Alles anders, alles konfus

Das ich ausgerechnet und auch so plötzlich in diese Lage gekommen bin, damit habe ich geschweige denn, mein Partner nicht gerechnet. Meine Therapie schlug richtig gut an. Leider hatte die Leber dann doch einen anderen Plan.

Wie ist das, wenn man plötzlich weiß, dass das Leben eher auf kürzerer Sicht zu Ende geht?

Die Emotionen schlagen Purzelbäume. Ich habe die vergangenen Tage vielen Menschen aufwiedersehen gesagt und plötzlich wirkt die Therapie sehr gut und mir werden noch ein paar Tage oder Wochen gegönnt. Ich habe mich dann tatsächlich gefragt, warum ich jetzt schon meiner Familie Lebewohl gesagt hab, denn ich bin in meiner Situation stabil aber auch nicht gesund. Was heißt, dass es genauso schnell wieder kippen kann. Nächste Woche werden wir mit dem Wünschebus nach Usedom fahren. Ich freue mich schon sehr.

Wenn jemand stirbt, dann fühlt man Mitleid und man vermisst die Person. Doch wie ist es für mich als die jenige die stirbt?

Ich verliere alles was ich habe und alle anderen nur mich. Manchmal ist es kaum auszuhalten zu wissen, dass ich in diesem Leben nie wieder meine Comics malen kann. Meine Musik liegt im Regal und wird ohne mich mit meinem Freund den Umzug nach Leipzig machen. Ich werde nie meine Katze streicheln können und auch nicht mit meinem Freund auf dem Sofa lümmeln. Snooker wird nicht mehr meine lieblings Sendung sein, denn ich kann schlechtweg den TV mit in die Urne nehmen.

Darüber bin ich sehr traurig. Mein Verlust hat keine Grenzen, denn alles bleibt nur ich nicht. Es ist ein komisches Gefühl. Ich weiß jetzt auch, dass mein Ende aktuell noch nicht gekommen ist. Aber ich weiß auch nicht ganz wann er kommt. Im Grunde ist es unwichtig, denn ich muss jeden Tag so nehmen, als wäre es der letzte.

Es ist als würde ich über eine Schneide balancieren. An manchen Tagen schaffe ich es, alles um mich herum zu vergessen, einfach zu Leben und an anderen Tagen blubbert alles hoch. Die Gefühle fahren Achterbahn. Ich bin dabei mein Leben revue passieren zu lassen, die schönsten Erlebnisse hervorzuheben und das Glück zu spüren, welch tolles Leben ich hatte.

Und dann kommt ihr und meine Freunde. Ihr helft mir mit den Dingen abzuschließen und das Positive zu erhalten. Ich bekomme Bilder gewidmet von vielen aus twitter. Das macht mich so glücklich und dankbar. Ich merke, dass meine Spuren so weitläufig sind, dass ich nie vergessen werde. Und doch bin ich traurig, weil ich es mitbekommen werde.

Ich freue mich auf jedenfall, das mein Freund alle meine Sachen erstmal mitnimmt. „Mich“ mitnimmt.

Ehrlich gesagt bin ich auch ein Hauch neugierig. Ich habe keine Schmerzen und lebe soweit ganz gut. Bald komme ich auch ins Hospiz. Ich freue mich über die Ruhe und die Erfahrungen dort.

Bis dahin koste ich das Leben aus und mein Freund steht 100% hinter mir. Danke mein Schatz für die wundervollen Jahre.

Wir haben tatsächlich schon ein Ritual ausgedacht um mich dahin gleiten zu lassen. Ich persönlich halte wenig von „Loslassen“, denn dann habe ich Angst mich zu verliereren. Festhalten gibt Sicherheit.

Eure gedankenvolle- quietschgelbe Onko

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7 Antworten zu Alles anders, alles konfus

  1. Uli schreibt:

    Du bist wunderbar stark dabei. Und in Dir drinnen sicher nicht wirklich so. Niemand von aussen kann das sicher auch nur ansatzweise nachfühlen, was Du zur Zeit erlebst. Aber wir können bei Dir sein und Dich halten, so gut wir es eben können. Fühl Dich gedrückt.

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  2. Katrin Harzbecher schreibt:

    Ich danke dir sehr für deine Wort. Mein Sohn hatte damals nach dem Tod seines Vaters aufgeschrieben, was er an seinem letzten Tag gedacht und gefühlt haben möge. Das war sehr berührend. Jetzt darf ich deine Gedanken lesen. Ich bin dir so dankbar.
    Ich wünsche dir alles Liebe und Gute.
    Katrin aus Leipzig

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  3. Susanne schreibt:

    Da sagst du was Wahres – loslassen – ein fürchterliches Wort in dem Zusammenhang. Ob festhalten das Richtige ist weiß ich nicht, vielleicht macht es alles leichter, vielleicht aber auch schwerer.

    Ich persönlich tendiere zu „zulassen“. Aber da denkt wohl jeder anders darüber.

    Du bist ein wundervoller Mensch ob quietschgelb oder sonst irgendwie farbig. Meine Gedanken sind bei dir und ich wünsche dir eine weiterhin stabile Zeit und viele positive Momente!

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  4. Alexander Gaus schreibt:

    Puh, danke. Als mein bester Freund vor einigen Jahren an Krebs starb, habe ich ihn zwar immer gefragt, wie es ihm geht, ich habe es aber versäumt, ihn zu fragen, wie er sich fühlt bis es zu spät war. Danke für deine Einsicht.
    Ich werde sicher oft an diesen Text denken.
    Alexandee

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  5. totallygamergirl schreibt:

    Via Twitter bin ich zufällig über dich und deinen Blog hier gestolpert. Auch wenn wir uns persönlich nicht kennen, hat mich deine Geschichte tief berührt. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und drücke fest die Daumen, das du noch einige wunderschöne Tage verbringen kannst.

    Wir sind fast im selben Alter und es fällt mir schwer vorzustellen, was du in diesem jungen Leben schon alles hinter dir hast. Dennoch kann ich es zumindest ein Stück weit nachvollziehen, da ich selbst eine lange Krankheit hinter mir habe, bzw. noch mit den letzten Ausläufern kämpfe. Dieses bangen, dass das nächste Kippen nicht kommt, ist auch mir nicht fremd. Daher hoffe ich, dieser Zeitpunkt kommt für dich noch nicht so bald.

    Hab vielen Dank für deinen Mut und deine Freude, die du andere durch deine Worte spüren lässt. Ein Dank auch an deinen Freund, der dir in dieser zweifelsohne schweren Zeit zur Seite steht und diesen Weg mit dir geht. Bleibt weiter so stark.

    Alles Liebe
    Christine

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  6. Diagnose Leben schreibt:

    Danke für deine ehrlichen Worte. Ich wünsche mir, dass du noch viele schöne Stunden haben wirst. Vielleicht brauchst du da oben keinen Fernseher, denn wenn du von oben alles beobachten kannst, ist das nicht schon genug Fernsehen? 😉 Ich drücke dich aus der Ferne.

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  7. Andrea Voß schreibt:

    Hat dies auf Andrea Voß rebloggt und kommentierte:
    Liebe Kathrin, ich wünsche Dir eine gute Reise über die Regenbogenbrücke. Du fehlst. RIP.

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