Just ask: Wie schaffst du es nicht aufzugeben?

Das ist eine interessante Frage und Eine, die ich nicht so einfach beantworten kann- oder doch!? Das heißt nicht, dass ich es nicht versuche. Schließlich habe ich ja hier genügend Platz. Bevor ich aber anfange möchte ich noch darauf aufmerksam machen, dass JEDER unterschiedlich mit seiner Erkrankung umgeht und was mir hilft muss nicht dem anderen helfen. Es gibt im Umgang auch kein falsch oder richtig und kein positiv oder negativ. Dafür herrschen komplett andere Ausgangssituationen!

Selbst heute auf dem Krebsaktionstag wurde ich gefragt, woher ich diese Energie nehme und ich glaube ich habe es recht gut kurz und knapp beantwortet. Ich habe eine große Portion Resilienz mit gebracht.

Was ist Resilienz?

Resilienz beschreibt in der Psychologie eine seelische Widerstandsfähigkeit. Laut Wiki ist es auch die Fähigkeit vorhandene Ressourcen auf die aktuelle Krisensituation zu beziehen und diese mit diesen Ressourcen zu bewältigen.

Dass ich jetzt hier so da stehe hat ihren Anfang 2015 und eigentlich noch Jahre zuvor angefangen. Ich habe bereits zu beginn meines Blogs über meine Freunde geschrieben. Mein „kranker Haufen“. Sie sind es, die mich auf das Thema Krebs sensibilisiert haben. Während des Studiums habe ich mit meiner Freundin über ihre Erkrankung im Kindesalter unterhalten und auch Bücher über Erkrankte und betroffene gelesen. Ich hatte von Anfang meiner Erkrankung nie das Gefühl ich würde an meinem Krebs sterben. Nicht an Brustkrebs.

Als weiterer Punkt war, dass ich immer direkt auf meinen IST-Zustand geschaut habe. Es gab zu Beginn meiner Therapie keine Anzeichen auf Metahasen. Ich habe vor der eigentlichen Diagnose so viel Unsicherheit in den Voruntersuchungen erfahren, dass die Diagnose an sich einer Befreiung gleichkam, die mir einen Weg aufzeigte und die Ärzte mich wirklich ernst nahmen und mir Antworten gaben.

Im Anschluss habe ich mir mehrere Mottos gegeben, Musik gehört, Fieslinge geknetet, auf Menschen geguckt denen ich nacheifern wollte und dann für mich einen Weg gefunden meine Erkrankung anzunehmen. Ich wollte mit „erhobenen Hauptes durch die Therapie und wieder heraus“. Das war mein Dogma.

Das Abrasieren meiner Haare, war eine Erinnerung an meine Jugend. Ich habe mir mit 18 Jahren eine Glatze schneiden lassen, weil ich vorher Dreadlocks hatte und diese tierisch zu jucken anfingen. Es war eine rebellische Zeit voller positiver Erinnerungen. Rebellion und erste Liebe machen das Tragen von Murmeln zu etwas besonderem. Ich habe also mich ziemlich gefreut endlich auch Fotos von mir mit Kahlschlag zu haben. Die Friseurin hingegen hat für mich mit gelitten :D.

Wegen meine anfänglichen negativen Erfahrungen durch Informationsmangel, habe ich angefangen meine Therapie bewusst mitzugestalten und mit meinen Ärzten und den Schwestern zu sprechen sowie Fragen zu stellen. Fragen über meine Therapie, über deren Handlungen, die Geräte und den Funktionsweisen. Besonders viel habe ich außerhalb der gängigen Praxis, Smalltalk mit allen betrieben und viel gelacht. Zum Unmut aller anderen griesgrämig dreinblickender Bestrahlungspatienten habe ich alle angestrahlt. Grinsend natürlich. Ich erinnere mich noch gerne daran, wie ich, wie ein regenbogenpupsendes Einhorn durch die Gänge zog und nicht anders konnte als gut drauf zu sein, weil ja die Heilung kommt und ich das Leben jetzt schon so bewusst wahrnahm. Ich fühlte mich nicht Krank, warum dann Krank sein?

Tja. Jetzt mit den Metahasen ist das schon etwas anders. Ich habe diesen dauerhaften Höhenrausch nicht mehr. Dafür spüre ich wieder den Boden unter meinen Füßen. Ich fühle mich auch nicht mehr so ganz so wohl wie vorher in meinem Körper. Ich bin dennoch weiterhin Kreativ geblieben. Ich schaffe es durch mein Zeichnen, mein Blog und alle dem mich so direkt wie möglich aber immer noch indirekt mit meiner Erkrankung auseinander zu setzen. Mir Ziele zu stecken und mein Leben zu gestalten, denn sterben werde ich erstmal nicht.

Das Thema Tod ist dennoch allgegenwärtig und ich mag es tatsächlich damit in geringen Dosen damit auseinander zu setzen. Es tut mir gut mein Leben und Ableben zu gestalten und die Kontrolle über das zu behalten was ich jetzt habe und nicht irgendwann in der Zukunft. Die Frage ist nur was will ich in der Zukunft, wenn ich es nicht mehr bestimmen kann. Das beruhigt mich, wenn das unter  Dach und Fach ist. Was mir aber auch besonders hilft nicht aufzugeben ist, mich vom Kampf zu lösen.

Seit meiner Metahasen, ach eigentlich schon davor, kämpfe ich nicht gegen den Krebs. Ich kämpfe für mein Leben, für die schönen Dinge, für das Verarbeiten meiner Therapie für die Kraft auch traurig zu sein, Mut zu haben meine schwachen Momente zu haben. Ich kann auch nicht gegen etwas kämpfen, das immer da sein wird. Ich sehe es auch nicht als sinnvoll an, mich in meine alten Gewohnheiten zurück zu sehnen. Ich würde viel zu sehr gegen mein gesundes jetziges Leben ankämpfen und womöglich ein schlechtes voriges bekommen. Es ist tatsächlich total angenehm von Null anzufangen und sich so zu nehmen wie man wirklich ist. Keine Erwartungen erfüllen müssen weil man denkt, was der andere von einem möchte.

Ich neige auch dazu direkt in den Abgrund zuschauen und mag es mich herauszufordern. Über den Tellerrand gucken und in Bewegung bleiben.  Mein Freund ist ebenfalls ein großer Anker, der mich hält und mich immer wieder auf die Fakten stubst und NICHT -was könnte sein, was noch nicht ist.

Ich habe mich an mein Leben fest gebissen und möchte es erst mal nicht so schnell hergeben. Das heißt aber auch dass ich mich an ein positives Sterbebewusstsein heranwagen will, damit ich jetzt und in Zukunft auch keine Angst davor haben muss. Nicht zu viel Angst, nicht das Überfordernde und Unaushaltbare.

Tja, ich denke das beschreibt es ganz gut, was meine Resilienz so ausmacht.

Liebe Grüße

Eure Onko 🙂

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