Der Mann an meiner Seite…

…ist mein Ruhepol, Muntermacher, Lebensgeister-Wecker, Freudenretter, Mutmacher, Witzemacher, Zuhörer, Erzähler und Erklärer. Er ist mehr als das und macht auch mehr als das. So wie ich auch ein Stück, Mutmacher, Kräftegeber, Halteseil und Freudenbringer für ihn bin.

Seit meiner Diagnose 2015 gehe ich nicht allein durch die Erkrankung auch wenn ich bisher recht wenig über meine zweite Hälfte geschrieben habe. Die Auseinandersetzung mit mir und meinen Veränderungen war zu der Zeit immer sehr präsent und mussten einfach hinaus geschrieben werden. Selbst in dieser Zeit hat mich mein Freund immer sehr unterstützt.

Er war zu meinen Untersuchungen dabei, zu meinen Chemos, den wichtigen Arztgesprächen um immer auf dem selben Stand zu sein wie ich. Das hat uns damals, so wie auch heute, sehr geholfen. Die Zeit in der meine Erkrankung noch kurativ oder heilbar war, war für uns gut bewältbar. Ich hatte noch viel Elan, viel Lebensmut, vieles war voller Pläne und ich habe mich maßlos übernommen*.

Mit der Diagnose der Metahasen sah und sieht nun alles irgendwie anders aus. Auch am Anfang war es anders. als bei meinem zweiten Progress vor einem guten halben Jahr. Unsere Beziehung ist daran noch mehr zusammen gewachsen.

Weil es darauf ankommt, den anderen wirklich an seinem Befinden teilhaben zu lassen. Ihn nicht in Unwissenheit oder Unsicherheit schwimmen zu lassen. Ich kann ihm sagen wann ich meine Tüddelzeit brauche und er mich Verwöhnen darf. Er nimmt meine Ängste ernst und hilft mir sie zu verstehen, sie einzuordnen und dagegen etwas zu tun. Denn die Ängste sind manchmal größer als sie tatsächlich sein müssten. Aber das zu überblicken fällt mir manchmal schwer. Um so glücklicher bin ich, wenn ich von Ihnen erzählen kann und er mir zu hört und mir entgegen redet. Wenn er mir immer wieder hilft, die Schritte und die Verbesserungen aufzuzählen, die ich vergesse. Gleichzeitig fordert er mich auch, lässt mich nur ungern lange in meiner Schonhaltung ruhen. Wofür ich sehr dankbar bin.

Er gibt mir Hilfestellungen, wenn ich zu Hause Yoga mache und geht mit mir spazieren. Im Schneckentempo durch die Nachbarschaft. Er bringt mir das Essen und kauft ein wenn ich nicht kann. Seine Arbeit hat er auf eine halbe Stelle reduziert. Ich bin so dankbar dafür, dass er sehr oft während meiner anstrengenden Chemozeiten einfach mit auf dem Sofa sitzt und am PC arbeitet oder er für mich da sein kann.

Ich bin so unendlich dankbar auch in Zeiten, in denen man sich weniger toll anfühlt und auch weniger toll aussieht geliebt zu werden. So wie man ist. Sich behütet fühlt körperlich, sinnlich, sich angenehm anfühlt. Auch wenn ich mich gerade nicht gerne im Spiegel anschaue.

Er gibt mir auch Mut an ein Morgen zu denken. Den Umzug nach Leipzig einfach umzusetzen, nicht auf das Morgen zu warten und dann zu handeln. Er sucht nach Wohnungen und ist mein Auge und mein Ohr. Ich sage ihm, was ich von den Wohnungen per Anzeige finde und ich vertraue ihm 100 prozentig das zu finden was uns beide glücklich macht.

Ich versuche in der Zeit, in der ich scheinbar viel von ihm forder auch was zurückzugeben. Sicherheit, dass er genau das richtige macht. Das es gut tut, wie er mir hilft, dass er kein Ballast ist. Das ich ihn Liebe und Dankbar bin. Das ich Wertschätze was er für mich tut. Ich höre ihm zu, wenn es ihm schlecht geht. Offenheit ist so immens wichtig um nicht aneinander vorbei zu leben. Sich in Schonhaltungen zu begeben und den Anderen mit seinen Nöten allein zu lassen. Ich möchte auch für ihn da sein, halt geben,  und  für meinen Partner da sein. Nicht gleichwertig, anders auf meine Weise. Das bedeutet Mut, das braucht Kraft und manchmal muss man es auf gute Tage verschieben. Es ist aber immens wichtig, denn wir sind beide zerbrechlich. Da ist kein Fels in der Brandung, der nicht irgendwann vom Wasser abgetragen ist. Auch mein Freund steht mit einer immensen Belastung durch die Erkrankung da. Nicht durch mich, sondern die Umstände die Entstehen, die mich/uns da hinein katapultieren.

Die Energie, die wir in unsere Beziehung stecken bei dem jeder seinen eigenen Platz hat aber immer mit einem stetige Blick aufeinander, ist das was uns zusammen schweißt. Dazu kommt noch der Blick aus der Gewohnheit und über den Tellerrand hinaus, die Offenheit und die verändernden Prioritäten welche uns das ermöglicht.

Mein Lieber, ich liebe dich von ganzen Herzen.

Deine Kathrin

 

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2 Antworten zu Der Mann an meiner Seite…

  1. Monika schreibt:

    Wie schön, einen solchen Wegbegleiter an seiner Seite zu wissen… beiderseits… liebste Grüße hamoni

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