Mein Leben mit Metahasen

MetahasengangMein Leben hat sich mit der Metahasendiagnose noch einmal um rund 180° Grad gedreht. Nicht nur für mich, denn Krebs ist eine Systemerkrankung. Sie betrifft auch mein Umfeld und da merke ich mit dieser Metaebene ein paar Veränderung.

Am Anfang war da die Angst zu sterben. Vor allem weil man nur vom Hören aus der Nachbarschaft kannte, dass man bei Metastasen stirbt. Nie wurde auch nur annähernd darüber geredet welche Metastasen besser zu behandeln sind oder nicht. Ich kann mich nur gut an Sätze wie „Der oder Die hatte Lebermetastasen und Lungenmetastasen und ist dann daran gestorben“.

Doch nach einem Jahr mit Metastasen sitze ich hier und lebe. Durch meine Adern fließt Blut (meines) und in meinem Magen befindet sich Kaffee. Ich bin kein Vampir und unsterblich bin ich nun auch nicht geworden. Eins habe ich erfahren, Metastasen sind nicht gleich Metastasen. Es kommt auch bei ihnen darauf an, woher sie stammen, wie sie funktionieren und wo sie sitzen. Ich habe bis auf ein mü in der Leber, hauptsächlich Knochenmetahasen. Hormonsensible Schmarotzer, die sich in einzelnen Brustwirbeln, Becken und Sternum niedergelassen haben. Doch das wichtigste ist: Von Knochenmetastasen stirbt man nicht. Es ist also sehr gut möglich, dass ich mit meinen Metahasen alt und gebrechlich werde und dann irgendwann mit ihnen Hopps gehe. Natürlich alles, wenn sie dumm bleiben und sich nicht an die Antihormontherapie anpassen. Aber auch dafür hätte ich Behandlungsmöglichkeit A, B und C.

„Doch die Metahasen sind nicht alles was einen an dieser Erkrankung belastet. Es ist zum einen diese Unsicherheit dem eigenen Körper gegenüber.“

Dann merke ich, dass ich durch diese Diagnose tatsächlich häufiger das Gefühl habe Krank zu sein, auch wenn die Therapie gut läuft. Doch die Metahasen sind nicht alles was einen an dieser Erkrankung belastet. Es ist zum einen diese Unsicherheit dem eigenen Körper gegenüber. Wie stark kann ich mich körperlich eigentlich belasten und wann falle ich auseinander. Ich habe tatsächlich Angst zu hüpfen, weil ich denke das meine Brustwirbel das nicht mit machen. So schlecht geht es mir nicht, sonst hätte ich schon längst Schrauben drin. Doch es ist diese innere Stimme die sagt: „Pass auf, nimm dich zurück oder du fällst auseinander.“ Dazu kommt dann Stress durch tägliche Aufgaben, Amts- und Krankenkassen- Besuche. Termine und manchmal auch Anfragen wann ich denn endlich mal ein Comic oder des gleichen rausbringe, sorgen manchmal für Stress.

Ich merke leider aktuell immer noch zu spät, wenn ich Stress habe. Dann pfeifen manchmal Abends meine Ohren, ich habe selten Appetit oder Hunger und ich habe tatsächlich Einschlafprobleme. Vor allem kriege ich Stress, wenn ich in einer anderen Geschwindigkeit Dinge erledige, als in meiner eigenen.

Neben dem Stress macht auch diese Angst nach den Untersuchungen mich müde, ich habe Kognitives Fatigue. Kommen plötzlich zu viele Aufgaben auf mich zu und haben mind. 2 davon etwas mit Ämtern zu tun bin ich schon total aufgelöst, weil dieses Machtgefälle von Amt zu mir einfach überfordernd wirkt. Im Grunde rufe ich meine psychische Reaktion schon vor den wichtigen Terminen auf und bin dann durch meine Gedanken erschöpft. Das muss auch diese Angst vor der Angst sein oder Stress vor dem Stress.

Was mir auch auffällt, kaum einer fragt mich wie es mir geht. Leider kann ich auf diese Frage auch gar nicht mehr so leicht antworten, wie ich gerne würde. Was für ein Teufelskreis. Aber trotz Krebs und Metahasen bin ich in keiner Lebensbedrohlichen Situation und nippel nicht ab, wenn mich jemand fragt wie es mir geht. Ich würde halt auch gerne rum meckern, wie blöd manches ist und was mich aktuell ankotzt. Im Moment frage ich mich auch wie man überhaupt ein Gespräch führen kann ohne zu fragen wie es einem geht? Das geht doch eigentlich gar nicht oder?! Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Aber es ist schon ein heiden Unterschied von meiner ersten Diagnose zur Zweiten.

Ich sollte natürlich auch bedenken und das macht einen Punkt ebenfalls etwas grässlich:

Ich bin 34 Jahre alt und in einer Erwerbsminderungsrente, die Freunde die ich habe sind Arbeiten, wohnen wo anders oder beides.  Viele Kontakte bestehen unter Betroffenen und ich hab tatsächlich keine Lust mein Freundeskreis auf Rentnerinnen über 60 aufzubauen, auch wenn eine sehr gute Freundin von mir genau das ist. Aber da muss die Wellenlänge eben auch passen. Es ist nicht leicht und dann kommen da auch die eigenen Verpflichtungen und Arztbesuche.

Ich bin mind. 2 mal im Monat beim Arzt. Manchmal sogar häufiger weil ich  Beschwerden habe die ich vorher nicht hatte und plötzlich Angst machen.

Doch es gibt auch ganz viele positive Dinge in meinem Leben. Ich habe meine Leidenschaft für die Comics entdeckt und gewisse Träume und Pläne nehmen immer mehr Gestalt an. Ich treffe so viele tolle Menschen, erlebe so vieles durch meine Erkrankung und bekomme immer mehr die Möglichkeit mich selbst zu verwirklichen anstatt mich an ein Leben in einem vorgegebenen System anzupassen. Ich freue mich besonders jetzt auf die Herbst und Winterzeit, weil ich ein paar große Termine habe die mir helfen meine Erkrankung als etwas zu sehen an dem ich wachsen kann, dass nicht nur mein Befinden ausmacht, sondern auch ein Teil davon zu meiner Biographie werden lässt mit der ich andere Menschen begeistern kann. Ich habe auch gelernt meine Prioritäten besser zu stecken und an manchen Vorhaben beiße ich mir immer noch meine Zähne aus. Aber was soll’s Krebs macht einen nicht in allem Stärker, manchmal eben auch schwächer aber eben mehr zu einem selbst.

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4 Antworten zu Mein Leben mit Metahasen

  1. somi1407 schreibt:

    „Wie geht es dir?“ ist leider kaum noch eine ernstgemeinte Frage sondern nur eine Floskel. Fast jeder antwortet dann „Danke, gut.“
    Wenn dein Umfeld dich nach deinem Befinden fragen würde, würdest du mit „Gut“ antworten? Nein, vermutlich nicht. Und ich glaube, davo haben viele Menschen Angst. Sie wissen nicht damit umzugehen, wenn es jemandem schlecht geht.

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  2. Der Feind in mir schreibt:

    als ich neulich eine ehemalige Kollegin (mit Knochenmetastastasen) getroffen habe, habe ich mir vorgenommen, nicht: wie geht es dir? zu fragen. Weil mir das falsch vorkam. Ich habe stattdessen gesagt: gut schauste aus! Und das stimmte auch.

    Gefällt 1 Person

  3. Sari schreibt:

    Ich bin im Moment manchmal ganz froh wenn die Leute nicht fragen wie es mir geht denn einige tun es oft mit so einem betroffenen vermeintlich wissenden Unterton ( ganz schlecht nä?)
    Ansonsten glaub ich auch, dass viele tatsächlich Angst vor der Antwort haben.
    Ich meine auch zu merken, dass weibliche bekannte aus meinem Umfeld mich lieber meiden eben weil ich nicht 50 sondern 38 bin und das macht Angst und rückt nahe….

    Gefällt 2 Personen

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