern. Die Aromatasehemmer gegen die Hormonausschüttung zu ändern. Nächstes Jahr werden auch wieder neue Medikamente zur Behandlung zugelassen, die in meine Therapie mit aufgenommen werden können. Ich bin hier vor Ort in sehr guten Händen!

Sollten irgendwann alle Stricke der Antihormontherapie reißen, dann gibt es noch die Chemo und Bestrahlung. Vielleicht fragt der ein oder andere warum man nicht gleich mit einer Chemotherapie kommt?!

Das liegt daran, dass man meinen Zustand nicht auf Anhieb ändern kann. Die Wahrscheinlichkeit dass ich noch schlafende Metastasen habe ist groß. Die Antihormontherapie ist daher im Vergleich zur Chemotherapie die sanftere. Trotz der Nebenwirkungen. Eine Bestrahlung kann ich nur für mein Hüftgelenk nutzen, da ich dort vorher noch nicht bestrahlt wurde. Das Sternum wird nur im Notfall bestrahlt. Die Gefahr Herz und die Lunge zu schädigen ist zu groß!

Ich denke man erkennt gut, dass die Ärzte hier mich nicht schonungslos kaputt therapieren. Sie gehen ganz individuell auf die Metastasenbiologie sowie auf meinen Beschwerde Zustand ein. Ich hätte auch mich gegen die Studie entscheiden können, so habe ich aber eine sehr engmaschige Kontrolle und kann noch mehrere Therapien aufbauen.

Jetzt hoffe ich nur auf meine Nebenwirkungsresistenz :D.

Und ganz Nebenbei muss man mal wieder den ganzen Behördenkram meistern und mit Existenzängsten kämpfen weil verschiedene Geldansprüche auslaufen und man nicht sofort weiß wen man zuerst und zuletzt über seinem Krankheitszustand – von Kurativ auf Chronisch- informiert. Dabei bin ich nicht die einzige, die in den vier Wänden kopflos nach der Konzentration, Energie und Lebensfreude sucht. Nächste Woche schlage ich mich dann mit der Krankenkasse, Rententräger, Arbeitsagentur und Eingliederungsberaterin herum.

Ein entspanntes Wochenende

Eure Onko!

 

 

 

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2 Antworten zu Über den Abgrund hinaus

  1. fraggle schreibt:

    Ich hab hier noch ein bisschen Konzentration, Energie und Lebensfreude rumliegen – schick Dir vorbei! 😉

    Und lass Dich nicht von Kassen, Agenturen und Beratern ärgern. Du hast wahrlich Wichtigeres zu tun.

    Ich gehe dann jetzt wieder in meine „Daumen-drück-Haltung“. Alles Gute!

    Gefällt 1 Person

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