Im Strudel der Zeit

strudelWährend ein gewisser amerikanischer Präsident (dessen Namen hier nicht genannt werden darf) in sein Amt vereidigt wurde und scheinbar die ganze Welt den Atem anhielt, habe ich meine ganz eigene Komfortzone verlassen. Eine Woche ist vergangen und ich habe wieder zu atmen begonnen, während die Welt noch die Verdauungsprobleme bewältigt.

Eine Woche habe ich gebraucht um über das eigentliche Problem nachzudenken. Meine zweite Hälfte hat sich diesbezüglich als mein Rettungsschirm herausgestellt, der durch seine einfache Präsenz mich in ein komplett anderes Denkumfeld bringt.  Vielleicht muss der ein oder andere meinen Vortext zur Komfortzone lesen, um mir hier zu folgen. Ich habe Schlüsse gezogen, denn es geht nicht darum was ich war und ob das auch stimmt, sondern was ich sein möchte und wie ich das gestalte. Ich habe bereits im vergangenen Jahr über die Schubladen geschrieben, in die wir uns so gerne stecken. Genau das habe ich getan! Ich habe versucht einen Grund und eine Rechtfertigung zu finden warum ich eine Brustabnahme für mich eher in Betracht ziehe und mich selbst in Frage gestellt. Ich habe verschiedene Schubladen geöffnet und mich gefragt, welche mich mehr geprägt hat. Hat mein Aufwachsen mit Jungen einen Einfluss auf meine heutige Entscheidung? Habe ich gewisse Präferenzen in meiner Entwicklung übersehen, die ich jetzt erst verstehe und begreife? Theoretische Fragen bringen mich zu keiner Antwort, die mein Empfinden betrifft. Ich glaube ein großer Punkt in meiner Unsicherheit liegt daran, dass ich mich in einem jungen Lebensabschnitt nie wohl in meinem Körper gefühlt habe und mir auch immer wieder vorgehalten wurde, dass ich nicht dem entspreche was erwartet oder gewünscht ist. Das hat mich damals bis heute immer wieder belastet. Ich denke ich bin da nicht die einzige, es geht mir auch nicht darum mich da jetzt zu bemitleiden. Es sind Dinge die ich aufarbeiten muss.

Es ist zudem auch nicht einfach sich gegen Ärzte stark zu machen, wenn man eh nicht 100%-ig sicher ist was man möchte. Das Bedürfnis zu wissen wer man ist, wie man geprägt ist und ob das auch so stimmt, ist ziemlich groß. Die Gefahr dabei ist, zu vergessen was ich für meine Zukunft will und ob ich so bleiben will wie ich bin. Auf manche Fragen habe ich noch keine Antworten, dafür habe ich dann das Gespräch mit meiner Psychologin! Ich freue mich schon wahnsinnig darauf in meiner eigenen Denkmurmel zu wühlen und ganz ohne Bewertung und Befangenheit mich damit auseinander zu setzen.

Meine nächsten Schritte bestehen aus dem Einholen von einer 2. und oder 3. Meinung. Dazu werde ich mir meinen OP Bericht einholen und schauen ob auf meiner Tumor-Seite der Brustmuskel komplett da ist oder sogar ein Teil mit abgetragen wurde. Davon hängt (meines Wissens) ab, ob das Implantat unter oder auf den Muskel gesetzt wird.

Aber ehrlich, ich habe schon eine Entscheidung getroffen. Ein Aufbau kommt für mich nicht in Frage. Ich habe keine Lust. Ich weiß, dass wenn ich meine rechte implantierte Seite ebenfalls abbauen lasse, dass es mir sicherlich nicht immer gefallen wird. Dass ich Phasen habe in denen ich frustriert bin, dass ich Brustkrebs hatte und mein Leben sich in einem so kurzen Abschnitt komplett gewandelt hat.

Es ist aber nicht der Brustkrebs an sich, der mir zu schaffen macht, es ist/sind meine Sozialisation, meine Wertvorstellungen, meine Unsicherheiten. Die Schwierigkeit mich an das gewünschte anzupassen, die Messlatte erreichen zu wollen/müssen die meiner Meinung nach unnötig hoch gesetzt ist. Eigentlich muss ich gar keine Messlatte erreichen- erzählt das mal meiner anderen Gehirnhälfte.

Auf jeden Fall tut es mir gut einzugestehen nicht aufbauen zu müssen. Ob es so bleibt wie es jetzt ist, wird als nächstes geklärt.

Damit lasse ich dieses Kapitel erst Mal so stehen.

Liebe Grüße eure Onko!

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