Wenn die Angst verfliegt

IMG_0147Ich hatte gestern mein OP-Vorgespräch! Ich war tatsächlich ziemlich aufgeregt. Die Chemo fühlt sich mit ihrem Abschluss auch entsprechend abgeschlossen an. Aber leider reicht diese nicht aus um meine fette und breit gewucherte Schakeline zu bezwingen. Die OP tut ihr übriges. Ich hatte also am Abend zuvor und auf dem Weg zur Klinik dieses Gefühl in mir, dass das Gespräch eine Leere in mir lässt. Sozusagen eine Leere die entsteht, wenn ein teil der Weiblichkeit genommen wird.

Nichts hat mir während meiner Therapie mehr Angst gemacht als die Brustmastektomie (wikiLink- Vorsicht Bilder).

War ja eigentlich klar, nach der schweren ersten Phase, bei der die Behandlung durch meine Gynäkologin ziemlich aus dem Ruder lief. Da ist „etwas“ in der Brust, das muss raus hieß es… Im Nachhinein hatte sie recht aber Kommunikation ist das A und O in der Behandlung und da war leider nichts. Na ja, wie dem auch sei. Mein erstes Horrorbild meiner Zukunft war nicht der Krebs der in mir Hausen könnte, sondern die Brustamputation der vergangenen Tage. Ohne Aufbau, entstellt und vernarbt. Ich schleppte also heulend mich und mein Fahrrad nach Hause und hoffte nicht all zu vielen Menschen entgegen zu gehen. Mein Freund kam mir helfend auf halben Wege entgegen und nahm mich in die Arme. An diesen Tag erinnere ich mich noch heute als wäre er gestern gewesen. Das prägt ziemlich stark. Danach folgten die ganzen Untersuchungen zur Krebsdiagnose. Alles zusammen brachte dann heraus, dass meine Brust zu 99% abgenommen werden musste, mit der Brustwarze und dem Brustwarzenhof (der braune Kreis um dem Nippel herum). Diese Nachricht hat mich natürlich wieder ziemlich erschüttert. Mein Freund war es, wie auch bei meinem ersten Horrorszenario, der mich auf den Boden der Tatsachen und auf die aktuellen Behandlungsmethoden gebracht hat. Man kann einen Busen wieder aufbauen und das optisch sehr natürlich. Trotzdem es ist ein Eingriff in die Weiblichkeit und ich hatte angst unvollständig und nicht mehr weiblich zu sein. Ich habe im Internet so manche Frau bewundert wie sie freudestrahlend „oben ohne“ rum läuft und sich immer noch wie eine Frau fühlt. Die Fotos haben mich auch etwas vorbereitet, aber auch Ängste gebracht, dass ich keine andere Wahl hätte. (Also Vorsicht im Umgang mit Internetquellen)

Doch nach all den Gedanken und Befürchtungen kommt es anders als man denkt. Meine Fragen zur OP habe ich am Montag im Cafè bei einem großen Latte Machiatto zusammengetragen. Und nun saß ich gestern am Arbeitstisch im Ultraschallraum und habe alles runter gerattert was ich wissen wollte.

  • Wie wird operiert?
  • Was wird alles entnommen?
  • Wie sehen andere Operationen aus?
  • Wie lange dauert die OP?
  • Wie lange bleibe ich im Krankenhaus?
  • In wie vielen Schritten läuft der Aufbau?
  • Wann werden diese sein?
  • Wann wird bei einer Vererbung die zweite Brust entnommen?
  • Wird die Brust bereits während der Bestrahlung aufgebaut?

Ich habe auch auf alles eine Antwort bekommen! Sogar Bilder konnte ich mir anschauen. Bereits während der Chemo hegte ich den Wunsch Implantate zu bekommen. Und da lag nun so ein weißes wabliges Ding vor mir. Ich hab es natürlich zum Testen in die Hand genommen. Es fühlt sich gut an^^ meine zukünftige Brust. Und so anders wie Schakeline wird es sich nicht anfühlen.Wahrscheinlich etwas weicher- besser 😉

Ich werde also am 24. Februar operiert und bekomme bei meiner 1. OP meinen Tumor entfernt. Gleichzeitig wird ein Expander eingesetzt, bei dem über einen Port Kochsalzlösung geführt wird. Einmal im Monat wird der aufgefüllt, so dass sich die Haut langsam dehnt. Der bleibt auch während der Bestrahlung, bis ich meine Wunschgröße habe und mein Körper sowie meine Psyche stabil sind. Nach einem halben bis 3/4 Jahr wird dann die 2. OP stattfinden bei der das Implantat eingesetzt wird. Da im Dezember herauskam, dass bei mir eine Vererbung vorliegt werde ich wohl in einem Schwung meine zweite Brust ebenfalls mit einem Silikon-Implantat bestücken. Dadurch minimiert sich das Risiko erneut an Krebs zu erkranken um 80-90%. In einer 3. OP, wenn ich sie dann noch möchte, kann ich meine Brustwarze mit eigenem Gewebe aus dem Oberschenkel rekonstruieren und den Brustwarzenhof pikmentieren lassen.

Für die erste OP werde ich mind. 4 Tage und max. 7 Tage im Krankenhaus sein, danach kann ich nach Hause. Damit alles da bleibt wo es auch bleiben soll bekomme ich einen besonderen Trage BH. Ich hab leider vergessen wie das Ding heißt. Auf jedenfall hält er alles schön an Ort und Stelle.

Es gibt natürlich auch Risiken. Der Expander kann sich drehen oder die Implantate werden vom Körper abgestoßen. Ich hoffe ich werde davon nicht betroffen sein.

Also mich hat das alles beruhigt und Hoffnungsvoll gemacht. Für manche bedeutet aber so ein langer Prozess mehr Ängste. Bei anderen wird eher auf Eigengewebe zurückgegriffen. Dort sind die Behandlungsmethoden anders. Ergo, diese Vorgehensweise ist individuell auf mich abgestimmt. Bei Fragen also immer lieber an die Ärzte wenden.

Am Ende der Besprechung bin ich ziemlich Euphorisch aus dem Raum geschritten, da ich kein Leere-Gefühl und keine Angst hatte. Selbst bei der Chemo hatte ich den ein oder anderen Laberflash :D.

Es ist irrsinnig komisch, wenn man sich selbst nicht einschätzen kann und am Ende von einem selbst überrascht wird!

So ging es mir und damit gute Nacht, guten Morgen oder guten Tag liebe Leser!

Eure Onko

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