Sichtwechsel: Interview mit Andrea Heckmann

AndreaHeckmannSich mit dem Thema Krebs auseinanderzusetzen ist gar nicht so einfach. Jeder geht auch anders damit um. Das gilt sowohl für die erkrankte Person selbst, als auch für Freunde, Partner, Eltern oder Kinder. Dennoch finde ich es wichtig sich auch untereinander auszutauschen, denn die Sorgen und Ängste können durch ein offenes Gespräch minimiert werden. Geteiltes Leid ist halbes halt, sagt man so schön. Ich glaube da ist was dran.

Für mein erstes Interview darf ich euch Andrea Heckmann vorstellen. Andrea ist psychoonkologische Beraterin im Raum Münster. Mit ihrem neuen Projekt will  sie nicht nur Ängste und Sorgen der Betroffenen auffangen, sie will auch Mut machen und besonders auch zum Muthaben anstecken. Ich freue mich also besonders mit euch einen Einblick in Andreas Leben zu geben und den Umgang mit Krebs von ihrer Seite aus zu beleuchten.

O.: Wer bist du, was machst du und woher kennen wir uns?

A.: Hallo und guten Tag, mein Name ist Andrea Heckmann, ich bin 46 Jahre jung und wohne mit meinen 2 Mädels, meinem Mann und unserem Hund Lucy im schönen Münsterland. Ich bin Expertin für LebensMUTivation – eine ETWAS andere Bezeichung für die Psychoonkologische Beratung und Begleitung, die ich von Herzen gerne mache. Außerdem baue ich ein Netzwerk lebensMUT auf, das bei gleichem Thema verschiedene Bedürfnisse abzudecken versucht, neben der Psyche auch das Wohlbefinden, ein sehr wichtiges Thema.

Wir haben uns ursprünglich mal bei Twitter entdeckt, und vertieft bei Facebook durch Chats und Zoominate.

O.: Wenn du die Möglichkeit hättest dem Krebs ein paar Takte zu sagen, was wäre das?

A.: Oftmals ist er ein richtig blöder Kerl. Er bringt viele zum Umdenken, mich ärgert es, das manche Menschen hoffnungslos ausgeliefert sind…

O.: Hast du dich schon vorher mit dem Thema auseinander gesetzt? (Bücher, Filme, Gespräche? o.ä.)

A.: Seit meiner Kindheit kenne ich das Krebs-Thema. Nein- ehrlich gesagt erst nach dem Tod meines Vaters- er starb an einem Glioblastom-einem Hirntumor nach nur vier Monaten.

Danach habe ich mit intensiv mit dem Krebs, der Entstehung usw. und auch dem Tod auseinandergesetzt.

O.: Wenn ja, kannst du daraus hilfreiches für dich im Umgang mit der betroffenen Person ziehen?

A.: Ich kann es sehr gut verstehen, wenn die meisten Menschen das Leid nicht sehen wollen, weil es ist auch ihr eigenes Leid, dennoch lohnt sich der Blick dorthin, um vorbereitet zu sein auf den eigenen Tod – denn der kommt ganz bestimmt irgendwann um die Ecke.

O.: Wie geht dein Umfeld mit der Erkrankung um?

A.: Ich spreche sehr viel über das, was ich mache, und die Reaktionen sind unterschiedlich: die einen stecken den Kopf in den Sand, die anderen wollen mehr wissen. Jeder muss für sich schauen, es zu kommunizieren ist nur wichtig. Welche Strategie ist für dich die Richtige? Dessen sollte man sich selbst bewusst sein und das auch ruhig sagen: Dinge wie: Ich brauche Zeit, das zu verarbeiten beispielsweise.

O.: Würdest du daran etwas ändern wollen?

A.: Ich arbeite daran, etwas zu verändern: dass wir offener mit der Erkrankung umgehen und drüber sprechen. Oder darüber, was uns gerade hindert, darüber zu sprechen. Dann wird vieles einfacher.

O.: Wie fühlst du dich im Umgang mit der erkrankten Person?

A.: Bei meinem Vater fühlte ich mich oft hilflos und überfordert, meine Mutter kam damit auch gar nicht klar. Hilfe wäre toll gewesen, stattdessen war es ein ständiger Kampf mit den Ärzten.

O.: Was tat dir gut im Umgang mit dieser?

A.: Die Gespräche waren toll. Sie waren intensiver als sonst.

O.:  Hat die Situation der betroffenen Person dein Leben verändert?

A.: Die Erkrankung und der Tod meines Vaters hat mein Leben verändert.

O.: Events: Wenn du die Möglichkeit hättest was würdest du im nächsten Jahr mit der Person unternehmen wollen?

A.: Viel mehr Zeit – Zeit ist das wertvollste Geschenk, ich würde ihm so gerne nochmal DANKE sagen für alles, was er für mich getan hat. Ich bin ihm sehr DANKBAR

O.: Hast du Fragen oder Gedanken die du noch loswerden möchtest?

A.: Ja, eine Apell an alle Angehörigen und Freunde: auch ihr dürft euch bei Psychoonkologen Hilfe holen, fordert sie ein, sie ist wichtig für euch und ihr helft damit auch dem Betroffenen. Auch für den Betroffenen sollte diese Hilfe zur Verfügung stehen.

AndreaHeckmann2

Danke liebe Andrea für deinen Beitrag und deine Zeit die du mir und dem Blog gewidmet hast!

Liebe Grüße

Eure Onko

 

>> Ihr findet das Interview spannend  und wollt ebenfalls befragt werden oder hättet Lust gerne einen Gastbeitrag aus der Sicht eines Angehörige bei mir zu veröffentlichen? Dann schreibt mir eine E-Mail an onkobitch(at)gmx.de und ich gucke was wir zusammen auf die Beine stellen können. Bitte beachtet, dass ich nur eine Auswahl treffen kann, also falls da ein Ansturm kommt, seid mir nicht bös wenn es erstmal nicht klappen sollte.<<
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2 Antworten zu Sichtwechsel: Interview mit Andrea Heckmann

  1. Ela schreibt:

    Sehr schöne Idee, ich bleib dran und verfolge was da noch kommt😉 ich denke oft selbst, wenn alles vorbei ist bin ich ein besserer Berater als mancher von der Krankenkasse /Arzt/ 😂 im ganzen Gewusel um Anträge /Medikamente /Therapien /Pflege ist es so undurchsichtig, obwohl der Kampf gegen eine Krankheit schon schwer genug ist. ..

    Gefällt 3 Personen

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