Auf der Suche nach dem inneren Gleichgewicht

Der Schuttberg wird so langsam kleiner! Das Gleichgewicht und die Zuversicht werden von Tag zu Tag immer größer bzw. besser. Vor gut einer Woche schrieb ich über die vier Baustellen, heute möchte ich mich meiner ersten Baustelle vertieft widmen.

Ich schreibe auch, weil ich euch und das Bloggen vermisse. Tatsache ist: die – wenn auch unregelmäßigen Berichte- tun mir gut und ich möchte auch gewisse Gedankengänge ablegen. Ich gehe mal davon aus, dass es euch in gewisser Weise auch unter den Nägeln brennt wie es bei mir weiter geht :D. Meine Beobachtung war bisher, je schlechter es mir geht um so besser läuft mein Blog :P. Ich werde dem nicht weiter nachgehen, gesund scheint dies nicht zu sein.

Damals schrieb ich über die Krebstherapie folgendes:

Die Brustkrebstherapie ist wie eine Achterbahnfahrt. Am Ende ist einem leicht übel, man hat eine neue Frisur, ein anderes emotionales Empfinden und ein neues Lebensgefühl!

Achterbahn

Dieses Bild ist vor ein paar Tagen entstanden als mich die Sketchnote-wut gepackt hat. Ich hatte leider keinen Link mitgeschickt aber so sieht es in etwa aus. Siehe oben 😀 (lieber Fraggle)!

Aber nun zu meiner Baustelle Nr.1:

Immer wieder sprach ich davon, dass die Verarbeitung nicht so leicht von statten geht und das ich doch ganz schön an meiner Situation zu knabbern habe. Was aber genau fällt mir schwer?

Zunächst ist es der Umstand, dass ich versucht habe meine Diagnose mir immer so vor Augen zu halten, dass ich auf diese jetzige Situation vorbereitet bin. Wie ihr sehen könnt, bin ich das nicht. Man kann sich nicht auf das Üble vorbereiten auch wenn man das noch so gerne möchte. Es zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Vielleicht ist es auch genau das Gefühl was die meisten bereits bei ihrer ersten Diagnose empfinden.  Ich war da etwas enttäuscht dass es nicht funktioniert hat und auch ziemlich erschüttert, dass es mich doch getroffen hat OBWOHL alles bisher so gut aussah.

Ein weiterer Knackpunkt an dem ich mir meine Beißerchen aus beiße ist der, das scheinbar alles was ich davor getan habe umsonst war [war es natürlich nicht, keine Sorge]. Besonders in der ersten Phase meiner 2. Diagnose war ich sehr abgeschlagen und müde. Ich bin jetzt Tagsüber immer noch häufig müde aber nicht mehr so, dass ich mich hinlegen müsste. Dies hat sicherlich auch noch was mit meinen Schmerzmedikamenten zu tun. Ich hab da nämlich eine etwas stärkere Dosis bekommen. Auf jedenfall habe ich nach mehreren Sitzungen bei meiner Psychologin an meinen Gleichgewicht gearbeitet. Ich habe meine Situation mit anderen verglichen und so eine grobe Einschätzung bekommen.  Es steht ja doch nicht so schlimm um mich, wie es könnte. Wie sagt meine Psychologin so schön: „Sie haben eine chronische Erkrankung, die bei einer guten medikamentösen Einstellung gut zu händeln ist. […] Es trifft einen auch meist nicht der worst- oder bestcase, sondern irgendwas dazwischen.“ Es liegt jetzt nur an den ersten Monaten zu gucken ob die Medikamente, die ich bekomme die gewünschte Wirkung erzielen. Das was ich von den meisten höre lässt zu Hoffen übrig (oder wie man das formuliert). Ich bin nun auch zu dem Schluss gekommen, dass die Dinge, die ich vorher getan habe nicht mehr zu meinen jetzigen Zeitpunkt passen. Sie haben mir wunderbar in der Zeit geholfen als es noch heilbar hieß und ich in der Gewissheit lag, dass die Therapie ein Ende hat. Jetzt ist es ein anderes Einteilen von Kräften. Wie stellt man sich auf eine chronische Erkrankung ein? Wie viel Energie steckt man in seine Bewältigungsstrategien. Lohnt es sich da überhaupt so zu Kämpfen wie man vorher gekämpft hat? Ich beginne jetzt also dies erneut auszuloten.

Ein weiterer Aspekt der mich etwas auf den Boden der Tatsachen gebracht hat ist der, dass ich nicht mehr meinen Freunden hinterher eifern kann. Sie haben den Krebs und die Therapie überstanden und plötzlich bin ich diejenige die am Ende mit Metahasen zurückbleibt und nun gucken muss was sie macht. Nicht so einfach diese Tatsache anzunehmen.

Was mir auch schwer fällt ist meinen Körper in seinen Facetten zu spüren. Die Weh-wehchen kenne ich sehr gut, doch was ist mit dem Gefühl der Heiterkeit, der Lebensfreude und der Lust nach etwas? Natürlich auch die Traurigkeit und Wut gehören dazu. Irgendwie spüre ich nur Bauch, Knochen, Nackenzerrung und der Druck der Pflastersteine die ich mir auf den Rücken gebunden habe. Vor allem hört man mit Metahasen noch sensibler in sich hinein und geht mal wieder in eine Schonhaltung!

Aber wie gesagt, ich komme wieder zu meinem Wohlfühl-gleich-gewicht. Ein zwei Steine sind mir schon von den Schultern geplumpst. Vielleicht nicht ganz so Euphorisch wie sonst aber das muss auch nicht. Wer weiß ob das überhaupt so „Gesund“ war. Wie auch immer XD. Ist doch Schnuppe, ich bin dabei und Lebe mein ändern.

Auf in neue Tiefen und Höhen.

Eure Onko

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3 Antworten zu Auf der Suche nach dem inneren Gleichgewicht

  1. fraggle schreibt:

    Vielen Dank für die Erklärung der Sketchnotes! 😉

    Weitermachen! 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Ela schreibt:

    Sehr „cooles“ Bild und das hilft bestimmt auch bei der Verarbeitung und dem Steine loswerden 😉

    Gefällt 2 Personen

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