Da brennt die Hütte!

„Befinde ich mich mit einer Krebsdiagnose bzw. Metastasen in einer Ausnahmesituation?“ Diese Frage habe ich gestern auf Twitter gestellt. Ich wollte wissen was die Menschen um mich herum denken und besonders, was ich darüber denke. Ich bedanke mich also vorab bei allen die Abgestimmt haben!

An meiner Umfrage haben 135 Personen teilgenommen. Davon haben 75% für „Ja“, 7% für „Nein“ und 18% für „gelegentlich“ gestimmt. Passt das zu meinen Eindrücken? – Dem gehe ich jetzt auf die Spur!

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Was bedeutet eigentlich Ausnahmesituation?

>Kurz um bedeutet es, in einer schwierigen Situation zu stecken. Oder auch Krisensituation, Notlage sowie recht amüsant- „Da brennt die Hütte“!<

Ich kann für mich ganz genau sagen. Ich zähle mich zu den 18%, die „gelegentlich“ angeklickt haben. Weil meine Lebenswelt sich neu in meine ganz eigene Normalität gewandelt hat und immer wieder tut. In dieser Normalität gehören diese Schwankungen, mein Freund, Ärzte, Untersuchungen, Kunst, Physiotherapien, das Thema Krebs, mein Alltag mit Fati, Bloggen, Selbsthilfegruppen, meine Gedanken, meine Medikamente, Schlechte Filme, Twitter, Kami, Kuchen u.v.m.

Wie das Wort bereits ausdrückt, bezieht sich die Ausnahmesituation auf eine Situation. Das heißt, dass die Frage an sich bereits schon ausschließt, dass ich mich in einem AusnahmeZUSTAND befinde. Die Frage ist aber ob man dies bei einer Diagnose wie Krebs sich bewusst ist oder ganz unbewusst die Ausnahmesituation auf einen Dauerzustand festlegt. Es ist also auch wichtig womit ich mich vergleiche.

Ich lebe jetzt seit 4 Jahren mit der Diagnose Krebs und seit 2 Jahren mit Metahasen. Ich habe in beiden Lebensphasen unterschiedlich lange gebraucht um die Befunde zu verarbeiten. Meine Metahasenkrise hat gut ein halbes Jahr gedauert. Es gibt trotz einiger Krisensituationen auch Gewöhnungsprozesse. In diese Stapfe ich jedes mal, wenn eine Ausnahmesituation für mich eingeordnet ist. Das bedeutet auch, dass ich es gerne vergesse, dass Menschen, die mich gerade kennen lernen oder auf mich stoßen, mit meiner „Ausnahmesituation“ konfrontiert sind, die ich nicht mehr als solche wahrnehme bzw. empfinde.

Denn ich habe gelernt (oder tue es noch), das brennen meiner Hütte in Gefahrenkategorien (GK) einzuordnen.

Meine Knochenmetahasen befinden sich auf der GK 1. Sie sind der „brennbare Laubhaufen“ vor dem Haus. Sie sind da, machen aber keinen Murks und stellen mit der richtigen Behandlung keine Gefahr dar. (An Knochenmetas stirbt man nicht)

GK2 ist das Feuer im Laubhaufen vor der Hütte. Es ist noch klein und beschädigt noch nicht das Haus. Ich kann das Feuer aber schon riechen. Ich suche das Feuer und lösche es. Im Grunde sind es auch die Nebenwirkungen meiner Medis und am Anfang die Knochenschmerzen.

GK3 sind sozusagen meine Lebermetahasen in Aufruhr, der Laubhaufen fängt schon an meine Hütte anzukokeln. Ich lösche also das Feuer mit einem Eimer Wasser und entsorge den Laubhaufen.

GK4 ist schlussendlich die brennende Hütte. Da muss die Feuerwehr anrücken und ich muss evakuiert werden. Da hilft kein Eimer mehr, ich brauche ordentlich Rums hinterm Wasserschlauch.

Aktuell empfinde ich mich zwische GK2 und GK3. Mit der richtigen Medikation kann ich ich meine Lebermetas zurück auf GK1 bringen.

Ich unterscheide also anhand der Größe der Metastasen und der Wachstumsgeschwindigkeit, welche Medikation ich nehme. Und anhand der Wirkung der Medis schätze ich ein wie stark die Hütte brennt. Natürlich macht meine Angst manchmal Unfug und es brennt schlimmer als es eigentlich sollte!

Zusätzlich kommt auch noch mein Blick und meine Bewertung der Dinge. Ich vergleiche mich nicht mehr mit gesunden Menschen. Wenn ich so richtig drüber nachdenke, kenne ich keinen der irgendwie Gesund ist. Und der Vergleich mit meinem früheren Ich… geht gar nicht mehr. Ich habe mich so verändert, (zum Positiven) dass ich gar nicht zurückdenken möchte.

Ich kann mich aber auch nicht mit anderen Kranken vergleichen, weil jede Metahasenträgerin unter ganz andere Bedingungen mit ihnen lebt. Es ist also nur bedingt ratsam das eigene Gefahrenrisiko anhand von anderen Betroffenen einzuordnen. Ich empfinde meine Ausnahmesituation auch anhand meiner zukünftigen Therapiemöglichkeiten. Weiß ich, dass es in der Zukunft immer mal wieder zu einem Wachstum kommt, dann kann ich daran arbeiten, diesen Prozess als Teil meines Lebenslaufes zu sehen. Natürlich werde ich jedesmal in eine Krisensituation geraten und versuchen meine Hütte zu löschen aber ich hoffe und erfahre gerade, dass es immer schneller geht in die vorhandene Ruhe zurückzukehren.

75% Ja. wenn ich mich mit Gesunden Menschen vergleiche dann brenne ich lichterloh, weil Krebs auch Angst macht. Würde ich kurz vor meiner Krebsdiagnose auf meine Hütte schauen, würde es ebenfalls lichterloh brennen. Aber jetzt in diesem Moment spüre ich keinen Unterschied zu der Situation als meine Metahasen schliefen. Also nehme ich zwar den glühenden Laubhaufen wahr aber er tut mir noch nichts.

7% Nein. Im Vergleich zum Auftreten anderer Krebserkrankungen, bin ich keine Seltenheit und ich bin kein Ausnahmefall. Die Wahrnehmung der Krise wird leider durch diese Erkenntnisse nicht geschmälert.

Zu allerletzt: Auch ich habe bei manchen Menschen das Gefühl und den Eindruck, bei denen brennt die Hütte und vielleicht stehen sie genau so da wie ich und würden sagen: „Ja es brennt aber nicht so wie du es siehst.“

 

Ich hoffe ihr konntet mir folgen.

Liebe Grüße eure Metahasenbändigerin

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2 Antworten zu Da brennt die Hütte!

  1. mrsshahbandar schreibt:

    Ich habe Mycosis fungoides im Ekzemstadium. Das ist ein seltener niedrigmaligner Lymphkrebs, der noch nur auf die Haut beschränkt ist. Ausser bestimmte UV Bestrahlungen, bei mir war es UVB 311nm, sowie Cortisoncreme und Tabletten gegen den Juckreiz und das Brennen, gibt es dafür keine Therapie.
    Nach jahrelangen Fehldiagnosen war die Krebsdiagnose sowohl ein Schock, als auch eine Erleichterung. Die erste Zeit war tatsächlich ein Ausnahmezustand. 1 Woche Krankenhaus, um alles in die Wege zu leiten, und dann die Ohnmacht, weil dieser Krebs so wenig erforscht ist.
    Die Anfeindungen anderer Krebspatienten war für mich das Schlimmste. Ich soll mich nicht so anstellen, ich hätte es doch gut getroffen….JA, in der Tat, ich brauche keine Chemo, keine Imuntherapie…..Im Moment nicht, aber es kann kommen, wenn die Lymphknoten befallen sind oder das Blut oder oder oder. Ich habe Krebs, so oder so.
    Jetzt nach fast 1 Jahr, ist es für mich aber keine Ausnahmesituation mehr. Es ist normal. Mein Krebs ist chronisch und wird mein Leben lang bei mir sein. Ich gehe alle 3 Monate zur Blutabnahme und alle 6 Monate zur Sono…wenn nötig gehe ich zur Bestrahlung und treibe den Teufel mit dem Belzebub aus, denn bei der UV Bestrahlung kann es zu Hautkrebs kommen.
    Ich lebe, auch wenn da ab und an heftige Angst in mir ist und mich der Satz der Ärztin: „Sie werden damit und nicht davon sterben“ wenig trösten.
    Nun denn, wir sind uns sicher einig: Krebs ist ein Arschloch und deshalb: STAY STRONG, THINK POSITIV, FUCK CANCER.
    Alles Gute für dich. ❤

    Gefällt 1 Person

    • Das schwierigste ist finde ich, diese Zeit des nicht wissens was man machen soll. Ich kann deine Situation und deinen Frust total nachempfinden. Diese unerforschten Erkrankungen stellen ja ein unbekanntes Risiko dar und wie soll man sich auf alles und nichts vorbereiten. Ich freue mich zu lesen, dass du dich arrangieren konntest 🙂 Danke für dein Kommentar! lg Metahasenbändigerin

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