Halbzeit in der Trauertherapie

Seit einigen Monaten bin ich nun schon in der Trauertherapie. Dank der Möglichkeit auch online das Angebot wahrzunehmen, gab es keine Verschiebungen. Zeit also, für einige erste Gedanken.

Die Zeit rast weiter vorran, schon zehn Therapiestunden sind vergangen, ungefähr die gleiche Anzahl habe ich noch vor mir. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass es eine Therapie im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie ist. So muss ich vor jeder Sitzung den gleichen Fragebogen ausfüllen, wo Veränderungen (oder nicht) meiner Trauer ferstgehalten werden.

Mir persönlich hilft die Therapie in erster Linie meine Gedanken zu ordnen, denn die laufen nach wie vor ziemlich wild durcheinander. Trauer kommt mit einem ganzen Strauß von Emotionen. Ich lerne langsam zu sortieren was alles Ursache, was Wirkung meiner Gefühlswelt ist. Das ist komplizierter, als es sich zunächst anhört.

Es geht um die „großen Drei“

The Good, the Bad and the Ugly

The Good sind all die positiven Coping-Strategien, die mir nicht nur kurzfristig gut tun, sondern auch langfristig dafür sorgen, dass sich meine Trauersituation verbessert. Diese Handlungen gilt es zu erkennen, zu etablieren, um die Folgen der nächsten Beiden zu verhindern.

The Bad hingegen sind ebenso, sich kurzfristig positiv auswirkende Handlungen, die jedoch leider langfristig eine Veränderung verhindern und so den Trauerzustand nur stabilisieren. Diese können gerade am Anfang noch wichtig sein um irgendwie durch den Alltag zu kommen. Leider führen die aber unweigerlich immer wieder zu neuen Phasen starker Traurigkeit, Apathie, Angst, Einsamkeit usw. „Verdrängen“ ist so ein typischer Fall. Es gilt also diese Mechanismen von den Guten zu unterscheiden, was schwierig genug ist, da sie sich ja in dem Moment gleich anfühlen, ja sogar liebgewonnene Rituale sein können.

The Ugly hingegen sind für mich alle „Zustände“, die mir nicht gut tun. Ich kenne nicht die Ursache oder bin zumindest nicht in der Lage sie zu verhindern. Sie führen zu gesundheitlichen Problemen, stören zum Teil massiv den Alltag und können bisher nur „ausgehalten“ werden. Hier gilt vor allem das Erkennen um präventiv zu Handeln.

Gefühlt stehe ich noch irgendwo am Anfang, erkenne aber erste Zusammenhänge. Auch gesundheitlich geht es mir nur bedingt besser. Ich habe noch viele ihrer Sachen bei mir- und da geht es schon los. Verdränge ich hier, weil ich die nicht weggebe? Fehlt mir nur im Moment die Kraft dazu? Zum Teil ist es Erinnerung, zum Teil sind es aber auch Dinge, von denen ich noch dazulerne, wenn ich mich damit befasse wie zB. Bücher, die sie sammelte. Doch ist mir auch klar, dass ich viel Geduld brauche. Es heißt nicht ohne Grund anhaltende Trauerstörung.

Wichtig ist aber auch, welche Erwartungen in eine Therapie gesetzt werden. So erwarte ich nicht, dass am Ende auch dieser Zustand der anhaltenden Trauer vorbei ist. Viel mehr sehe ich in der Therapie die Möglichkeit, ein „Set“ von Copimg-Mechanismen zu erlernen, die ich dann (erfolgreich) anwenden kann. Langfristig werde ich so den Alltag wieder besser bewältigen und letztendlich werden die positiven Erinnerungen und Erfahrungen überwiegen.

Soviel erst einmal dazu. All diese Gedanken rund um die Trauer haben mich sehr stark eingenommen, doch wird es zunehmend besser.

Demnächst wird es daher auch mal wieder zurück zum Thema Krebs aus Angehörigensicht gehen.

Bis dahin 🙂

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Eine Antwort zu Halbzeit in der Trauertherapie

  1. mel_booklover schreibt:

    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und das du mit Hilfe der Therapie deinen Weg durch die Trauer findest! Alles Liebe, Mel

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