Und 3-monatlich grüßt das Zotteltier

Willkommen im wiederkehrenden Albtraum. Würde ich einen Film nennen, der zwar gut gemacht aber mich von seiner Thematik wirklich nervlich an die Grenzen bringt, dann ist es „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray!  Jeden Tag die gleiche Schose, gefangen in einer Zeitschleife muss der Schauspieler den Murmeltiertag verbringen und irgendwie einen Weg finden aus seinem Dilemma zu kommen.

Willkommen in meinem Leben- fast. Meins ist ein Zotteltier und begrüßt mich alle drei Monate. Da das Z im Zebra, wie ein C vom CT klingt, habe ich nun meine wiederkehrenden Untersuchungen Zotteltier genannt.

Das Dilemma, das ich und wahrscheinlich viele andere in einer ähnlichen Situation haben ist, dass die Untersuchung nicht einfach eine Untersuchung ist. Das Zotteltier hat einen Rattenschwanz, an dem meine größte Sorge hängt: ein Voranschreiten der Erkrankung und eine Verschlechterung der Lebens-Qualität/Situation.

Danach folgen am Rattenschwanz Stressreize wie Wartezimmeroptik, Desinfektionsgeruch, das Pieken durch die Nadel und vor allem: die negativen Erlebnisse der Diagnose- der Grund warum man in diesem Wartezimmer sitzt und ein Liter ekligschmeckendes (zum Glück mit Sirup versüßtes) Kontrastmittel trinkt.

Was mir aber nun auffällt ist, dass ich dieses Zotteltier nicht zu meinem Lebensmittelpunkt machen möchte auch nicht zu einem dreimonatlichen Mittelpunkt. Ja, die Untersuchungen kommen in einem dreimonatigen Rhythmus aber mein Leben läuft an sich nicht in einem dreimonatigen Rhythmus ab- warum sollte ich das anpassen? Es ist auch häufig nur ein Tag an dem die Untersuchung ist. Das Blöde an dem ganzen Prozedere ist, dass die Wartezeit dazwischen so blöd ist. Vielleicht sollte ich da nochmal mit meiner Onkologin und den Ärzten vom CT sprechen. Möglich das man da ein paar Tage weniger warten kann!

Natürlich gibt es nach den Untersuchungen eine Phase in der ich erschöpfter bin, weil ich das Kontrastmittel wieder abbauen und den Stresspegel verdauen muss. Doch möchte ich dies nicht in den Fokus meiner Terminplanungen und meiner Abläufe schieben, die ich dann schon 2 Monate im Voraus gedanklich plane. Eigentlich mache ich das auch nicht aber ich erwische mich immer mehr, dass diese 3 Monatsuntersuchung mehr Gewichtung bekommt als der andere Teil meines Lebens und das finde ich schade. Außerdem nehme ich mit dem Blick auf die Untersuchung nicht wahr, was mein Körper mir sagt. Dann herrscht nur das Worst Case- Szenario in meinem Kopf und das ruft letzten Endes das Zotteltier mit seinem Rattenschwanz herauf, um mir mächtig Angst zu machen.

Meine Metahasen sind nicht alles- was ich habe, was ich bin und was ich mache.

Schlafprobleme Fati(gue)Wie im Bild mit meiner Fati dehnt sich eine einzelne Situation auf den Rest meines Lebens aus. Das möchte ich nicht, denn im Endeffekt bleibt nichts beständig auch ein Voranschreiten kann wieder still stehen und ein Vorausbibbern kann bei einem Negativ-Befund nur rausgeworfene Energie sein. Ich möchte lieber meine Energie für die schönen Tage verwenden oder für die positiven Umgangsformen, die ich lernen und erarbeiten will. Vielleicht kann ich das jetzt in Angriff nehmen, weil es mir so gut geht und die Therapie so gut verläuft. Ich möchte nicht so leben, dass dieser eine Termin mein Leben von Grund auf wieder verändert und alles was danach kommt sich danach richtet. Das hatte ich mit meiner aller ersten Brustkrebsdiagnose, für meine Metahasen habe ich Plan B und C mindestens fest eingeplant, sollten die benötigt werden.

Meine Metahasen sind nicht alles- was ich habe, was ich bin und was ich mache. Viel mehr möchte ich, dass sich die Termine in mein Alltag so einbringen, dass sie mehr zu einem gewöhnlichen Bestandteil werden.

Das bedeutet für mich auch, dass ich das Zotteltier auch weniger in den positiven Fokus rücke. Keine Daumen drücken vor ab der Untersuchung, welche mir eine übermäßige Wichtigkeit suggeriert. Weil je mehr eine positive Wirkung erhofft wird um so größer der Druck und Wunsch, dass dies auch so passiert und um so größer die Angst dass es nicht so sein wird. Kein großes Feiern, wenn die Ergebnisse kommen und positiv ausfallen. Natürlich ist es wunderprächtig, wenn es stabil ist und nichts wächst doch die Medis sollten ja genau das machen. Und freut sich ein Diabethes 1 Typ jedes mal wenn er sich eine Nadel gesetzt hat, weil er dann nicht mehr stirbt?

Ich weiß noch nicht ob diese Gedanken tatsächlich so für mich passen und ob ich das hinkriege oder wie ich damit umgehe, wenn die Ergebnisse dann da sind. Aber ich probiere es aus. Denn ich finde es auch wichtig in Sachen Krebs und Erkrankung so viel wie möglich positives nach außen zu tragen.

Eure zottelige

Onko!

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2 Antworten zu Und 3-monatlich grüßt das Zotteltier

  1. Mia schreibt:

    Herzlichen Dank für Deinen Text. Ich habe seit 5 Jahren alle drei Monate meinen Check, auf den dann OP und Krankenhaus + Chemo oder eben gar nix und wieder „geschenkte“ drei Monate in Freiheit, folgen. Nichts kann ich planen, keinen Urlaub buchen oder Konzertkarten kaufen. Es ist enorm belastend, dass eigene Leben nur im 3Monatsrythmus planen zu können. Es gibt mir Kraft zu lesen, dass ich nicht allein bin.

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    • onkobitch schreibt:

      Liebe Mia!

      meine Termine für das CT z.B. werden immer in Absprache mit mir abgesprochen, dass heißt auch +-4 Wochen. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, dass du Konzerte etc. einfach legst und die Untersuchung auf zwei Tage danach festlegst. Ich finde auf sowas sollte nicht verzichtet werden. Und zum Spaß des Personals kannst du sogar von erzählen. Ich habe selbst meine Chemo wegen Familienbesuche oder Feiern um einen Tag verschoben gehabt. Ich wünsche dir weiterhin eine gut verlaufende Therapie. Ich hoffe du findest deinen Weg dein Gleichgewicht zu finden! Lg Onko

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