Nicht Fair

Ich bin empört, frustriert und ehrlich gesagt fühle ich mich verletzt. Von einem Teil der Gesellschaft, den Medien und manch nahestehendem Menschen. Als nicht gleichwertig wahrgenommen und die Erkrankung als Tabuthema verschwiegen.

IMAG0169Kinder sind ein wunderbares Beispiel. Als Höhepunkt des Lebens werden sie als das Ziel schlechthin und die Erfüllung des Lebens gesehen. Kindergarten- Schule-Ausbildung-Beruf-Ehe und Kinder. Der Lebenskreis schließt sich, die vollendete Erfüllung tritt ein. Was bleibt den Menschen, die keine Kinder haben können? – ein unvollendetes Lebensgefühl? Frust dass sie keine „eigenen“ Kinder haben können?

Je nachdem in welchem Spannungsverhältnis der oder diejenige lebt, gibt es sicherlich große oder weniger große Probleme damit. Wie sagte meine Mutter: „Die,die Kinder wollen, kriegen keine und die keine wollen, kriegen welche“. Ich denke: Aber ich wollte doch gar keine Kinder!- Nicht unbedingt..und vielleicht kann ich später auch gar nicht. Vielleicht denke ich in 5 Jahren ja anders darüber. Es gibt ja noch die Adoption. Was ist mit den Frauen die keine Kinder wollen? Sind sie genauso unerfüllt? Ich bezweifle es. Die Frage ist ja nicht was wir vermissen wenn etwas nicht da ist, sondern was wir aus dem machen was wir haben und haben können! (Leichter gesagt als getan)

In Bezug auf meine Krebserkrankung fühle ich mich gerade total verarscht. Da steckt eine Zeitung 100.000 Euro in die Errichtung eines Elternhauses und ich sehe wie viele Frauen sich über Jahre hinweg darum einsetzen in ihrer Heimatstadt Spenden für ihren Verein aufzutreiben, um die Situation zu verbessern. Es stehen überall Spendendosen für die Kinderkrebshilfe und keine für die Frauen und Männer aus, die im Alter ebenfalls an Krebs erkranken.

Ich möchte nicht sagen, dass man nicht spenden soll für die Kinder, schließlich reißt es eine ganze Familie mit. Doch ich würde Lügen, wenn ich sagen würde, dass meine Eltern und meine Brüder sich keine Sorgen machen und auch keine Angst um mich haben weil ich 31 bin. Doch Kinder haben diesen besonderen Mitleidsbonus. Bei ihnen kann man nicht sagen, sie haben es selbst provoziert mit ihrem Rauchen, Essverhalten oder was auch immer. Ich denke das ist einfach eine Form sich vor der Tatsache zu distanzieren: Krebs ist einfach scheußlich scheiße und macht ziemlich viel Angst! Bei Kindern ist man fassungslos, mit 60 Jahren sagt man, es ist nicht ungewöhnlich. Ich sage euch: die Ängste und der Wunsch zu Leben sehe ich auch bei diesen Frauen und Männern! Ich könnte mir erdreisten zu sagen, dass Kinder bis zu einem gewissen Alter das Glück haben nicht die gesamte Tragweite zu verstehen. Sie haben auch nicht die Verantwortung im Leben. Sie stehen zwar mit beiden Beinen im Leben müssen sich aber keine Gedanken machen wie sie sich wieder in die Berufswelt integrieren und zu „funktionieren“, denn das wird von den Erwachsenen erwartet. Und so eine Krebstherapie hinterlässt Spuren- körperlich und psychisch. Die Belastbarkeit verändert sich, die Knochen oder andere Körperbereiche können in Mitleidenschaft gezogen sein.

Der Altersunterschied bringt unterschiedliche Herausforderungen/Probleme aber die Wertigkeit eines Menschen sollte sich nicht nach der übrig gebliebenen Lebensspanne richten. Doch das, so empfinde ich, kommt vor wenn es heißt „Oh Gott, er ist ja noch so Jung und hat das Leben noch vor sich“ oder wenn ich mal wieder einen Titel zu einem Spendenaufruf für die Kinderkrebshilfe sehe.

Wenn wir schon mal bei diesem Blickwinkel sind, dann wird auch relativ schnell klar, dass die meisten Probleme dann bei den Eltern der Kinder liegen, die alles wuppen müssen. Aber auch die stehen nicht so im Vordergrund wie die Kinder… wie sähe das auch aus? Das würde wohl auch nicht diese Einschaltquoten bringen. Und das in einem Familien- und Kinderunfreundlichen Land wie Deutschland… AmBiValENt.

Und zu guter Letzt…so langsam habe ich tatsächlich meine Wut herausgeschrieben.

Es gibt tatsächlich noch die Generation: Tabuthema Krebs. Wenn das Wort Brustkrebs nicht genannt wird.. So wie bei Harry Potter mit „Er, dessen Name nicht genannt werden darf“. Ja irgendwie ertappe ich mich sogar aus Vorsicht dabei ja nicht das Wort Brustkrebs in den Mund zu nehmen, wenn ich mit einer bestimmten Person telefoniere. Dann heißt es eher, du hast nichts von meiner Diagnose erzählt? oder Sie weiß das mit mir noch gar nicht?..

Schrecklich oder? Da gehe ich schon so offen mit meiner Krebserkrankung um und dann passiert sowas. Aus Rücksicht oder übertriebener Vorsicht? Ich weiß es noch nicht so genau. Jedenfalls fand ich es ziemlich verletzend, als die Person X mit Y über Ys Einladung zum Geburtstag gesprochen hat und in Bezug auf mich die Entfernung als Grund angab, warum mein Partner und ich nicht kommen können. Tatsache ist, ich bin gerade mal 3 Wochen aus dem Krankenhaus raus und gehe vielleicht in meine Strahlentherapie. Ich wünschte ich könnte die Entfernung als Grund angeben aber das kann ich nicht. Und dann brauche ich auch lieber nicht bei meiner Verwandten anrufen, um mit ihr persönlich zu sprechen. Es könnte ja falsch ankommen oder nicht richtig sein. So wie: „Oh er hat Depressionen und einen Schlaganfall hinter sich, du brauchst da nicht anrufen schließlich ist er umgezogen und hat den Kontakt abgebrochen.“ Da kriege ich die Krise….

Liebe Grüße eure unter Strom stehende Onko!

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Eine Antwort zu Nicht Fair

  1. richtig,genau so ist es.als ehemalige wenn auch in einem anderem land,weiß ich von was du sprichst.erwachsene haben nicht so die loby alles nur ehrenamtliche hilfe die ihn zwar auffängt aber die zukunftsangst und das sind nun einmal geld,beruf usw.da ist man allein nach paar monaten ist das krankengeld weg(H4),arbeitsverträge werden meistens aufgelöst und zu der krankheit die ihn genug angst macht kommt die angst „wie geht es finanz.weiter“,wenn mann glück hat gibt es rente aber die ist bei jüngeren meist so klein vergiß es.man muß viel kämpfen bis man am ziel ist und gott sei dank weiß ich das du(ICH HOFFE ICH DARF DAS SAGEN?!!)meine schwiegertochter eine große kämpferin bist,eine bescheidene und vorallem humorvolle hübsche junge frau bist.mach weiter so ,sag deine meinung erzähl von deiner krankheit wenn es dich stark macht mit ganz vielen lieben grüßen bedacht ,sei umarmt ute

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