Zwischen klarem Verstand und getrübten Herzen

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Ich habe da Etwas in mir, an schlechten Tagen wächst es auf eine unbeschreibliche Größe an. Es verschlingt alles an Glück, Hoffnung und Zuversicht, dass sich in mir und um mir herum befindet. Es ist so gefräßig, dass es gefühlt auch die Farben und die Freude in genussvollen Schmatzgeräuschen aufsaugt.

Passend zur Blogparade von Lebenlang möchte ich diesen Beitrag der Reihe „Ich hab was gegen die Angst“ widmen. Künstlerisch und natürlich auch Thematisch in meine Gedanken blicken lassen.

Ich habe Angst. Todesangst. Im Grunde aktuell noch gar nicht den Umständen entsprechend aber das ist meiner Angst so was von scheiß egal. Sie frisst auch meine Wut, die ich so gerne hätte. Denn immer dann, wenn meine Angst auftaucht kommt die Trauer und spült alles weg. Verhindert, dass ich aufmüpfig werden könnte. Es macht mein Herz schwer meine Augen rot und meinen Körper müde. Meine Angst demotiviert mich mal mehr mal weniger die Dinge zu tun, die ich so gerne getan habe. Weil, sie meinen Fokus auf das lenkt, was viel spannender ist und die wirklich bedeutende Frage (auf der es keine Antwort gibt) ist: Werde ich nächstes Jahr noch am Leben sein?

20190925_000229Das Fragt mich meine Angst jedes mal wenn sie da ist. Dann sitzt sie auf meiner Brust und drückt mich in die weiche Decke bis ich nicht mehr atmen kann und meine Tränen aus den Augenwinkel in meine Ohren tropfen!! Und da gehören warme salzige Tropfen einfach nicht hin, denn irgendwann kühlen sie ab und fließen noch tiefer hinein um dort dann echt eklich! unangenehm zu kitzeln… Zum Glück kann ich spätestens hier wieder lachen! *Theatralisches Augenverdrehgeräusch*

20190925_000329Was ich ebenfalls schwierig finde: ich vergesse im Hier und Jetzt zu leben. Ich habe Angst vor der Zukunft, Angst nicht den nächsten Schritt in eine neue Stadt machen zu können (der erst in 3 Monaten kommt). Angst davor nicht die Dinge zu tun auf die ich so sehnsüchtig warte zu tun (die in mindesten 4 Monaten passieren). Vielleicht merkt ihr es ja wie ich gerade.. ich schiebe mein Leben auf morgen, weil es da weitergehen soll. Vielleicht ist es gar nicht die Angst vor dem Sterben eher die Angst vor dem Verlust nicht daran teilzuhaben oder beides!? Während jeder einzelne mich verliert…verliere ich alle/s was/die ich kenne. Das Leben ist so viel… so viel was man nicht mehr hat.

Tatsächlich ist es ein komisches Gefühl… Ich habe das Gefühl, dass alles um mich herum vergänglich ist. Das alles durch meine Hände rinnt obwohl ich es bin die irgendwann und ich hoffe (auch wenn ich Heute ein Problem mit Hoffnung, Mut und Zuversicht hab) das wird noch ein paar Jährchen dauern. Es ist schwierig für mich, mich mit dieser Situation zu arrangieren. Das nennt man dann auch eine Anpassungsstörung?! Nicht schön, ich würde gerne meinen Ist- Zustand sehen und mehr damit machen. Aber die Gedanken ziehen mich immer mal wieder zurück in diesen Sog. So langsam weniger, weil ich offen darüber rede. Leider kommt meine Angst häufig dann, wenn mein Körper durch Nebenwirkungen und Symptomen erschöpft ist. Das ist anstrengend. Darüber rede ich mit meinem Freund und mit meiner Psych und später noch mit dem Hospizdienst.

Es ist auf jedenfall auch schwer zuzugeben, dass ich einfach auch unendlich wütend und undankbar bin, für diese Scheiße in der ich Stecke. Am Liebsten hätte ich es nicht so wie jetzt, eher wie vorher und bleibend. Es ist nicht so und im Moment läuft meine Therapie, die eine Wirkung hat und ich hoffe die wirkt so wie sie soll bei mir. Es ist alles offen (was ein grausiger Zustand ist) und wenn hätte ich bestimmt noch eine andere Möglichkeit… aber eine Medikation weniger ist eine weniger, sollte sie nicht wirken.

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Aber nichts desto trotz und dies schreibe ich nun einen Tag später, weil es mir heute wirklich richtig gut geht. Das dieser Beitrag ein Teil meines Lebens ist und ich ihn aber nicht als mein ganzen Teil betrachten möchte. Mir geht es tatsächlich heute besser, weil ich vermute diesen Beitrag geschrieben zu haben. Ich glaube ein Tag nach diesem Post, dass der Mut darin besteht seine Träume nicht auf morgen zu schieben, sondern heute anzupacken, so dass der Weg zum morgen erfüllt ist. Es ist schwierig, weil die Angst, die Trauer, die Wut immer mitschwingt, genauso wie die Hoffnung, die Lebensfreude und das was man am Leben festhalten will. Es rotiert in meinem Kopf, wie ich meinem Mut mehr Feuer geben kann, wie ich meiner Angst einen Platz geben und vom anderen Positiven Dingem zehren kann.

Also- Work in Prozess! 😀

Alles liebe eure Onko, die Metahasenbändigerin 🙂

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2 Antworten zu Zwischen klarem Verstand und getrübten Herzen

  1. Der Feind in mir schreibt:

    ❤️ ich kann Dich gut verstehen; tückisch, dass der Krebs seine grosse Schwester, die Angst, unweigerlich mitbringt. Sachlich gesehen (das fällt allerdings schwer in der Umsetzung): das Morgen wird kommen (egal wie es aussehen mag), ob Du Angst hast oder auch nicht. Also bräuchte man die Angst gar nicht, da sie uns die Freude am Leben im Hier und Jetzt nimmt. 🤔

    Gefällt 3 Personen

  2. Anna schreibt:

    Ich möchte dich tausendfach umarmen. Ich will dir die Angst nehmen und sie zum Mond schießen. Aber diese Todesangst ist uns allen ein Begleiter. Ich kenne sie auch. Es wäre schön, wenn ich mich damit abfinden könnte das alles vergänglich ist. Aber ich wehre mich dagegen. So bockig bin ich und so bockig bist du wohl auch.
    Ich hab auch Flugangst. Immer bevor ich fliege schließe ich mit meinem Leben ab. Aber ich sorge immer auch dafür, dass ich nach dem Flug einen Termin habe. Irgendwas, ob zum Zahnarzt oder eine Freundin besuchen. Es gibt diesen Spruch „Life is what Happens while you’re making plans.“ Ich glaube das nicht. Das Leben ist das, was passiert, wenn du Pläne hast. Und du hast Pläne! Leipzig, WGT, weitere Comics! So lange du weiter planst geht es weiter. (Man darf halt nicht *nur* Pläne machen). Und dann darf man auch bockig sein und der Angst die Hörner zeigen.
    Liebe Grüße,
    Deine Muthasenstreichlerin

    Gefällt 2 Personen

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