Das erste Jahr allein

Ein ganzes Jahr ist nun schon vergangen, seit ich meinen Weg ohne die Metahasenbändigerin an meiner Seite gehen muss. Die Zeit verging wie im Flug, rast geradezu an mir vorbei, während ich mich selbst wie in Zeitlupe bewege.

Ungläubig schaue ich die Tage auf den Kalender – 2020 ist nun bald vorbei, dabei kommt es mir so vor als wäre ich erst „gesetrn“ in eine neue Stadt, einem neuen Umfeld, einer neuen Wohnung, umgezogen. Und es gefällt mir hier sehr, gute Bedingungen neu anzufangen (da ich auch beruflich in einem neuen Feld arbeite).

Die Lücken zwischen den Beiträgen hier sind leider größer geworden, da es mir zunehmender schlechter geht – doch habe ich professionelle Hilfe, daher-  alles eine Frage der Zeit 🙂

Hochzeitsantrag, kurz darauf ihr Tod, Weihnachten, Neujahr, Anfang Januar mein Geburtstag, Anfang Februar dann die Gedenkfeier – all diese Ereignisse kommen in knapp zwei Monaten zusammen. Es sind alles sog. „Jahrestage“, die oft die Trauer besonders stark in den Vordergrund rücken. Bisher war allerdings das Gegenteil der Fall.

Sowohl an unserm Hochzeitstag, als auch an ihrem Todestag ging es mir besser als an den Tagen davor, dazwischen und danach. Als sie mir einen Antrag machte, war dies eine Bestätigung wie viel wir nach wie vor füreinander empfinden, vertrauen, keine falsche Rücksicht nehmen. Schließlich hätte es auch anders verlaufen können- im Rückzug, aus Sorge dem Anderen zu sehr zu belasten oder mit der Situation nicht umgehen zu können. Doch es hielt-

Bei ihrem Tod war ich dabei, die ganze Zeit über. Es war mir erlaubt mit ihr allein zu sein. Weder gab etwas, was ich noch hätte tun können, noch, was aus medizinischer Sicht für sie getan hätte werden können. Auch die Gedenkfeier verlief so, wie es gewünscht wurde. Daher verbinde ich mit dem Datum wohl auch eine gewisse „Zufriedenheit“, denn es gibt kein „hätte ich doch noch …„.

Was leider noch fehlt ist die Realisierung ihre Comic-Buchs. Dafür habe ich leider noch nicht die Kraft, muss mich (und ihr euch) noch in Geduld üben. Die ersten Versuche etwas zu schreiben waren mir zuviel, da es auch bedeutet, sich mit dem gesamtem Verlauf von Diagnose(n) und Therapie(n) noch einmal zu beschäftigen. Es bleibt jedoch ein wichtiger Bestandteil meiner Pläne für die Zukunft.

Aus der Reihe „Angehörigensicht“ habe ich auch noch ein paar Ideen die ich noch nicht umsetzen konnte, dass Blog wird also nicht so schnell verschwinden. Die Arbeit in der Selbsthilfe soll ja auch auch irgendwann weiter gehen und dann waren ja noch einige Ausstellungen geplant, die wegen der Pandemie nicht stattfinden konnten. Darüber werde ich natürlich auch schreiben. Nicht zuletzt arbeite ich ja selbst daran ihre Comics weiter zu führen, evtl. kommen die auch einmal mehr zur Geltung.

Doch das alles ist noch Zukunfstmusik. Wir beide sind immer optimistisch gewesen, und daran hat sich nichts geändert- nicht für meinen Blick in die Zukunft 🙂

Aber zunächst, müde Grüße-

Toni

Dieser Beitrag wurde unter Alltag, Das Leben danach, Willkommen im neuen Leben abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Das erste Jahr allein

  1. ancy schreibt:

    Jedem das Seine und alles zur Rechten Zeit! LG

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  2. Norbert schreibt:

    Hallo Toni,
    so ähnlich ging es mir auch, nachdem vor drei Jahren meine Freundin gestorben ist. Die Tage und das erste Jahr fühlten sich an wie in extremer Zeitlupe, obwohl sie auch wieder rasend schnell an mir vorbeizogen.
    Ich konnte sie ebenfalls bis zum Schluss begleiten und in ihrem Sinne zu Grabe tragen, so dass diese „Zufriedenheit“ auch bei mir vorherrscht.
    Bei mir kehrten die „Kräfte“ erst nach etwa zwei Jahren wieder zurück, da kann man wirklich nur abwarten…
    Von daher alles Gute für dich und liebe Grüße
    Norbert

    Gefällt 1 Person

  3. Andrea Voß schreibt:

    Lieber Toni, ich wünsche Dir alles Gute weiterhin. Bewahre Dir Deinen Mut und Deinen Optimismus. Ich wünsche Dir ein Frohes Fest und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr. LG von www-andrea-v.de

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