Dem Todd auf der Spur

Todd-BlumenTodd ist eigentlich ein geselliger Typ, verbringt er doch die meiste Zeit zwischen den Menschen. Ob Jung oder Alt, Frau, Mann oder beiderlei/keinerlei Geschlecht- ihm gefällt es überall sehr gut. Auch unter den Tieren und Pflanzen ist seine Art zu finden. Doch während ich hier über seine urige Schaurigkeit berichte, ist er dabei Trübsal zu blasen. Denn obwohl Todd ein geselliger Typ ist, leidet er darunter von jedweder Art ignoriert zu werden.

Dabei macht er doch noch nicht mal einen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein oder Kindlein und Rindlein. Ob Fastfood ala Grilled Rippchen oder „well stewed“ ihm ist das allerlei.

Monster1Dem Todd auf die Spur zu kommen hingegen ist eine andere Geschichte. Denn der urigen Schaurigkeit zuvor, stellt sich die Angst uns in den Weg. Das Monster, welches von unvorstellbarer Größe ist, mit messerscharfen Zähnen und Klauen so haarig und grausig wie aus den schlimmsten Horrorfilmen- zischt und züngelt vor unserer Nase. Es hat die Sicherste Taktik des Gruselns erlernt:

Uns den Verlust vor die Nase zu halten. Natürlich hat das Monster namens Angst noch andere Arme. Leid und große immense Schmerzen!!!!!!1!

Ich möchte heute meine Gedanken zu einem Podcast über den Tod und das sterben loswerden und gleichsam meinen lieben missgeschätzten Vetter Todd einladen.

Vetter Todd begegnet uns eigentlich jeden Tag. Ich meine hier nicht ihn als das Gegenteil vom Leben, sondern als dramaturgischen Punkt in Büchern, Film und Fernsehen. Krimis, Horrorfilme und Nachrichten haben ihn zum Thema. Menschen werden z.B. aus Affekt, Eifersucht oder Habgier umgebracht. In den Nachrichten wird von Menschen berichtet die durch Krankheit, Armut oder Krieg sterben. Leider hört das Drama dabei nicht auf. Es geht weiter bei den Berichterstattungen zu den Bedingungen in Pflegeheimen und im eigenen Heim. Die Würde des Menschen ist unantastbar beginnt so langsam mir von der Bedeutung her sehr klar zu werden. Teilweise wird sogar viel zu früh vom Tod gesprochen. Vor allem mit der Diagnose Krebs kommt der Tod sofort in den Raum obwohl die Prognosen sehr gut stehen können zu überleben.

Wenn wir vom Sterben lesen oder sehen, (ich muss hier dem Jens Friebe im Interview+Podcast von „endlich“ zustimmen) dann ist es immer mit etwas schlimmen verbunden. Mit Qual, Leid und schrecken. Schlimm, weil die Person zu Jung dafür ist, dass das was sie erlebt hat doch eigentlich nicht ausreicht bzw. nicht ausreichen kann. Da zählt auf einmal nicht mehr die Lebensqualität, sondern anscheinend nur die Quantität?! Kein wunder, dass man da lieber Vetter Tod wie ein unliebsamen Verwandten von seiner Geburtstagsfeier ausladet.

Doch sind es vielmehr die Umstände in denen man Sterben muss, dass die Vorstellung daran so grausig ist und nicht der Tod an sich. >Onkobitch<

Todd Sketchnote-AngstNatürlich habe ich Angst davor den Löffel so früh abzugeben, weil ich das Gefühl habe noch nicht genügend gelebt zu haben. Mit der direkten Bedrohung durch meine Metahasen hatte ich kurzweilen mächtig Angst davor wie die anderen darunter leiden wenn ich eine Lücke hinterlasse. Ich glaube man springt da von einer Perspektive zu anderen. Ich habe einen gesunden Überlebenstrieb der mir sagt: „Das was du hast ist so wertvoll, dass willst du nicht einfach aufgeben!“ Ich möchte auch in meinem Leben nichts bereuen. Ich habe aber auch Angst davor nicht gut versorgt zu werden und am Ende zu leiden.

Hier fällt mir auf, dass wenn von einer todbringenden Krankheit die Rede ist, dass dies mit 3 Dingen verbunden ist: Leid, Schmerz und Grausamkeit!

Ich frage mich bzw. euch: WARUM?

Krebs ist da ein passendes Beispiel. In einigen Fällen stimmt das überein. Es gibt Nebenwirkungen, unter den Patienten leiden und es gibt auch Schmerzen, die wenn sie permanent wahrgenommen werden wirklich grausam sind. Diese Schmerzen müssen aber nicht sein, auch wenn man meint dass sie zu der Erkrankung dazugehören. Vielleicht habe ich hier auch zum Glück nicht viel Nebenwirkungen abbekommen. (Sollte jemand von meinen Lesern da andere Erfahrungen haben, schreib mir doch bitte deine Situation in die Kommentare-ich würde mich freuen!)

Vor geraumer Zeit habe ich an einem Fatigue-Seminar teilgenommen. Dort war ebenfalls ein Mann mit Magen- oder Darmkrebs. Dieser hat tatsächlich über mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate mit seinen Schmerzen verbracht. Ich finde das unvorstellbar. Denn es gibt Medikamente und Schmerztherapeuten genau wegen dieser Tumorschmerzen.

Todd Sketchnote-RedenIch habe vor meiner Metahasen-Diagnose ebenfalls einen Schmerzschub gehabt. Dieser wurde durch eine Hormonspritze ausgelöst, da die Metahasen darauf reagiert haben. Ich bin darauf hin zum Glück zu meiner Gyn gegangen. Nachdem aber klar war, dass die Schmerzen durch meine Metahasen kommen und ich eine alte Therapiebekannte getroffen habe, die mir die Schmerzambulanz empfahl, habe ich gleich etwas gegen die Schmerzen bekommen. Hydromorphin in einer ihrer geringsten Dosis sowie Schmerztabletten gegen Knochenschmerzen. Ich habe seit gut einem halben Jahr keine Schmerzen mehr!

Ich werde natürlich durch meine Erkrankung dazu auf die Nase gehauen mich mit dem Thema Todd & Co auseinander zu setzen. Ich habe aber auch vor kurzem die Erfahrung gemacht: Dass es richtig furchtbar werden kann, wenn man es nicht macht. Und genau dann kommt das mit dem Leid ins spiel, wenn man nicht die Hilfe holt die man braucht oder versucht gewisse Schmerzen auszuhalten.

Denn Leiden und Qualen müssen in einer Therapie nicht sein. Man muss nicht vor sich dahin vegetieren und das Dasein fristen. Oder doch? Hängt das von der Therapie ab oder doch eher vom Typ-Mensch? Der sich gehen lässt, sich dem ergibt und nicht mehr alleine aus seiner Angst, Selbstmitleids und Frustspirale kommt. Ich bade manchmal auch im Selbstmitleid und bin frustriert, aber in vielen Momenten fordere ich mir mein Leben ein.

Ich habe neben einem tauben Arm (OP-Seite), durch die Medikamenten eine verlangsamte Verdauung und durch die Antihormontherapie permanente Hitzewallungen. Eigentlich müsste mein Leidensempfinden hoch sein. Ist es aber nicht, das finde ich selbst stellenweise KOMISCH! Aber auch gut. Irgendwie schaffe ich es mich damit zu arrangieren, es zu vergessen und auch als nicht wichtig zu erachten.

Für mich steht fest. Ich will das für mich NICHT! Ich will lieber meine 60, 50, 40…..10% der Handlungsfähigkeit ausnutzen die mir bleibt, wenn es soweit ist. Und wenn es nur bloggen, reden, malen oder sonst was minimalistisches ist.

Aber wahrscheinlich gehört dazu eine ordentliche Portion „Mutivation“, Mut und Motivation sich mit den endlichen Dingen auseinander zusetzen- mit der eigenen Sterblichkeit. Wer weiß, ob das bei mir so bleibt. Aktuell bin ich tatsächlich gerade in einer Situation, in der es mich wirklich schwer beruhigt darüber nachzudenken und mich damit auseinander zusetzen. Nicht weil es mit mir Berg ab geht, sondern weil es mir so gut geht. Ich stecke in einer derzeit stabilen Situation meiner chronischen Krebserkrankung, die mich aktuell nicht stark beeinträchtigt. Doch ich kann im Voraus nie sagen ob das so bleiben wird. Und aus diesem Grund möchte ich mich jetzt auch mit dem Drama auseinandersetzen, damit ich es dann nicht mehr in dieser Intensität tun muss, wenn es tatsächlich mit mir Berg ab geht.

Ist erst einmal die Situation da- in der ich zu belastet bin, wie nach meiner 2. Diagnose-dann kann ich schon gar nicht mehr klar darüber denken, weil meine Emotionen drunter und drüber purzeln.

Monster2

Ich denke ein Großteil der Angst kommt daher, weil wir uns nicht damit beschäftigen und wir so viele offene Fragen haben. Dann gibt es auch bestimmte Dinge die uns Angst bereiten.

Vielleicht mögt ihr mich ja in meinem Denkprozess hier auf meinem Blog begleiten. Wenn nicht, ignoriert einfach Todds Beiträge! Ich habe einen tollen Podcast gefunden, der mich zum Denken anregt, ohne perfekte Antworten parat zu haben. Ohne eine alleinige Richtigkeit vorzulegen. Das macht es so schon handhabbar, seine eigenen Vorstellungen zu formulieren.

 

toddelige Grüße

eure Onko

 

P.S. Der Podcast ist zu finden unter endlich.cc 🙂

Dieser Beitrag wurde unter Todd abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Dem Todd auf der Spur

  1. Ela schreibt:

    Magst du den Podcast teilen?

    Gefällt mir

  2. ancy schreibt:

    Hi liebe Onkobitch, nicht jedem ist das Thema Tod so zugänglich, wie uns und trotzdem gerne verdrängt, doch ich kann sehr „Patch Adam“ zum Totlachen empfehlen, wenn es darum geht zu beschreiben, wie die Radieschen von unten zu begucken sind. Zitat: „Der Todesengel“ –
    Deine „Wiedergeborene“

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.