Trauer – das Karussell im Kopf

Eigentlich wollte ich schon länger einen ganz anderen Artikel schreiben, doch Trauer ist ist ein sehr verwirrender Zustand. Die Stimmung ist ständig im Wechsel und das raubt vor allem Zeit und Kraft. Ein Focus ist da schwer zu finden, daher werden ich zunächst diese Gedanken los.

traurige, weinende Figur

Ja, die Traurigkeit kommt oft genug vor, doch ebenso sind es angenehme Gedanken, die schönen Erinnerungen, dass Schwärmen für sie. Diese Gedanken kommen spontan, lenken von allen anderen Dingen des Alltags ab. Im Grunde sehr schön, aber manchmal eben auch ungelegen.

verliebt schauende Figur

 

 

 

 

Ebenso ist es diese Leere, dass Nicht-Verstehen das sie nicht mehr „da“ ist. Ich vermeide dabei die Formulierung „sie verloren zu haben“. Verlieren setzt voraus, wird nur lang und gründlich genug gesucht, bestünde die Hoffnung wieder zu finden. Jemanden „verloren zu haben“ umgeht sprachlich das Unausweichliche, dass Unabänderliche. Das mag als Selbstschutz bei manchen Funktionieren, bei jedoch nicht. Onko ist tot, doch begreifen kann ich es noch immer nicht.

verwirrte, leer blickene Figur

Natürlich sind da auch die Momente, in denen ich nach vorn Blicke, Momente der Klarheit. Auch wenn ich nicht verstanden habe was es bedeutet, wenn sie nicht mehr „da“ ist, so verstehe ich (in diesen Momenten) was als nächstes auf mich zu kommt, wie ich was arrangieren muss um weiter durchs Leben zu gehen.

Und dann ist da das Gefühl neuer Stärke, an der Erfahrung selbst gewachsen zu sein. Nicht aus eigener Kraft, sondern dank professioneller, psychologischer Hilfe. Mir half und hilft es, da nicht allein durch die Trauer gehen zu müssen und sehe es an Reaktionen anderer, dass ich mich ganz gut mache. Natürlich ist die Zeit davor, die vielen Gespräche mit Onko über da Thema Tod, ein gutes Fundament.

superhelden Figur

Vor Allem lerne ich mit der Zeit dazu, was mir gut tut, was mir hilft- und womit ich nichts anfangen kann.

Alles braucht seine Zeit“ ist so ein Satz – und ich merke, auch wenn er Ruhe und Geduld vermitteln soll, er hilft mir nicht. Eher im Gegenteil, ich bin nicht Ungeduldig, ich erwarte nicht das „demnächst“ wieder alles normal sein soll. Ich habe gelernt, dass diese Erfahrung mich mein Leben lang begleiten, meine Persönlichkeit formen wird.

Manchmal schreiben mir auch Menschen schöne Gedichte & Zitate über Tod & Vergänglichkeit – auch damit, so habe ich mit der Weile über mich gelernt, kann ich nichts anfangen. Sie haben auf mich tatsächlich den gegenteiligen Effekt. Für mich romantisiert so etwas den Tod, nehmen ihm das Normale, rücken den Tod ins Abstrakte. Das erschwert es für mich nur noch mehr, denn es vermeidet das direkte Ansprechen, womit letztendlich Sterben & Tod wieder zum Tabuthema werden.

Was mir tatsächlich viel mehr hilft sind einerseits, über Alltagsdinge zu sprechen, über andere Probleme zu sprechen. Themen und Probleme Anderer zuzuhören. Ja, selbst über da Thema Trauer, Sterben und Tod kann ich reden, kann ich Witze machen. Wenn ich jemanden zum Zuhören brauche, ist meine Stimmung auch eine andere.

All diese Gefühle, Traurigkeit, Schwärmen, Ratlosigkeit, Klarheit und Stärke, können sich selbst am selben Tag abwechseln. Hinzu kommt all das neu gelernte, dass es erst einmal zu verstehen UND kommunizieren gilt.

Das zehrt an den Kräften, womit für mich Trauer vor allem eines bedeutet – Erschöpfung.

müde, schlafende Figur. Auf dem Rücken liegt eine Katze. Fati schaut durchs Fenster hinein

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7 Antworten zu Trauer – das Karussell im Kopf

  1. Uli schreibt:

    Wahre Worte, die ich nur allzu gut verstehen und nachvollziehen kann.
    Fühle Dich bitte gedrückt.
    🤗🤗

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  2. Sandra schreibt:

    Danke, dass du deine Gedanken mit uns teilst.

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  3. Manuela schreibt:

    Hallo, ich verstehe Dich total.
    Ich bin in einer ähnlichen Situation. Ich habe meinen Mann vor 3 Monaten durch Krebs verloren.
    Auch ich fühle mich erschöpft obwohl ich mich inzwischen mit der Situation “ arrangiert“ habe.
    Ich stimme Dir zu, dass reden über Alltagsdingen und Probleme oder Situationen anderer mir es erleichtert.
    Was mir jedoch am meisten zu schaffen macht, ist, dass ich keine Ruhe IN mir finde.
    Ich bin nicht in der Lage mich länger mit mir selber zu beschäftigen. Ich renne im Grunde vor mir selber weg, indem ich jede nur mögliche Ablenkung nutze und mich dabei dann trotzdem nicht wohl fühle.

    Auch dieses Begreifen das er nicht mehr „da“ ist, kann ich noch immer nicht akzeptieren. Dieses „nie wieder“ ist so was von kräfteraubend….
    Ich fühle mit Dir.

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  4. BB schreibt:

    Ich bin im dritten Jahr und es geht mir gut. Aber mein Herz hat immer noch eine ganz weiche Stelle für ihn. Es bestärkt mich, zu wissen, dass wir eins waren.

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  5. ancy schreibt:

    Hi,
    auch mir hilft der Alltag, meine Kinder, generell Aktivismus, um durch „Krisenmomente“ zu kommen.
    Doch zwischendurch blinzeln die Augenblicke des Erinnerns.
    So Einige sind schon vor mir aus dem Leben getreten. Einmal im Karussell „Krebs“ eingestiegen, so begleitet es einen in verschiedenen Facetten weiter…nicht immer unbedingt negativ.
    Ich denke an Sie und frage mich manchmal, warum ich hier noch stehe. Ich denke an den Geburtstag einer befreundeten Survivor(in), die mich schon auf vielen Wegen begleitete, so auch u.a. zur Gedenkfeier nach Greifswald…
    Auf einer Familienfeier treffe ich Verwandte. Wir sprechen fast nebenbei über meine Großmutter (Alterskrebs), mein Kind (chronischer Tumor), meine Wenigkeit (ALL im Kindesalter), seine Mutter und ihre Freundin (Brustkrebs)… und da ist er wieder; der kleine Gedankenblitz zu meiner Freundin (Brustkrebs).
    Aber es wäre falsch sie darauf runter zu reduzieren. Sie ist mehr gewesen, sie war meine Studienfreunde, Vertraute. Wir haben geweint, geteilt, gelacht.
    Trotz allem ist sie immer Stehaufmännchen gewesen, eine starke Frau, eine tolle, außergewöhnliche Persönlichkeit.
    Trotz allem ließen wir uns nie eines nehmen: Die Lust am Leben. Dann eben evtl. anders. Immer komme ich trotz allen Leids und Traurigkeit auf den einen Punkt: Auch wenn unsereins manchmal akzeptieren muss, vor allem doch und dennoch bringt nichts den Kopf hängen zu lassen.
    Mir helfen Kraftquellen; meine Familie, Garten/Natur 🐛🧚🏼‍♀️🦋, kleine Ausflüge, Arbeit, Ehrenamt,… 🍀🐞
    Lieber Blogger, Dir alles Gute! ♥️

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  6. Hovi schreibt:

    Ich bewundere wie du schreibst. Danke, das du das tust und danke, dass du das alles mit der Welt teils.

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  7. Hovi schreibt:

    Hat dies auf Hovedkriger rebloggt und kommentierte:
    Ich selbst kann nicht einmal darüber nachdenken, ohne das mein Angst vor Todd zur Angst vor der Angst wird. Auch jetzt sitzt schon gleich wieder ein dickes, schweres Wesen auf meiner Brust und raubt mir den Atem. Ich kann mit Todd nicht umgehen.

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