Liebe, Wertschätzung, Ersatz?!

Dieser Eintrag wird diesmal eventuell ein bisschen cheesy. Es sind diese Art von Gedanken die einem plötzlich spontan kommen und erst dann wieder in Ruhe lassen, wenn niedergeschrieben. Es sind die erstbesten Gedanken die sich später nicht mehr wirklich sinvoll zu einem Text zusammenfügen und es war auch nicht als Thema geplant (selbst der Titel macht mir Probleme), also –  raus damit, dann ist der Kopf wieder frei.

Onko und ich waren sehr lange ein Paar, haben viel an uns gearbeitet. Wir hatten unsere gemeinsamen wie auch ganz eigenen Welten. Zusammen haben wir sehr viel geteilt und aufgebaut, dazu zählen z.B. das Blog oder unsere Arbeit in der Selbsthilfe. Nun, wo sie tot ist, setze ich die Arbeit fort, da all die Themen zu wertvoll sind um sie liegen zu lassen.

Die Liebe bleibt

Mit der Diagnose, ja jeder neuen Diagnose wuchsen wir als Paar ein Stück weiter zusammen. Wir haben gemerkt wie gut wir aufeinander eingestellt sind oder, wenn nicht, dass wir darüber reden konnten wie wir besser aufeinander achten. Die Liebe zu ihr bleibt, aber das „wie“ ändert sich natürlich- und irgendwie scheint dies gar nicht so selbstverständlich.

Die Aussenwirkung

… kann dann zum Problem werden. Wenn ich Zeit in die Projekte in ihrem Namen stecke und Erinnerungen teile, könnte es so wirken also suchte ich einen „Ersatz“. Das ist natürlich Unfug, so etwas soll aber angeblich vorkommen.

Doch darum geht es nicht, es geht um Wertschätzung.

Ich schreibe „angeblich“, denn die Frage ist doch, kommt der Wunsch nach „Ersatz“ von der betroffenen Person selbst? Hat die Person das genau so gesagt oder als Wunsch (in welcher Situation) geäußert? Viel mehr wird dies von Aussenstehenden angedichtet, weil sie einem ja „kennen“. Ganz so, als wäre der Tod ein „casual event“ der einem nicht nennenswert verändert- und immer mal wieder vorkommt, daher ist ja bekannt wie das so läuft mit der Suche nach dem „Ersatz“. Und selbt wenn es Ähnlichkeiten mit vorherigen Beziehugen gibt, warum wird dies als „Ersatz“, und nicht etwas Neuem gesehen?

Wahrscheinlich liegt es aber zum Teil auch an unserer Trauerkultur, die wirklich nicht die Beste ist. Sie ist Rückwärtsgewandt, stellt den Verlust in den Fokus, daher ist es wohl verständlich das hieraus der Wunsch (als Fremdzuschreibung) nach „Ersatz“ abgeleitet wird. Ebenso, dass es eher vermieden wird mit Hinterbliebenen generell über das Thema Tod, oder im Speziellen, einer Beziehung, sei es die Vergangene oder in dem Kontext, wie eine Zukünftige aussehen soll, geredet wird.

Spoiler, es wird genau so unbekannt wie jede neue Beziehung auch. Und wie jede neue Beziehung, werden Erfahrungen der Vergangenheit mitgetragen. Zugegeben, ich kann mir im Moment keine Beziehung vorstellen (lege es auch nicht darauf an), doch wenn ich es als Gedankenspiel versuche, kommt es mir nicht in den Sinn nach einer zweiten „Onko“ zu schauen. Vielleicht liegt dies auch daran, dass wir viele gemeinsame, wie auch ganz eigenen Interessen verfolg haben und nie (übertrieben ausgedrückt) als „untrennbares Paar“ wirklich „alles“ zusammen machten. Natürlich auch, weil ich lerne mich auf die Zukunft zu fokussieren, die Vergangenheit mit zu nehmen, anstelle in ihr zu verharren.

So bleibt zu sagen, es ist kein Klammern an die Vergangenheit, wenn ein verstorbener Mensch noch immer eine Bedeutung im Leben hat, denn es ist nicht mehr dieselbe Rolle wie zuvor. Liebe, ja- aber eben auf eine anderen Art und Weise (wenn der Blick in die Zukunft gerichtet ist) und in einer Beziehung damit auch keine „Konkurrenz“.

Und damit ist der Kopf wieder frei 🙂

(und ja, der Text könnte auch generell zum Thema Beziehung taugen, nur bei Verstorbenen scheint das besonders hartnäckig)

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3 Antworten zu Liebe, Wertschätzung, Ersatz?!

  1. monsieurquirit schreibt:

    Mir ist vor kurzem klar geworden dass eine große Ruhe einkehrt wenn man feststellt dass die Freude über das Vergangene die Trauer um das Verlorene übersteigt.
    Verständnis dafür darf man nicht erwarten. Für einen selber ist es ein großer Schatz!

    Gefällt 2 Personen

  2. Ancy schreibt:

    Alles was Freude macht, ist es Wert. Es würde Sie bestimmt freuen, wenn sie sieht, wieviel Energie Du noch in Ihre „Projekte“ steckst und wieviel Wertschätzung.
    Dennoch dürfte Dir keiner böse sein, wenn Du Dein Leben fortan und weiter lebst, auch mit neuer Partnerin an Deiner Seite, wenn die Zeit dazu reif ist.
    Gerade, weil Du und Dich mit so einer Intensität um K auch gekümmert hast !
    Ihr habt Euch dieses bescheidene Krankheit und das damit verbundene Leben nicht ausgesucht.
    Ich müsste auch viele Dinge über Bord werfen, die ich tue, die ich vielleicht nur K‘s wegen mal begonnen oder in Betracht gezogen habe.
    „Mach Dein [Ihr] Ding, egal, was die andern sagen…!“ LG

    Gefällt 1 Person

  3. iausb schreibt:

    Ich habe dazu in einem Roman mal eine Stelle gelesen, die mich sehr beeindruckt hat und hier passen könnte:

    Da war die Ehefrau eines langjährigen, sehr aufeinander bezogenen Paares verstorben, die zusammen u.a. viel gegärtnert hatten. Der Mann hat dann – ihr zu Gedenken – Blumen gepflanzt, und zwar gerade solche, die sie nicht mochte. Sein Anliegen dabei war, dass seine Frau in seinen Gedanken nicht „tot“ = starr sein sollte, sondern dass sie auch weiterhin einer Entwicklung offen war – im Rahmen seines Gedenkens. Vielleicht hätte sie irgendwann diese Blumen gemocht?

    Ich bin mit einem Witwer verheiratet, der (und die beiden Kinder) seine 1. Frau sehr früh verloren hat (gleiche Krankheit). Das klappt auch deshalb jetzt schon eine lange Weile sehr gut, weil die Ehefrau und Mutter nicht auf einem Podest steht und unabänderlich (großartig) ist, sondern weil man sich auch immer noch darüber ärgern kann, dass sie so-oder-so war und weil immer wieder spekuliert wird, wie sie wohl Dinge jetzt finden würde. Sie ist sehr präsent, vor allem deshalb, weil sie nicht starr eingesargt zum Zeitpunkt ihres Todes in Erinnerung geblieben ist, sondern weil sie in der Entwicklung mit dabei sein durfte. Auch darin steckt etwas von dem, das jemand nicht reduziert wird.

    Vielen Dank, dass wir weiterhin an so vielen wichtigen Gedanken teilhaben dürfen! Alles Gute!

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