Alltagsgedanken

UMG-Mensa

Dieses Bild habe ich vor ein paar Wochen geschossen. Es hat mich sofort gefesselt. Nicht nur wegen dem Kontrast, sondern auch weil es meine Art zu leben- oder so wie ich mein Leben wahrnehme- widerspiegelt.

Während ich mein Leben damit verbracht habe in die ungewisse Zukunft zu blicken und zu erahnen was da auf mich zukommt hat mich plötzlich meine Krebserkrankung von den Socken gehauen. Das was ich bisher an Veränderung und Lebenssinn erhofft und gesucht habe lag sozusagen auf einem Scherbenhaufen. Ein Scherbenhaufen voller Lebensplanungen, die im Nachhinein so vorgefertigt und festgelegt erscheinen, dass sie mich zum heutigen Zeitpunkt gefühlt ersticken würden.

Während meiner Onkobitch-Zeit richtete sich mein Blick urplötzlich auf die Gegenwart, auf das was mich hält, mich stärkt, mir gut tut und vor allem auf die Genesung. Ich habe nicht mehr darauf gewartet, dass sich etwas ändert, dass da etwas kommt das mir gut tut. Schlagartig habe ich für mich gelernt nach den guten Dingen zu greifen. Nach den 4 Jahren bekomme ich so langsam Rückblickend mit welche großen Schritte ich gemacht habe. Seit dem liebe ich es auch im Nieselregen zu gehen und ertappe mich, wie ich in mich rein lachen, weil ich mir vorstelle wie ein begossener Pudel irgendwo anzukommen.

Auch die Erfahrungen als Metahasenbändigerin verändert mein Blick auf die Dinge. Am Anfang habe ich dazu geneigt ebenfalls meine Zukunft zu begrenzen, ihr Jahre zu geben. Damit habe ich aufgehört. Ich mag auch nicht das Gefühl haben, dass was noch kommt nicht genug ist, weil ich so jung bin. Wer kann tatsächlich sagen was in 5 Jahren passiert?

In diesem Aspekt ist die Zukunft ungewiss, weil der Teil nicht in unserer Macht steht. Es ist halt wie ein ungeschriebenes Blatt in einem Buch. Der andere Teil ist im Gegenteil sehr gut gestaltbar. Denn meine Zukunft wird das sein, was ich aus dem Heute mache. Das was ich für mich in diesem Moment für morgen entscheide. Wie ich meine kommenden Tage, Wochen und Monate gestalten will wird meinen Weg in die Zukunft ebnen.

Und dann wenn ich in der Gegenwart meiner Zukunft angekommen bin, schaue ich auf das zurück was ich erreicht habe. Und im Moment bringt mir die Erinnerung meiner Errungenschaften ein Lächeln ins Gesicht. Dann lächele ich den dunklen Regenwolken entgegen und hoffe ein paar Tropfen abzubekommen.

Dann stehe ich genau da zwischen Klinikum und Mensa und blicke in das Spiegelbild meiner Vergangenheit und damit verbunden alles was ich bis dahin erreicht habe. Die Kraft, der Mut, die Höhen und Tiefen, die mich ausmachen. Ich weiß das mich trotz der wackeligen Zeiten ich heute mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehe und in eine Zukunft schaue, die ich jetzt so gestalte, dass ich da ankomme wo ich hin will.

Ich habe mich in dieser Hinsicht noch nie so selbstwirksam gefühlt.

Die „Schattenseite“ daran ist, dass ich nicht mehr auf den Hauptwegen gehen kann aber auch nicht will. Während ich also auf den Nebenstraßen über Steine, Baumwurzeln und Erdhügel steige sehe ich andere an mir vorbeiziehen. Ein Leben leben, dass ich mal nicht wollte aber mich dem doch irgendwie beraubt fühle. Doch viel häufiger sehe ich auch deren Schattenseite und freue mich, deren Erfahrungen nicht machen zu müssen. Ich setze mich also immer mal wieder auf eine Bank, lege eine Rast ein und sinniere über meine nächsten Schritte, über die Dinge die ich erleben will. Abseits von Pflichten und vorgelebten Lebensplänen.

 

Liebe Grüße

Eure Onko-Metahasenbändigerin

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