Im Tal der Metahasen

Ich bin angekommen, unten im Tal der Metahasen. Da wo die zotteligen Viecher ihre Haare verlieren und man selbst, in den dunklen und undurchschaubaren Flusen des Grauens, nicht mehr die eigene Hand vor Augen sieht.

In den vergangenen Wochen ging es mir in der Tat nicht gut, ehrlich gesagt ging es mir richtig schlecht. Das lag an den gefühlt tausend Baustellen am Körper, die weh getan haben. Ich konnte nachts nicht durchschlafen wegen Schmerzen in den Beinen, im Bauch und vor allem wegen Durst und Unterzuckerung. Weil ich auch leider abgenommen habe durch diese permanenten Schmerzen. Ich bin im Beitrag zuvor bereits auf den Ischias eingegangen und auf den Magen. Es ist wahrscheinlich so, dass die Leber schon etwas auf den Magen drückt und somit der Magen an die Rippe drückt und weh tut. Gleichzeitig ist es so, dass ich zum einen durch den Stress einfach meinem Magen richtig knatschig gemacht habe. Das hat zu einer Entzündung geführt. Die Schmerzmedis (das starke Zeug aus der Schmerzambulanz) macht dann zusätzlich noch eine Darmträgheit. Das erzeugt Verstopfung und wenn es „gut“ läuft auch eine Verhärtung des Magens. Ich stehe also morgens immer noch mit einem Ziehen am Magen auf, weil der an die Rippen drückt.

Der Höhepunkt dieser ganzen Angelegenheit erlebte ich, man glaubt es kaum erst vorletzte Woche. Es kommen natürlich mal wieder mehrere Sachen dazu:

1. Am Tag vor der Chemotherapie musste ich nochmal ins CT. Aktuelle Aufnahmen machen. Da ich ein paar Tage zuvor von meiner Onkologin Appetitanregende Medikamente bekommen habe und die nebenwirkungstechnisch Hirn- und Augendruck, so wie Schwindel und Übelkeit erzeugt haben, musste mein Kopf ebenfalls durchleuchtet werden. Ich war also über, über-angespannt und ich befand mich da bereits auf Glatteis.

Am CT- Tag war ich auf dem Weg ins Klinikum bereits Kurzatmig, dank des Magens und meiner Aufregung. Ich habe dann meine Psychoonkologin angesimmst. Ich hatte ja mal die Metapher mit dem brennenden Haus oder dem Laub das Brennt, bei mir brannte mein Haus lichterloh und das Beste wie man es löschen konnte war tatsächlich einfach mal Rotz und Wasser zu heulen. Ich habe lange, lange nicht mehr so viel geweint wie in den vergangenen Tagen. Weil die Eindrücke auf meinem Körper, diese immer neu erscheinenden Symptome und meine noch nicht anlaufende neue Therapie einfach überfordernd waren. Es ist so schwer zuzugestehen, das es gerade sehr schwierig ist und ich einfach nichts gezielt machen kann um Herr meiner Lage zu sein, weil alle Ärzte gerade dabei sind die Lage zu identifizieren. Sich tatsächlich einzugestehen dass ich mich schwach fühle, dass ich jemanden brauche der mir morgens Brot schmiert oder kocht, dass ich gekuschelt werden will oder einfach traurig über die Situation bin.

Wie gut war es, dass meine Onkologin am Tag des CT’s gleich geschrieben hat, dass mein Kopf frei ist :D-

Am Tag der Chemo musste ich auf Station. Das Beste was zu dem Zeitpunkt passieren konnte. Ich konnte mich einfach hinlegen. Verantwortung abgeben und mich betreuen lassen. Fieber messen, Puls, Wohlbefinden abfragen. Natürlich nicht ohne Extraevent. Denn just an dem Tag fing an meine linke Niere rum zu zicken. Warum auch immer. Auf jedenfall wurde sie gecheckt. Sie war leicht gestaut, vielleicht war sie das schon immer glücklicherweise gab es keine Auswirkungen auf den Urin und das Blut. Weh getan hat es trotzdem. (Was aber auch daran liegen konnte, dass die Leber eben auf den Magen und der dann mal auf die Nieren drückt.) Vor allem beim Hinlegen und Atmen, ich hatte enorme Atemschwierigkeiten. Was aber auch durch meinen harten Bauch kam. (Verstopfung u. o.Stress)

Interessanterweise habe ich kurz nach der Chemo und ganz überraschenderweise für meinen Magen voll Appetit und Heißhunger auf Pommes und Nuggets gehabt. :D. Was zum einen ein gutes Zeichen für meinen Wunsch nach der Chemo ist aber auch der Stress, der von mir abfällt.

Die Chemo vertrage ich auch soweit gut! Meine Mundschleimhäute leiden etwas und ich habe trockene Augen am Tag der Chemo. Das geht aber auch recht schnell vorbei. Ein klein wenig Haarausfall habe ich ebenfalls bekommen. Mal schauen wie das wird.

Mit Heute sind gut 14 Tage vergangen und meine Lebenssituation hat sich doch enorm gebessert. Das hat mehrere Gründe:

  1.  Zum einen habe ich meine Therapie begonnen
  2.  Ich habe eine Ernährungsberatung gehabt                    und ausschlaggebend
  3.  Ich habe eine Spezialisierte ambulante Palliativ Versorgung ins Haus geholt. (SAPV)

Die Palliative Versorgung ist tatsächlich eine enorme Erleichterung für mich. Meine Erfahrung bisher ist, dass die Palliativmedizin schnell mit der Sterbebegleitung oder mit dem Ableben in Verbindung gebracht wird. Dem ist nicht so. Leider hält sich das Vorurteil gerne in ländlicheren Regionen und vor allem bei Personen die vom Hören -Sagen Bescheid wissen aber sonst kaum Berührungspunkte in den Bereich haben oder es geht teilweise so weit, dass selbst Pflegedienste in Kleinstädten und Dörfern von einer Palliativen Versorgung abraten, weil damit der Tod in den direkten Fokus gerückt wird. Das kann unter Umständen, tatsächlich zu einer Verschlechterung der Lebensqualität und Lebensdauer führen.

Ich habe also am Tag nach meiner Chemo auch auf Empfehlung meiner Onkologin den Palliativ-dienst mit ins Boot geholt. Von diesem werde ich Schmerztherapeutisch engmaschig innerhalb aber auch außerhalb der Praxiszeiten betreut. Ich fühle mich seit gut 2 Monaten, trotz wunderbarer Kontakte zu meiner Onkologin oder Gynäkologin einfach viel besser aufgefangen, weil ich nicht darüber nachdenken muss, ob meine Symptome nun Notaufnahmebeständig sind, ob die Frauenstation die sinnvollere Wahl ist oder ich auf den nächsten Tag warte und  in die Tagesklinik gehe. Dann folgt die Frage, wie ich überhaupt mit meinen Atemproblemen ins Klinikum komme. Schlimmer wird es dann am Wochenende. Der Druck und die Belastung aktiv etwas Entscheiden zu müssen wann eine Verschlechterung eintritt und wann ich tatsächlich ins KH gehen sollte sind enorm. Dazu kamen auch meine wechselhaften Beschwerden. Am Freitag rief ich also den SAPV an (spezielle ambulante palliative Versorgung) und abends kam bereits der Arzt und hat meine Aufnahme durchgeführt. Ich bekam sofort Notfallmedikamente gegen Übelkeit, Krämpfe, Schmerzen und zur Beruhigung. Meine Schmerzmedikation wurde rauf gesetzt. Meine Nebenmedikamente werden Überprüft und Auswirkungen wie Darmträgheit kontrolliert. Ich hatte am Tag darauf und am Montag weiteren Besuch von zwei Schwestern, die mich Betreuen, meine Ernährung und mein Befinden abfragen. Nebenwirkungen der Medis checken und einfach auch da sind und zuhören. Ich werde sicherlich ein eigenen Post noch zur Palli schreiben. Ich merke schon wie ich langsam immer mehr zur Ruhe komme.

Mein Hunger und mein Appetit setzen wieder ein. Ich kriege wieder Lust zu bloggen, zeichnen und was anderes tun als schlafen.

Ich bin aktuell noch häufig müde und habe tatsächlich Phasen, in denen ich im Sekundenschlaf mit dem Daumen auf dem Smartphone einschlafe. Dann bin ich noch recht langsam unterwegs und habe schlappe Beine. Ich muss wieder langsam Anfangen, mehr essen, mehr bewegen. Aber es geht voran! Ich fange an Mut zu fassen. Denn der Plan steht so langsam.

Liebe Grüße

Eure Metahasenbändigerin

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5 Antworten zu Im Tal der Metahasen

  1. Der Feind in mir schreibt:

    Liebe Metahasenbändigerin, ich hab mir schon Sorgen gemacht, da Du so lang keine Zeichnung mehr gepostet hast. Das klingt ja gruselig, was Du die letzten Wochen durchmachen musstest. Wie gut, dass es jetzt wieder etwas aufwärts geht und Du Hilfe hast! Ganz liebe Grüsse aus Hamburg 🍀

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  2. MaiRose42 schreibt:

    Hallo liebe Metahasenbändigerin 😉
    Seit unserem Treffen in Berlin war sehr ruhig im dich geworden. Habe mir viele Gedanken und Sorgen gemacht. Es ist schön von dir zu lesen. Schwierige Zeiten hast du hinter dir und auch noch vor dir. Freue mich aber zu lesen, dass du Hilfe hast. Du scheinst ein gutes Netz um dich herum zu haben. Kleine Schritte machen, kleine ziele setzen. Es geht aufwärts.
    Liebe Grüße
    Mary 🌹

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    • Liebe Mary, Ja in Berlin hat sich so manches schon angekündigt und ein paar Tage später ging es so richtig los. Ich hätte liebend gern zur aktuellen Zeit vom Treffen berichtet, aber das kann ich ja zum Glück nachholen. Ich freue mich wieder schreiben zu können und zu wollen.

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  3. fraggle schreibt:

    Ich habe an dieser Stelle ja schon verhältnismäßig lange nichts gesagt, ähm, geschrieben, dennoch: Ich wünsche Dir, dass der zuletzt augenscheinlich positive Trend sich weiter fortsetzt!

    Oh, und: Hier wird nicht über den rückständigen, ländlichen Raum geschimpft – ich komme aus selbigem! 😉 Dass mir Deine Informationen zur Palliativmedizin tatsächlich neu waren, bestätigt Deinen Eindruck zwar, aber dennoch … 😉

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