Meine Metahasen und Ich

MetahasengangLiebe Leute, heute möchte ich mich einem Thema widmen, das mir schon etwas länger auf der Seele brennt. Ich weiß nicht wie es euch da geht, weil ich ja nicht in eure Köppe gucken kann aber ich glaube, dass es nicht nur mir so geht, dass wenn man Metahasen* hört, alles sehr diffus und dunkelschwarz wird.

*Zum Schutz der eigenen Psyche verwende ich den Begriff Metahasen anstatt Metastasen.

Mit diesem Beitrag möchte ich ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Auf Folgende Punkte gehe ich ein:

  • Diagnose Metahasen
  • Warum hat dann die Chemotherapie nicht auch die Metahasen erledigt?
  • Was machen die Metahasen mit mir?
  • Was passiert nun genau in den Knochen?
  • Was ist der Unterschied zwischen der ersten Diagnose und der zweiten Diagnose dem fortgeschrittenen Brustkrebs?
  • Wie werden Metastasen bekämpft?/ Wie werde ich behandelt?
  • Wie lange habe ich zu leben?

 

Diagnose Metastasen:

Am Anfang meiner 2. Diagnose habe ich mich gefragt wie plötzlich Metahasen auftauchen konnten. Plötzlich ist in diesem Sinne zwar meine Wahrnehmung aber das ansetzen meiner Metahasen wahrscheinlich weniger plötzlich. Im Grunde müssten sie sich irgendwann nach meiner Knochenszintiegraphie und während meiner Chemo abgesetzt haben. Das kann vorkommen und ist leider nicht vorhersehbar. Wir haben zu der Zeit und mit der Vollständigkeit meiner Daten alles richtig gemacht.

Warum hat dann die Chemotherapie nicht auch die Metahasen erledigt?

Die Chemo wirkt nur bei schnell wachsenden Zellen (aus diesem Grund fallen auch die Haare aus). Schwirrt dann so ein schlafender Metahase unbehelligt durch den Körper trifft ihn die Wirkung der Chemo nicht.

Was machen die Metahasen mit mir?

Zunächst zirkulieren die Metahasen durch meinen Körper, bis sie sich irgendwo ansetzen können. Bei Brustkrebs sind es meist die Knochen- vorzugsweise die Wirbelsäule, Hüfte und bei mir noch das Brustbein. Ebenfalls gehen sie auch in Organe wie Leber, Lunge und oder Gehirn. Dort festgesetzt fangen sie zu wachsen an.

Meine Metahasen sollten eigentlich durch meine Antihormontherapie am Wachstum gehindert werden. Zur damaligen Zeit hieß es noch zur Sicherheit, falls nicht doch noch etwas in mir herum schwirrt. Mit den Medikamenten Tamoxifen und der Trenantone (Eierstockstoppspritze) hätten sie eigentlich nicht wachsen dürfen. Doch Metahasen sind sehr wandelbar und haben sich so an die Medikamente angepasst, dass sie trotzdem Hormone aufnehmen und so wachsen konnten.

Das Gute ist, meine Metahasen befinden sich in meinen Knochen! Das ist gut, weil keine lebenswichtigen Organe betroffen sind und gut behandelt, sie in den Knochen nicht viel kaputt machen können.

Was passiert nun genau in den Knochen?

Meine Metahasen wurden durch restliche Östrogene in meinem Körper versorgt und wuchsen. Die Knochen haben keinen Platz für diese und verändern ebenfalls ihre Struktur. Dadurch geht die Knochenhaut kaputt, Entzündungen und Schmerzen sind die Folge. Was ziemlich schmerzhaft ist. (Das war die Zeit im August, an dem ich fast zwei Wochen ununterbrochen Schmerzen im Brustbereich hatte.)

Was ist der Unterschied zwischen der ersten Diagnose und der zweiten Diagnose dem fortgeschrittenen Brustkrebs?

Besteht kein Verdacht auf Metahasen spricht man von einem heilbaren Zustand. Auf der Krankenschreibung steht dann Kurativ. Die Therapie ist im Diagnosetyp 1 aggressiver um den Tumor vollständig zu zerstören.

Wurden doch Metahasen gefunden, gehöre ich zu den chronisch erkrankten Patienten auf deren Krankenschein Palliativ steht. Die Therapie zielt darauf hin, die Erkrankung zurückzuhalten und Symptome zu lindern. Da auch bei einem Zurückdrängen der Erkrankung die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sich noch Metahasen im Körper wiederfinden geht man sanfter vor. Nur in seltenen Fällen gibt es eine Heilung, trotzdem kann man gut mit ihnen leben!

Die Therapie der Metahasen ist viel individueller als die der 1. Diagnose. Das liegt vor allem daran, dass die Metahasen unterschiedliche Körperregionen befallen und nicht immer die Biologie wie der Grundtumor aufweist.

Wie werden Metastasen bekämpft?

Dies hängt von unterschiedlichen Faktoren ab.

  1. Der Zustand bei der Diagnose.
    Anzahl der befallenen Knochen. Sind ebenfalls Organe betroffen, wenn ja wie viele und in welchem Ausmaß sowie der generelle Gesundheitszustand.
  2.  Welcher Biologie gehören meine Metastasen an. Hormonpositiv HER/2 + oder tripple Negativ.

Je nach dem was auf die Person zutrifft wird auch die Therapie angeordnet. Bei einer Krebstherapie im kurativen Zustand ist die Therapie noch sehr überschaubar, da die Behandlung nach übersichtlicher Anzahl von Methoden und Abläufen durchgeführt wird.

Wie werde ich behandelt?

Auf mich bezogen bedeutet das: Meine Knochenmetastasen sind Hormonabhängig und besitzen nur ein Rezeptor (Her2-Negativ). Sie sind damit eindeutig auf mein Ursprungstumor zurück zu verfolgen. Sie haben sich dahingehend verändert, dass sie das Tamoxifen umgangen sind. Dies konnte sich nicht an die Metastasen setzen um so das Östrogen abzublocken.

Da ich nur Knochenmetahasen habe werden diese so sanft wie möglich mit einer Antihormontherapie behandelt. Eine mögliche Chemotherapie oder Bestrahlung hebe ich mir sozusagen für später auf, wenn ich sie gebrauchen sollte.

Ich werde so sanft wie möglich behandelt: Antihormontherapie und Knochenstopp.

Damit ich keine Hormone produziere bekomme ich eine Spritze namens Trenantone, die meine Eierstöcke lahm legt. Dazu gehören auch Aromatasehemmer (Tabletten), die meine Hormonproduktion in Hirn und in der Haut stoppen. Damit die Metahasen den Knochen nicht ab- bzw zum Aufbau anregen gibt es Biophosphonate. Diese bremsen den Knochen egal in welche Richtung er sich bewegt. Gegen die Schmerzen kriege ich Morphium (niedrige Dosis) sowie Medikamente gegen die Entzündungen im Knochen. Ibus haben mir beim letzten Schub nicht mehr geholfen.

Wie lange habe ich zu leben?

Das ist eine Frage die kann mir keiner beantworten. Es gibt Patienten die in einer ähnlichen Situation (Knochenmetahasen-Hormonabhängig etc.) sind, die befinden sich seit mehr als 50 Jahren in Therapie. Leider gibt es auch andere Fälle aber das bin nicht ich. Sollte die Medikamentenform – ich nenne es mal -„A“ nicht mehr funktionieren, dann wird die Zusammensetzung der Medikamente geändert und Plan „B“, „C“ oder „D“ werden angesetzt.

Im Grunde muss jetzt erst einmal meine Tablettentherapie richtig eingestellt werden. Ich gehöre nun zu den Chronisch-Kranken. Gleichzusetzen ist dies mit einer Diabetes Typ 1 oder HIV. Schlecht behandelt kann sie zum Tod führen gut eingestellt wirkt sie lange. Es gibt dann Schübe und Nebenwirkungen sind auch dabei aber wie genau das verläuft ist erstmal ungewiss.

Trotzdem ist hier zu erwähnen, dass ich es mit Knochenmetahasen gut erwischt habe. Die bringen mich erstmal nicht um. Die nagen nur am Knochen und machen AUA. In den Knochen kann man sie eben mit den Medikamenten gut in Schachhalten. Kein Grund zur Panik also! (Nachtrag)

Derzeit befinde ich mich weiterhin in der Menopause, habe Hitzewallungen, trockene Haut und alles was dazu gehört. Meine Haare sind leider auch etwas dünner geworden aber das ist wohl das kleinere Übel.

P.S. Bei Fragen vom Apotheker besprechen sie die Risiken mit ihrem Arzt! Die Inhalte können Wissenslücken beinhalten. Dies ist aber so wie ich es wahrnehme.

Viele Grüße

Eure Onko

 

 

 

 

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3 Antworten zu Meine Metahasen und Ich

  1. Der Feind in mir schreibt:

    gut beschrieben – und ich finde die Metas zwar fürchterlich, aber mag die Zeichnungen und die Namensänderung. Alles Liebe 🍀

    Gefällt 1 Person

  2. somi1407 schreibt:

    Metahasen – herrlicher Umschreibung. Hol den Jäger und lass sie abschießen 😉
    Ich wünsche dir alles Gute

    Gefällt 1 Person

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