Wenn Trauer krank macht

Trauer ist ein Zustand mit vielen Facetten. Die „schweren“, die negativen Seiten bedeuten psychologischen und körperlichen Stress. Zum Glück verbessert sich jedoch nach und nach die persönliche Situation. Leider ist das aber nicht immer der Fall.

Trauernde zeigen u.a. gerade in der Anfangsphase Symptome die einer Depression sehr ähnlich sind. Es ist Stress, der sich auch in körperliche Beschwerden zeigt.

Die Gedanken kreisen und lenken einem vom Alltäglichem ab, manche ziehen sich weit zurück, werden passiver. Die Motivation sich zu bewegen etwas zu essen, nimmt ab. Aber auch das Gegenteil ist möglich. Ruhelosigkeit, mehr Appetit, auch Schlafstörungen sind nicht selten. Auch gibt es Momente, in denen wird gar nichts mehr empfunden- weder Freude, noch Traurigkeit, Angst oder Erregung.

All diese Sympome nehmen glücklicher Weise im Laufe der Zeit wieder ab. Das heißt nicht, dass irgendwann das Leben wieder wie „davor“ wird, denn der Tod Angehöriger ist eine prägende Erfahrung die sich auch auf den Charakter auswirkt. Dennoch kommt die Zeit, in der diese Symptome langsam abklingen – zumindest ist das für Gewöhnlich der Fall und es wird wieder langsam einfacher sich den Herausforderungen des Alltags zu stellen.

In wenigen Fällen halten die Sympotme jedoch sehr viel länger an, klingen nicht ab und können sich manifestieren. Wenn nun die beschriebenen Symptome und das Verlustgefühl noch immer nach sechs Monaten so intensiv wie in der Anfangsphase empfunden werden, ist dies ein Anzeichen für eine Anhaltende Trauerstörung. So etwas kann sich dann noch Jahre hinziehen und trifft auf circa fünf Prozent der Trauernden in Deutschland zu – und ich bin einer davon.

Das ist keine Selbstdiagnose, sondern wurde mir nach eingen, sehr umfangreichen Diagnosegesprächen im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie an der ich nun teilnehme, mitgeteilt. In der Studie sollen nun zwei sich bekannte Therapiefomen die sich als wirksam erwiesen haben, miteinander verglichen werden. Teilnehmende werden also nach einer intensiven Voruntersuchung nach einer der beiden Therapieformen (ambulant) behandelt.

Die gute Nachricht ist daher- es gibt Hilfe, wenn die Intensität der Trauer nach langer Zeit einfach nicht abnehmen mag und der Alltag kaum zu bewältigen ist. Anlaufstellen können hier zB. die Kliniken sein. Denn leider kann auch ein noch so offenen Umgang mit den Themen Trauer und Tod, und ich behaupte mal, dass wir da sehr offen waren, ich es bin, keine Garantie gibt, nicht betroffen zu sein.

Comic - Anhaltende Trauer

Bleibt zu sagen, Trauer ist wichtig, sie ist ein sehr wertvoller Prozess mit dem Verlust umzugehen. Doch leider, wie bei so vielen Dingen, kann es auch hierbei „zu viel“ werden.

Dieser Beitrag wurde unter Alltag, Angehörigensicht, Das Leben danach, Trauer abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Wenn Trauer krank macht

  1. erklaerversucherin schreibt:

    Das kenne ich. Wenn auch nicht persönlich. Ein Freund von mir hat sich umgebracht und die Mutter musste deswegen in Therapie.

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  2. Marcus J. Jobs schreibt:

    Bei meinen Großeltern und bei meiner Mutter habe ich jeweils ein Jahr lang getrauert. Sobald sich Geburtstage und Todestage einmal jähren, klingt auch der Verlust ab. Man muss nicht die Uhr danach stellen, es geht von ganz alleine. Du wirst das schon schaffen, da bin ich mir ganz sicher, ansonsten meldest Du Dich direkt bei mir. Kopf hoch.

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    • Nein- um es direkt zu sagen, dass ist falsch. Wie beschrieben, gab es eine Reihe Untersuchungen die genau das ausschließen dass es u.a. eine „gewöhnliche Trauer“ ist, die nur eben im individuellen Fall etwas länger anhält. Es geht ja gerade nicht um die Dauer, sondern der Intensität.

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    • der Peter schreibt:

      Für mich persönlich, sind es genau diese Formulierungen und Sätze, die eben nicht nur nicht helfen, sondern die Trauer noch verstärken. Eigentlich ärgern mich solche Sätze sogar. Sie sind nur Floskeln, leere Hülsen, die man einfach so streut, ohne zu wissen was man auslöst!
      Ich spreche von: „Du wirst das schon schaffen, da bin ich mir ganz sicher,…“

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  3. Manuela schreibt:

    Ich habe euch ziemlich fast am Ende sozusagen kennengelernt und das Schicksal von Kali und dir hat mich wieder in meine eigene Trauer zurück katapultiert ich verlor meinen Mann 2017 da könnte man doch meinen es ist lange genug aber nein ist es nicht der Schmerz sitzt tief von daher sind es tröstliche Worte die du gefunden hast was wünscht man jemanden der trauert ich weiß es nicht zumindest eins es zeigt sich dass der Mensch zu sehr tiefen Gefühlen fähig ist und das wiederum tröstet mich und vielleicht auch dich….💞🤝😔

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