Krebs: Kampf oder Krampf?

Wenn die Krebsdiagnose fällt, dann kommt früher oder später die Kämpfermentalität dazu. Wie oft habe ich in diesem Zusammenhang noch positiv gehört „Sie/Er Kämpft gegen den Krebs an“ oder „Er/Sie hat den Krebs besiegt“. Derjenige darf sich dann im Anschluss als „Survivor“ bezeichnen. Im schlechtesten Fall heißt es dann „Er/Sie hat den Kampf gegen den Krebs verloren.“Drache und Ritter

Ich persönlich finde diese Worte schwierig und letzteres schon ziemlich unter meiner Gürtellinie. Zum einen stellt sich das Gefühl des Kämpfens nicht immer ein und zum anderen hat man auch nicht immer die Kraft dies zu tun. Oder es sieht bei Person x y z nicht nach Kämpfen aus obwohl sie es trotzdem alles als einen Kampf empfindet. Wenn dann jemand am Krebs verstirbt, weil jede Therapie ausgeschöpft wurde, hat er dann persönlich ebenfalls aufgegeben für sich, sein Leben oder gegen den Krebs zu Kämpfen?! Ich persönlich bezweifle das.

Ok, für den ein oder anderen wird wahrscheinlich dieser Motivationsspruch und Kampfschrei wirken bzw. passen. Das darf dann natürlich so bleiben! Ich kann mich damit nicht (mehr) identifizieren.

Deshalb zu mir:

Während meiner ersten Diagnose habe ich nicht das Gefühl gehabt, gegen meinen Krebs ankämpfen zu müssen. Natürlich fand und finde ich ihn zum Kotzen und im Moment bin ich durch die Umstände, die er mir und das Sozialsystem bereitet ganz schön am Limit.  Aber so richtig Kämpfen eher die Ärzte mit ihren Medikamenten gegen Schakeline und ihren Metahasen. In dessen Natur liegt es irgendwann auszuarten. Bei mir liegt es ja an den kaputten Reperaturgenen, dass sich Schakeline plötzlich zu Wort meldet. Aus diesem Grund habe ich mir Ziele gesteckt um mein Leben einen Sinn zu geben. Ergo: Ich habe für mein Leben, meine Lebensqualität und schnelle Genesung gekämpft. Ich wollte so gut es geht mit erhobenen Hauptes durch die Therapie gehen. Durch den Fokus auf die positiven Dinge konnte ich immer wieder von neuem Kraft daraus schöpfen. Vor allem auch durch die Perspektive auf Heilung.

Nach meiner Therapie in der Zeit als es den Anschein machte, sah ich mich auch nicht als Survivor oder Überlebender. Ich habe schließlich ein großes Rückfallrisiko durch die genetische Vererbung. Was das genau für mich bedeutete war bis dahin nicht abschätzbar. Also war auch ein besiegen des Krebses für mich nicht in solche Worte zu packen. Vielmehr hatte ich ein wahnsinniges befreiendes Gefühl, nicht mehr den Druck durch die Erkrankung zu spüren.

Durch die Aktuelle Diagnose der Metahasen ist diese Perspektive verschwunden. Es ist halt Tatsache, dass ich die Biester nicht mehr los werde. Das senkt die Euphorie des Lebens ungemein und ich habe das Gefühl die meiste Zeit unter Druck zu stehen. Da kommen leider die Amtsangelegenheiten dazu und intensivieren das Gefühl. Die Vorstellung, mein ganzes Leben damit zu verbringen immer wieder gegen den Krebs zu kämpfen schlaucht mich jetzt schon ungemein. Klar tue ich etwas damit die Metahasen nicht mehr werden. Ich nehme die mir verschriebenen Tabletten. Ich ernähre mich so gesund wie möglich. Also vielseitig, mit allen Farben, der Obst und Gemüsewelt und weniger Fleisch. Aber im Grunde habe ich keine spezielle Diät. Ich halte davon wenig. Ich meide halt Lebensmittel mit Grapefruit, Johanniskraut oder Soja. Sie beinhalten Östrogen-ähnliche Stoffe, die gegen meine Therapie wirken. Ansonsten mache ich mir mein Essen selbst. Keine Tütensuppen, Keine Instantprodukte.

Doch mit den Metahasen ist alles anders.

Es gibt kein Ende meiner Therapie, kein Ende meiner Metahasen. Das was mich schafft ist, dass alle meine bisherigen Mechanismen nicht mehr wirken. Natürlich kann und werde ich noch für mein Leben kämpfen aber irgendwie habe ich das Gefühl ich muss erstmal Herrin über meine Lage werden. Was die Metahasen und diese Chronische Erkrankung für mich bedeutet, welche Einschnitte sie in mein Leben derzeit hat. Ich denke auch, dass es nicht sinnvoll ist über die Zukunft nachzudenken- das macht nur Angst und führt in eine Sackgasse. (Ich tue es trotzdem zu oft)

Die Medikamente bringen die Metahasen hoffentlich zum Stillstand. Wenn es richtig gut läuft ist es möglich, dass sie durch den Stillstand vom Körper abgebaut werden. Ob es so sein wird, erfahre ich erst am 8. November und in den darauf folgenden CT- Untersuchungen. Wofür sollte man da gegen die Erkrankung Kämpfen? Ich hätte auch eine härtere Therapie nehmen können, aber nochmal eine so starke Belastung wie die Chemotherapie möchte ich mir erst einmal nicht antun. Weil auch wenn die Metahasen offensichtlich weg sind, bedeutet es nicht, dass nicht doch noch eine irgendwo rum fleucht.

Und wenn man mal keine Kraft und Geduld zum Kämpfen hat, dann ist das so. Manchmal kann man auch einfach abwarten und sich treiben lassen. Ich denke nicht, dass dadurch eine Therapie schlechter verläuft. Die Frage ist nur wie man mit den Nebenwirkungen umgeht und ob man es einem gelingt die positiven Seiten im Leben hervorzuheben.

Fazit:

Für mich ist derzeit jeder Anspruch an einen Kampf eher ein Krampf. Die Energien, die ich in die Ämter rein stecke und die Tatsache, dass ich den Krebs nicht mehr los werde, ersticken jede Kampfansage im Keim. Zum einen empfinde ich es als nicht sinnvoll dagegen anzukämpfen – Man kämpft ja auch nicht Jahrelang gegen seine Diabetes Typ1. Ich glaube auch nicht, dass es nötig ist gegen den Krebs zu kämpfen, wenn man so viel gewinnen kann. Vielmehr sollte man also seine Energie da rein stecken, wo man etwas gewinnen kann. Also wenn ich mich gesund ernähre, fühle ich mich wohler, mag ich mich lieber. Ich habe auch weniger Nebenwirkungen, wenn ich genügend gegessen und ausgeglichen bin. Man muss noch nicht mal für das Leben kämpfen, man sollte es sich einfach schön machen auf der Welt. Das was man empfinden und wahrnehmen kann mit Genuss tun. Häufig verliere ich die Angst vor dem Ende wenn ich so richtig viel erlebt und im Moment gelebt habe. Ich glaube auch nicht dass ich so schnell den Löffel abgebe. Dafür sind meine Blutwerte zu gut und die Medikamente scheinen ihren Dienst zu tun. Den Satz: „Sie hat den Kampf gegen den Krebs verloren“ möchte ich am Ende meines Lebens nicht für mich oder meine Familie haben. Denn das lässt vergessen was ich in all dieser Zeit überhaupt erlebt und gelebt habe. Selbst der Krebs hat, so hinterfotz*g Schakeline auch ist, mir so viel neues gebracht, dass ich diesen Teil ebenso wenig missen möchte. Wobei… auf die Tabletten könnte ich verzichten und die Angst, den Knochenbruch und die Geldsorgen….etc. Aber! So viele neue Freunde, Bekanntschaften, Hobbies, Lebensziele, Twitter, mein Blog! Sich im Hier und Jetzt alles für sich einzunehmen was geht. Nagut, dass ist auch wieder so eine Sache 😀 Da spielt die Energie wieder einen Strich durch die Rechnung. Aber selbst ein Faullenzertag am PC mit der Snooker Comunity auf Twitter oder eine Kritzelrunde am Block ist ein gewonnener Tag!

Wuselige Grüße

Eure Onko

 

 

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3 Antworten zu Krebs: Kampf oder Krampf?

  1. Unser Krebs sollte kein Kampf sein, es ist nur reine Energieverschwendung gegen etwas zu kämpfen in unser Körper wächst und weiter leben will. Das tatsächliche Leben ist viel mehr als das, ist Freude, Gerüche und Gefühle! Danke für deinen Beitrag! Lg Sofia

    Gefällt 2 Personen

  2. MaiRose schreibt:

    Hallo…
    Ich wusste nicht, dass du Metastasen hast. Ich habe wohl schon länger nicht mehr bei dir gelesen. Sorry. 😐 Oder habe es einfach nur nicht mehr auf dem Schirm gehabt.
    Ich denke, ich kann es gut nachvollziehen, was du da schreibst und wie du dich fühlst. Meine Gedanken waren, was wäre wenn ich Metastasen gehabt hätte, dann hätte sich das alles ganz anders angefühlt. Davon bin ich überzeugt.
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft
    Alles Liebe
    Mary 🌹

    Gefällt 1 Person

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