Sturmfrei!

Nun sitze ich hier. Allein Daheim und weiß weder aus noch ein! Meine zweite Hälfte reist gerade beruflich durch Deutschland und überlässt mir noch seine Pflichten: Raubtierfütterung am Morgen und Katzenklo am Abend! Die Euphorie hält sich in Grenzen und nach einer guten Stunde hat sie sich zum Lachen in den Keller begeben.

In meiner Jugend galt Sturmfrei noch als die große Freiheit! Losgelöst von den Eltern rief ich die Feier des Tages aus! Die Wohnung wurde komplett in Beschlag genommen entweder wurden Freunde eingeladen oder die Lieblingsfilme wurden herausgeholt und die Nacht zum Tag gemacht!

Ein Tag Vorher: Während ich mich noch halb hüpfend und seufzend die Hände reibe und mich auf eine Allein Daheim-Situation freue, ahne ich schon, dass die Freude nur von kurzer Dauer sein wird. Denn die volle Wucht meines Bewusstseins, fällt mit Schließen der Wohnungstür von der weichen Decke direkt auf meine Füße.  ICH BIN ALLEIN!  Den Kaffee genießend sitze ich also auf dem Sofa und mir wird bewusst, dass die Haustür sich in den nächsten zwei Tagen nicht von alleine öffnen wird.

Es ist ja nicht so, dass ich nicht mit unserer Katze zurechtkomme oder nicht die Pflichten erfüllen kann (natürlich vergesse ich die Pflanzen zu gießen). Es ist eher so, dass mir die wahre Bedeutung des Sturmfrei bewusst wurde. „STURM“ „FREI!“

Ich weiß nicht woran das liegt aber ich bin ein schlechterer Allein Sein-Mensch geworden. Da sitzt man tagtäglich gemeinsam (wie soll es auch anders sein) in der gemeinsamen Wohnung und verbringt Zeit miteinander. Im Grunde ist es auch ein gutes Zeichen, dass man jemanden braucht, der einfach durch seine Anwesenheit das innere Gleichgewicht aufrecht hält. Im Moment geht es mir so gut, dass ich auch gut mit mir selbst Zeit verbringen kann. Doch es gab Tage, da wüteten die Gedanken wie Wirbelstürme in mir und hinterließen eine Spur der Zerstörung. Ich übertreibe gerade etwas aber bei  Sturmfrei-Tagen vor gut einem Jahr fiel ich in ein persönliches Dilemma, bei dem meine nähere Umgebung: Sofa, Küche, Flur und Wohnzimmer unter meiner Lethargie leiden mussten. Denn dieser Sturm an Gefühlen und Gedanken in meinem Kopf machten mich Kraftlos, Mutlos und ziemlich Müde.

Heute geht es mir zum Glück gut und ich halte es mit mir aus. Ich habe dafür aber auch Termine und Veranstaltungen zu denen ich gehe und ich merke, dass ich ungern so rein gar nichts mache. Das ist für mich immer noch ein Indiz dass Entspannung noch zu meinen selten genutzten Wörtern gehört. Was ich sagen möchte. Mein Freund hat mich durch meine Therapie begleitet und mir mit seiner Art und Präsenz ein Sicherheitsgefühl gegeben, dass sich eben auch auf meine Lebenswelt abfärbt. Ist dieser Mensch erst mal nicht da, dann lebt es sich halb so sicher. Das beeinflusst mich soweit, dass ich den Toaster aus der Steckdose gezogen habe, weil ich Angst hatte das unsere Wohnung ich Rauch aufgeht wenn ich nicht da bin. Der Toaster war die vergangenen Tage immer angeschlossen. (Was ich jetzt nicht beruhigender finde)

Es geht also darum: Auch wenn die Liebsten das Gefühl haben, an der eigenen Therapie nicht viel beitragen zu können, so ist doch das Sicherheitsgefühl, dass sie unbewusst erzeugen ein Grundstein für die Genesung, für das Wohlbefinden und eine Sicherer Hafen den man anfahren kann um den Wirbelstürmen standzuhalten.

Alles Liebe eure Onko!

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3 Antworten zu Sturmfrei!

  1. Lichtbildprophet schreibt:

    Das mit dem Alleinsein ist so ein Spagat: Die Lieben waren/sind da, wollen ihre Zuwendung und doch genieße ich mehr die Zeit ohne sie. Ich habe genug allein zu tun, weiß mich zu beschäftigen und eigentlich schiebe ich so viel ‚kreative Arbeit‘ vor mich her, dass ich ‚Angst habe‘ nie alles zu schaffen. Ein heikles Thema, was mich schon eine Weile antreibt weil ich vermute, damit einige ‚Liebe‘ zu verletzen …

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    • onkobitch schreibt:

      Ja, das mit der Arbeit vor mir her schieben habe ich auch. Manchmal weiß ich gar nicht wo meine Prioritäten sind :’D. Naja. Auf jedenfall merke ich manchmal, dass ich selbst zu kurz komme. :/
      Lg Onko

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  2. Olica schreibt:

    Danke für diesen tollen Blog. Macht weiter so.

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